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"Thank you for the music …!"

Kolumne: Auf ein Wort – In diesen Tagen tat es gut, etwas geschenkt zu bekommen, was einen erhebt – die Aufführung von Händels "Messias" in der Heilig-Geist-Kirche im Marienhain.

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Für mich war am letzten Sonntagabend noch einmal Weihnachten. Dabei kam zum ersten Mal jene „richtige“ Weihnachtsstimmung auf (wenn es die denn gibt?), an der es im Dezember angesichts von Corona doch etwas gemangelt hat.

Als der Chor bei der Aufführung von Händels „Messias“ in der Heilig-Geist-Kirche im Marienhain verkündete: „Denn uns ist ein Kind geboren, uns zum Heil ein Sohn gegeben!“, da wurde mir das Herz weit und die Augen wurden ein wenig nass. Robert Eilers, der Chorleiter des Vokalensembles Marienhain, hat im Begleitheft zum Konzert bemerkt: Händel weiß, „wie er so tiefe Empfindungen und Gefühle beim Hörer erzeugen kann, dass sie ihn an den Grund … der menschlichen Existenz führen können“.

Da ist was dran! In diesen Tagen, wo das trübe Wetter, der Tabellenstand von Rasta, vor allem aber die Nachrichten aus der katholischen Kirche auf die Stimmung eines Südoldenburger Christenmenschen drücken, da tat es gut, etwas geschenkt zu bekommen, was einen erhebt. Dieses Konzert hat aufgebaut. Als am Ende das berühmte „Halleluja“ noch einmal als Zugabe erklang, da hätten wohl viele gerne eingestimmt. Mich haben darüber hinaus an diesem Abend die Anfangsworte der vielleicht bekanntesten Arie des Oratoriums angesprochen: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ (Ijob 19, 25).

"Es stellt sich mir die Frage, ob die Zusage Jesu noch gilt."Pater Karl Gierse

Wenn ich an die Nachrichten über den Missbrauch in der/den Kirche(n) denke und daran, wie Verantwortliche damit umgegangen sind und umgehen; wenn ich lese, wie viele Menschen in diesen Tagen der Kirche den Rücken kehren; wenn Umfragen zeigen, dass die Bedeutung der Religion in unserer Gesellschaft rapide abnimmt, dann stellt sich mir die Frage, ob die Zusage Jesu noch gilt: „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18).

Der Gesang der Sopranistin hat mir da am Sonntagabend Mut und Zuversicht geschenkt: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ Christus und seine Botschaft sind weder überholt noch tot. Sie leben in Menschen, die Liebe schenken: in Ehe und Partnerschaft, in Sorge für Kinder und die Familie, bei der Unterstützung von Kranken, Notleidenden und Ausgegrenzten. Und, und, und …!

Der Erlöser lebt, solange der „Messias“ mit solchem Können und solcher Begeisterung zur Aufführung kommt, wie es die Zuhörer*innen am Wochenende erleben durften. Den Musiker*innen, Sänger*innen und all denen, die die gesamte Organisation geschultert haben, von Herzen Dank. „So I say: thank you for the music for giving it to me!“ (ABBA).


Zur Person:

  • Karl Gierse ist Subprior des Vechtaer Dominikanerkonventes.
  • Er wirkt in verschiedenen Bereichen der Seelsorge in Vechta und im Oldenburger Land.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de.

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