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Texte von Dirk Dasenbrock erscheinen posthum: Gedichtband vorgestellt

Zur Buchpremiere kamen viele langjährige Wegbegleiter des 2021 plötzlich verstorbenen Autors und OV-Redakteurs zusammen. Dasenbrocks Lyrik hat etwas ganz Besonderes.

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Kamen zum Gedichtvormittag zusammen: Arno Dasenbrock (von links) und Corina Dasenbrock mit ihrer Tochter, Frauke van Avezath, Ludger Bernhold, Josef Kleier, Reinhard Börger, Ulrich Suffner, Alfred Büngen und Professor Dr. Hans Lösener. Foto: Brauns-Bömermann

Kamen zum Gedichtvormittag zusammen: Arno Dasenbrock (von links) und Corina Dasenbrock mit ihrer Tochter, Frauke van Avezath, Ludger Bernhold, Josef Kleier, Reinhard Börger, Ulrich Suffner, Alfred Büngen und Professor Dr. Hans Lösener. Foto: Brauns-Bömermann

Ein Gedichtvormittag, das hat Seltenheitswert. Wie der Mensch, aus dessen Feder die Gedichte stammen: Dr. Dirk Dasenbrock. Er war Dichter, Journalist, Kulturredakteur der Oldenburgischen Volkszeitung. Er war Sparringspartner, wenn es um Sprache, Musik, Kunst und das „Andere“, die "Zwischenmusik" ging.

Zu dem Vormittag hatte Verleger Alfred Büngen vom Geest-Verlag in das Haus der Bildung und Familie nach Visbek anlässlich der Buchpremiere des neuen Gedichtbands eingeladen. Das Werk „Lakune und Epitaph“ erscheint posthum. Dasenbrock starb 2021 völlig unerwartet.

Büngen kannte Dasenbrock wie die Gäste im Auditorium auch von seiner progressiven Seite. Professor Dr. Hans Lösener unterstrich den dualistischen Geist Dasenbrocks: „Dirk mochte es, wenn man ihm widersprach“, sagte er. Lösener gibt den Gedichtband auf Grundlage der hinterlassenen Gedichte heraus.

Sonntagvormittag im Sinne einer echten Matinee

„Dirk Dasenbrocks Gedichte sind Erkenntnismomente im Tumult des Alltags“, bemerkt Büngen. Die Gedichte seien Sprache, die zu Dichtung werde, wenn sie auf Begegnung trifft, so Büngen. Die Buchpremiere war 1,5 Stunden Lyrik, Musik, kluge Gedanken, das Erinnern ohne „Zeit-ist-Geld“-Hintergedanke. Die Besucher erlebten einen Sonntagvormittag im Sinne einer echten Matinee. Das hätte Dirk Dasenbrock gefallen – mit Pausen zum Rauchen und vielleicht kleinen Seitenhieben, endlich auf den Punkt zu kommen.

Weil der Autor im Jahr 2021 viel zu früh verstorben ist, lasen unterschiedliche Interpreten aus „Lakune und Epitaph“: die Schülerinnen des Gymnasium Antonianum Lara L.J. Robbers und Amanda Wurm, Inga Hagemann, Olaf Bröcker und Alfred Büngen. „Dirk Dasenbrock war bekannt für kurze, klare und reduzierte Verse“, übermittelte Büngen in der Moderation Worte von Vechtas Bürgermeister Kristian Kater.

Chef und Kollege von Dirk Dasenbrock, OM-Medien-Chefredakteur Ulrich Suffner, erinnerte sich an Dasenbrock: „Dirk bleibt mir als lupenreiner Demokrat und, wie Weizsäcker es nannte, als 'Verfassungspatriot' in Erinnerung. Dirk war die Stimme, die nicht wankte im Journalismus und brachte Dinge auf den Punkt.“ Für Suffner ließ er in seiner Lyrik dem Leser die Chance, selbst zu denken. „Er war Vorbild für junge Kollegen und manchmal ein lustiger Kerl, wenn er die Redaktion mit seinem brillanten Humor unterhielt. Die andere Seite war die an traurigen Tagen, wenn er sich gerne stritt, aber nie nachtragend war. Gut, dass Dirk nie hier weggekommen ist, obwohl er es sich vielleicht erträumte. Gut für uns und die Region“.

Für seinen frühen Kollegen war Dasenbrock ein Weltreisender im Geiste mit einem riesigen Narrativ, von dem er den Großteil strich und die Essenz ergoss. Josef Kleier, der Geschäftsführer Bürgerstiftung Vechta, erlebte die Lesung als Premiere: „Ich habe Dirk Dasenbrock leider nicht gekannt“. Er freute sich, dass die Bürgerstiftung den Verlag des Gedichtbandes mit unterstützen durfte.

Strikte Planung

Die Lesung folgte einer strengen Planung: Gedichte, Musik, Gedichte, Moderation und Lieblingsgedicht von Verleger Büngen. „Selten genug“ heißt es. Büngen las es zweimal. „Für diese Zeilen kann man ihm nur danken“, das Prädikat des Verlegers, der sich auf dem Lyrik-Markt auskennt. In einer Pause beschreibt es Olaf Bröcker von der Schreibwerkstatt Antonianum so: „Reinhard Rakow schrieb über Lyrik: 'Lyrik ist die einzige Kunst, die mehr Schreiber als Leser zählt'“. Büngen sagte, es beschäme ihn, dass nur eine Buchhandlung in Vechta so hochkarätige Lyrik wie von Dirk Dasenbrock vorhalte.

Unter die Haut ging jede Interpretation der einzelnen Lesenden. Jede lieferte eine neue Dimension zum Denken und Schreiben. „Auf die Lehrer kam es an beim Vermitteln von Lyrik. Metrum, Reim und auswendig Lernen schreckten Generationen davon ab“. Das sagte Dr. Hans Lösener als Dozent der Germanistik über Lyrik im Allgemeinen. Dass sie aber auch über den Tod hinaus, wie im Fall Dasenbrock, zu einer Art Begegnung werden kann, zeigten seine Worte. Die Gedichte waren viel, was Dasenbrock ausgemacht hat, aber eben nicht alles. Da sei auch etwas, was sie nicht kannten.

Dasenbrocks Kunst sei tiefgehend

Die Gedichte seien wie die Treffen mit seinem Freund, berichtet Lösener : Kurz, bei drei Espressi, expressiv und bei sieben Zigaretten. „Es war so, als ich las, als würde ich ihn treffen. Aber noch intensiver.“ Die Kunst von Dasenbrock besteht eindeutig für alle Beurteiler in der Kunst des Hinschauens, Formulierens, Streichens und einer intensiven Essenz-Herstellung. Die Aquarelle des Vechtaer Künstlers Reinhard Börger antworten auf die Gedichte und setzen ihnen etwas entgegen, geben zudem eine Portion Leichtigkeit.

„Wiegala“, das Wiegenlied von Ilse Weber, beendet den Gedichtevormittag. „Sie ging mit ihrem Sohn ins Gas“, erklärt Büngen. Leichtigkeit ade, Requiem perfekt, passend zu Dasenbrocks manchmal schwermütiger, mit Zynismus gewürzter Seite. Aber genau die macht seine Kunst aus.

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