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Theater Dammer Berge behandelt die NS-Zeit

Die Proben für das neue Stück "Vom Jungen, der Hitlers Pläne durchkreuzte" laufen. Es stellt den Widerstand des katholisch geprägten Oldenburger Münsterlandes gegen die Nationalsozialisten dar.

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Hat das Stück zu dem sensiblen Thema verfasst: Bernd Kessens ist nicht nur durch seine Theaterstücke in den Dammer Bergen bekannt. Nach seiner Laufbahn als Lehrer schrieb er mehrere Bücher. Foto: E. Wenzel

Hat das Stück zu dem sensiblen Thema verfasst: Bernd Kessens ist nicht nur durch seine Theaterstücke in den Dammer Bergen bekannt. Nach seiner Laufbahn als Lehrer schrieb er mehrere Bücher. Foto: E. Wenzel

Nach dem Erfolg der Räuber vom Mordkuhlenberg machen die Mitglieder des Theaters Dammer Berge keine Pause. Schon jetzt laufen die Proben für das neue Stück "Vom Jungen, der Hitlers Pläne durchkreuzte", das bei den Dammer Domfestspielen dieses Jahr im September aufgeführt werden soll. Geschrieben wurde es von Bernd Kessens, der sich mit seinen Stücken mittlerweile einen Namen gemacht hat.

Im neuen Theaterstück werden die Zuschauer in eine andere Zeit versetzt – die Zeit des sogenannten Kampfes um das Kreuz aus dem Jahre 1936 vor 86 Jahren. Bei diesem handele es sich um einen einzigartigen Widerstand gegen die Hitler-Diktatur, sagt Bernd Kessens. Sein Stück setzt in der Zeit nach der Machtergreifung Hitlers an, als jegliche Verbände aufgelöst oder in nationalsozialistische eingegliedert waren.

Als Inspiration dienten ihm vor allem die Erfahrungen aus seinem Umfeld. So basiert die weibliche Hauptfigur Klara Spille auf seiner Mutter, die ihm viel von ihren Erlebnissen als Lehrerin zu der Zeit erzählt habe. Außerdem habe er viele Geschichten aus der Umgebung mitbekommen. "Das ist alles nicht so fern, wie man denkt", meint Kessens. "Die Zeit ist im kollektiven Gedächtnis verankert."

Schauplatz Schule spiegelt die Gesellschaft 1936 wider

Auch der Junge, der Hitlers Pläne durchkreuzte, basiere auf einer realen Person, die denselben Namen trug. Mit 14 Jahren habe dieser sich über Hitler lustig gemacht – eine Form des Widerstandes – und wurde festgenommen. Mit diesem Akt beginnt auch das Theaterstück. Es folgt eine Darstellung des Widerstands im Oldenburger Münsterland durch den Mikrokosmos Schule. Junge, fromme Lehrerinnen, unter ihnen Klara Spille, müssen sich nach außen hin als Nationalsozialisten tarnen. Kontrolliert wird dies durch die strammen Nationalsozialisten im Kollegium, unter denen auch Klara Spilles Partner Albert Höcker ist. Nur der liberale Freidenker Günter Gunter sticht heraus – und kommt Klara immer näher.

Unterstrichen wird die Dramatik des Stücks auf musikalische Weise, komponiert von Hans Schneppat. Auf die Bühne gebracht wird sie von einem 50-köpfigen Chor mit Gabriel Isenberg, dem Kirchenmusiker der St.-Viktor-Kirche Damme. Auch dabei sind sechs Trompeter, zwei Trommler und zwei Standartenträger. Doch dabei bleibt es nicht. Alle Schauspielerinnen werden mit einer Tanzeinlage den Swing wiedererwecken. "Zum Schluss werden über 100 Akteure auf der Bühne stehen", sagt Kessens.

Hinzu komme eine Darbietung an Technik, wie sie in Damme noch nie zu sehen gewesen sei. Mit einer Filmcrew von Michael gr. Klönne und zwölf Schülerinnen werden zurzeit sechs Filme erstellt, die auf einer 5 mal 3 Meter großen LED-Leinwand abgespielt werden. Zum Ende des Stücks werden die Kirchenglocken erklingen, während Bühne und Dom-Fassade von Ludger Kohake erleuchtet werden. Parallel lässt Richard Kähling 64 Leuchtraketen aufsteigen.

Wegen Corona werden die Proben detailliert koordiniert

Es sei schwierig, die vielen Akteure zu koordinieren, erklärt Kessens. Dafür sei Richard Kähling zuständig. Durch Corona hätte sich das Proben aber kaum erschwert. Erst mit den verschärften Regelungen seien spürbare Einschränkungen gekommen, meint Kessens. Das Ensemble kann nun nur noch mit maximal zehn Personen proben. Das ließe sich aber lösen, berichtet Kessens. Zu den Proben kämen in dem Fall nur die Schauspieler mit Sprechrollen. Dazu wird in Gruppen nacheinander geprobt. Ist eine Szene fertig, kommen die Schauspieler für die nächste.

Erst bei den sogenannten Kompaktproben kurz vor der Premiere sei es zwingend nötig, dass alle Beteiligten anwesend seien, meint der Regisseur. "Wir sind ganz zuversichtlich." Ohnehin achteten die Schauspieler streng auf die Corona-Regelungen. Alle seien geimpft und machten zusätzlich vor dem Betreten des Proberaums einen Schnelltest. Der jüngste Schauspieler sei 15, der älteste über 70. Den Kontakt hielten sie über WhatsApp, bis im Oktober ein Treffen möglich war, an dem der Vorstand neu gewählt wurde.

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