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Theater flüchtet vor Saalenge ins Freie

Das Cloppenburger Theaterforum schickt eine raubeinige Matrosen-Truppe mit Hans-Albers-Anklängen auf den Brink im Museumsdorf.

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Zieht um ins Museumsdorf: Pippi Langstrumpf vom Mülheimer Figurentheater Wodo. Foto: Wolfgang Kaup-Welfonder

Zieht um ins Museumsdorf: Pippi Langstrumpf vom Mülheimer Figurentheater Wodo. Foto: Wolfgang Kaup-Welfonder

Mechthild Antons lief zweimal mit dem Zollstock durch den ganzen Theatersaal, weil sie ihren Messungen nicht traute. „Ich mochte es nicht glauben“, sagt die Vorsitzende des Cloppenburger Kulturforums, aber es stimmte genau: Wenn alle Abstandsregeln eingehalten werden, passen in den Saal des Kulturbahnhofs nur 30 Zuschauer. Tatsächlich fallen 130 Sitzplätze dem Infektionsschutz zum Opfer. Antons: „Ein Jammer!“

Da kam das Antons das Angebot des Museumsdorfs, die neue Freilichtbühne auf dem Brink zu nutzen, wie ein Geschenk des Himmels vor. Zur ersten Freiluft-Aufführung des Theaterforums im reduzierten Kultursommer war eine passende Truppe schon gebucht.

Auftritt mildert Schock über die Auflagen

Fünf raubeinige, aber höchst musikalische Leichtmatrosen aus Hamburg frischen die Waterkant-Klassiker von Hans Albers auf. Mit ihrem Programm „Albers ahoi!“ entert das junge Quintett mit Pauke, Tuba und Schifferklavier am Freitag, 4. September, um 20 Uhr die Brink-Bühne (Einlass 19 Uhr). 

„Wir sind froh über diese Gelegenheit“, sagt Antons erleichtert. Denn das mildert den Schock der Auflagen, die den Kulturbahnhof lahmgelegt haben: Die Jubiläumsfeier zum fünfjährigen Bestehen der Spiel- und Kulturstätte hätte am vergangenen Wochenende eigentlich mit einem Konzert gefeiert werden sollen. „Es ist schlimm, wenn so ein tolles Gebäude leersteht“, trauert Antons der Feier hinterher. Immerhin: „Jetzt können wir etwas konkreter planen“, sagt die Vorsitzende.

Die Jazz- und Bluesfreunde planen noch „auf Sicht“. Zwei Konzerte auf dem Brink sind fix. Ob der Jazzbrunch, der sonst rund um den Dorfkrug gefeiert wurde, stattfinden kann, ist unklar. „Wir warten noch ab“, sagt der Vorsitzende Hermann Kalvelage. Spätestens vier Wochen vor dem Termin am 13. September, will der Vorstand anhand der dann gültigen Sicherheitsauflagen entscheiden, ob die Band Tucson mit ihren Southern-Rock-Klassikern auftreten kann oder nicht.

"Spielwiese" diesmal tatsächlich auf der Wiese

Ganz sicher ist dagegen die nächste Aktion des Kunstkreises: Der Workshop für Jugendliche ab 13 Jahren mit der Linoldruck-Meisterin Pia van Nuland läuft vom 20. bis zum 23. Juli in der Kunsthalle. Die Arbeitstische für die Teilnehmer werden auf Abstand gestellt. Platz ist für zwölf Jugendliche, die unter Anleitung der Niederländerin großformatige Drucke herstellen.

Die Rote Schule macht durch die Verlegung ihrer Kindertheater-Stücke ins Grüne dem Namen der Serie alle Ehre: Die „Spielwiese“ findet diesmal tatsächlich auf der Wiese statt.

Das Mülheimer Figurentheater „Wodo“ gastiert am Sonntag, 23. August, mit dem Kinderbuchklassiker Pippi Langstrumpf als Marionettenspiel auf dem Brink im Museumsdorf. Kinder ab vier Jahren sind um 15 und um 17 Uhr eingeladen. „Mit Kindern ist so eine Veranstaltung noch schwierig“, sagt Sozialpädagogin Daniela Weinert, die Leiterin der Roten Schule, und meint die Schutz­auflagen. Aber: „Vielleicht ist es bis dahin ja schon etwas entspannter.“ Die Hoffnung richtet sich auf Lockerungen.

Nur strömender Regen könnte ein Problem werden

Falls die ausbleiben sollten, kann‘s trotzdem spannend werden, wenn Pippi Langstrumpf an Fäden heranhopst. Das freche Mädchen fühlt sich mit ihrem Pferd „Kleiner Onkel“ und Herrn Nielsson, dem Affen, ganz wohl in der Villa Kunterbunt. Und dennoch wiegelt Frau Prysselius den Polizisten auf, einzuschreiten. Denn ein kleines Mädchen kann doch unmöglich allein in einem Haus leben. Und ihr Koffer voller Goldstücke muss doch gestohlen sein, glaubt die missgünstige Gouvernante. Mit ihren Freunden Annika und Thomas wehrt sich Pippi vor dem Kinderheim ­– das Happy end ist garantiert.

Nur strömender Regen könnte dem „kleinen Kultursommer“ jetzt noch in die Quere kommen. Ausweichtermine haben die meisten Veranstalter, die alle auf eigene Verantwortung arbeiten, gebucht. „Ich bin ganz gespannt, wie die Besucher das annehmen werden“, sagt Antons.

Letztlich entscheiden die Besucher über die wirtschaftliche Belastung der Vereine und Einrichtungen, die den „kleinen Kultursommer“ mittragen. Rechnen kann und muss er sich nicht. Sponsoren springen ein. Und einen Teil des zu erwartenden Defizits wird der Dachverband der Kulturschaffenden in Cloppenburg, das Kulturforum, übernehmen. Das hat die Geschäftsführerin Christiane Hagemann bereits angekündigt. Der Etat ist erst zur Hälfte ausgeschöpft.

Info: Eintrittskarten für den maritimen Sangesspaß können online bestellt werden (Infos unter www.kulturbahnhof-cloppenburg.de).

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