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Theatergruppe Bokern-Märschendorf fiebert der Premiere entgegen

In der Lohner Bauerschaft heißt es ab Ende Januar: endlich wieder plattdeutsches Theater! Corona ist kein Thema mehr – dafür ist das Laienschauspielensemble auf der Suche nach echten Kerlen.

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Bauernsohn Mathias Holtkamp (Florian Trimpe, links) muss feststellen: "Jojo, dat öller weern ... Eine elende Saoke!" Denn Vater Franz (Bernd Seeger) und Mutter Rosa (Annette Düvel) geben alles, um ihren Sohn in die Knie zu zwingen. Foto: Theaterverein Bokern-Märschendorf

Bauernsohn Mathias Holtkamp (Florian Trimpe, links) muss feststellen: "Jojo, dat öller weern ... Eine elende Saoke!" Denn Vater Franz (Bernd Seeger) und Mutter Rosa (Annette Düvel) geben alles, um ihren Sohn in die Knie zu zwingen. Foto: Theaterverein Bokern-Märschendorf

"Neue Männer braucht das Land" – diese Zeilen sang Ina Deter vor 40 Jahren in ihrem Hit. Der Theaterverein Bokern-Märschendorf möchte diese Botschaft jetzt in abgewandelter Form ebenfalls in die Welt tragen. Das Laienschauspielensemble sucht neue Darsteller für die Bühne und Helfer im Hintergrund – am liebsten 45 Jahre und älter, wie Regisseur Klaus Landsdorf mitteilt. "Wir haben noch Kerle, aber alle noch recht jung. Uns fehlt der Mittelbau."

Die etwa 25 Aktiven befinden sich aktuell in der Vorbereitung auf die Spielsaison 2023 – die erste nach der frustrierenden Corona-Zwangspause. Landsdorf sagt: "Die Pandemie ist kein Thema mehr." Die Proben in der Schützenhalle Bokern-Märschendorf seien nur noch von wenigen Corona-Erkrankungen gestört worden. Auch die Zuschauer freuen sich wieder auf plattdeutsches Theater, wenngleich Landsdorf anführt: "Wir haben bislang etwa 60 Prozent des Kartenkontingents verkauft. Da geht noch was." In der Spitze zählte das Ensemble vor Corona bis zu 3000 Zuschauer pro Spielzeit.

Der Theaterverein Bokern-Märschendorf spielt 2023 das Stück "Mit dei Fraulüe bin ick farig", ein Lustspiel in drei Akten. Das Original aus dem Jahr 2013 heißt "Allein unter Kühen" und stammt aus der Feder von Cornelia Willinger. Franz-Josef van Koten hat den Text ins Plattdeutsche übersetzt. Für die Bearbeitung und Inszenierung zeichnet Klaus Landsdorf verantwortlich.

Regisseur berichtet von einem motivierten Ensemble

Der Regisseur registriert leichte Startschwierigkeiten beim Ensemble nach der Phase ohne Rampenlicht. Umso größer sei aber nun die Vorfreude auf die Rückkehr auf die Bühne. "Die Lust aufs Schauspiel ist da, alle sind motiviert. Ich habe den Eindruck, dass die Atmosphäre im Team noch harmonischer ist. Alle wissen es noch mehr zu schätzen, plattdeutsches Theater spielen zu dürfen", sagt Landsdorf.

Zurück zu den Männern: Ludger Övermöhle engagiert sich seit 8 Jahren im Theaterverein; anfangs als Bühnenbauer, heute als Requisiteur. Der Programmierer kam zu der Truppe, weil er nach eigenen Angaben "Lust auf ein bisschen Basteln" hatte. Als Requisiteur ist er für die Beschaffung der Gegenstände zuständig, die für die Inszenierung benötigt werden. "Eine Herausforderung ist es, die Wünsche des Regisseurs zu erfüllen", sagt der 53-Jährige.

Er dreht die richtigen Knöpfe: Franz-Josef van Koten hat am Mischpult das Geschehen auf der Bühne genau im Blick. Foto: TimphausEr dreht die richtigen Knöpfe: Franz-Josef van Koten hat am Mischpult das Geschehen auf der Bühne genau im Blick. Foto: Timphaus

Övermöhle sucht auf Flohmärkten und bei "Ebay Kleinanzeigen" nach den Requisiten. "Manchmal steuern die Mitglieder des Ensembles auch etwas bei." Den richtigen Gegenstand zu finden, sei oft nicht leicht. Beim aktuellen Stück kommen noch die hohe Zahl der Requisiten, ein Umbau während der Aufführung und die aufwendige Dekoration hinzu, die Övermöhles Job anspruchsvoll machen.

Es reizt ihn, gemeinsam mit anderen etwas auf die Beine zu stellen. "Der Teamgeist ist gut", sagt der Märschendorfer, der sich seit dem vergangenen Jahr auch als Schriftführer engagiert. Den Wechsel zur Requisite hat er nicht bereut. "Auf diesem Posten habe ich mehr Kontakt zu den Schauspielern und dem Ensemble insgesamt. Das gefällt mit", sagt Övermöhle.

Zwei Männer des Ensembles denken ans Aufhören

Ein Mann der ersten Stunde bei den Laienschauspielern ist Bernd Seeger. Der 76-Jährige ist bereits seit 1990 dabei. Der Märschendorfer gehörte damit zu den Gründungsvätern. Für ihn stellt seine Rolle als demenzkranker Vater Franz wahrscheinlich den letzten Auftritt dar.

Ebenfalls ans Aufhören denkt Franz-Josef van Koten. Der 83-Jährige gehört dem Theaterverein Bokern-Märschendorf seit 12 Jahren an. Er kam über seinen Bruder Peter van Koten, Vorgänger von Landsdorf als Regisseur, zum Ensemble. "Dieses Jahr soll das letzte sein", sagt der Lohner. Der einstige Weltenbummler und – Eigenbeschreibung – "Computerfreak" ist zuständig für Licht und Ton. Außerdem wickelt er den Kartenverkauf ab und übersetzt oft die Texte ins Plattdeutsche. "Zu Hause sitzen kann ich nicht."


Fakten:

  • "Mit dei Fraulüe bin ick farig": Lustspiel in drei Akten von Cornelia Willinger, Regie: Klaus Landsdorf, Schützenhalle Bokern-Märschendorf.
  • Die Aufführungen mit Kaffee und Kuchen (jeweils sonntags um 15 Uhr): 29. Januar, 5. Februar, 12. Februar, 19. Februar und 26. Februar.
  • Die Abendaufführungen (jeweils um 19.30 Uhr): 4. Februar (Samstag), 11. Februar (Samstag), 17. Februar (Freitag), 23. Februar (Donnerstag), 25. Februar (Samstag), 3. März (Freitag) und 4. März (Samstag).
  • Die Tickets: Karten für die Aufführungen kosten 8 Euro. Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren zahlen 2 Euro. Für die Vorstellungen mit Kaffee und Kuchen werden 15 Euro fällig. 
Damit der Vorhang pünktlich fällt: Requisiteur Ludger Övermöhle behält das Treiben auf der Bühne über einen Bildschirm im Blick und wartet auf seinen Einsatz. Foto: TimphausDamit der Vorhang pünktlich fällt: Requisiteur Ludger Övermöhle behält das Treiben auf der Bühne über einen Bildschirm im Blick und wartet auf seinen Einsatz. Foto: Timphaus

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