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#Teletext – Die Unsterblichkeit des verpixelten Info-Forums

Kolumne: Irgendwas mit # – Der Videotext ist kein aussterbendes Medium. Er erfreut sich hoher Zugriffszahlen. Dabei sind mir manche Konzepte völlig suspekt.

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"Wassermann? Ihr Tages-Horoskop! – Mitlachen: 'Der Witz der Woche' – Sparen Sie bis zu 70 Prozent bei einer professionellen Zahnbehandlung und drücken dafür die 515!" Die Welt des Videotextes ist vielfältig. Bunt. Reizüberflutend. Von A bis Z – alles dabei. Ob Nachrichten oder seltsame Ratgeber: Das durch schrille Farben fokussierende, verpixelte Informationsforum in der Flimmerkiste bietet alles, was das Herz begehrt. Und trotzt jeglichem Trend der Digitalisierung. Doch mal ehrlich? Wer nutzt das Ding eigentlich noch? Und wieso?

Erster Gedanke: Menschen, denen das Internet fremd ist. Die Glotze steht sowieso in der Bude. War immer schon ein altbewährtes Mittel. Also an, die Mühle, und in der Werbung mal kurz Nachrichten lesen. Anderes Extrem: Der krankhafte Nostalgiker. "Über den Videotext hab‘ ich bislang immer schon rausbekommen, ob’s morgen vielleicht Stau auf der A1 gibt." Ist nicht so, als wäre der Satz bei uns Zuhause nie gefallen. Bisschen verstehen kann ich’s ja. Mal ein kurzer Blick aufs Wetter. Hat man mal die Tagesschau verpasst, kann man im ARD-Videotext schnell die Nachrichten nachlesen. Ist schon praktisch. Und irgendwie auch pragmatisch – gehaltvoll. Aber! Das kann doch nicht alles sein, oder?

"Allen Ernstes: Wer wählt sich über die kleine Taste auf der Fernbedienung in ein Fernseh-Feature ein, um sich an Meinungsumfragen zu beteiligen?"Max Meyer, Volontär

Zu den Kuriositäten. Allen Ernstes: Wer wählt sich über die kleine Taste auf der Fernbedienung in ein Fernseh-Feature ein, um sich an Meinungsumfragen zu beteiligen? Mit sehr viel Geschmunzel habe ich kürzlich einen Text im Fußballmagazin 11Freunde darüber gelesen. Die Umfrage: Wer ist der beste Fußballer der Welt. Zur Auswahl standen: Pelé, Beckenbauer, Messi – oder ein anderer. Die Reihenfolge wie aufgelistet: Das Kopf-an-Kopf-Rennen fand nur zwischen dem Brasilianer und dem Kaiser statt. Messi weit abgeschlagen. Vom kürzlich verstorbenen Diego Maradona oder Leichtfuß Zinedine Zidane nichts zu sehen. Die blieben bei den Umfrageteilnehmern kalt wie ein Fisch. Und dann – und das muss man mal vor Augen führen – haben tatsächlich Menschen für 25 Cent aus dem Mobilfunknetz angerufen, um "einen Anderen" zu wählen. Hallo? Wer steckt hinter solchen Umfragen? Was ist da schiefgelaufen? Es gibt ja nicht mal was zu gewinnen. Und wieso hat keiner an Mario Gomez gedacht?

Für mich ist der Teletext eher ein totes Gleis – aber auch das ist Nostalgie

Kleiner Schwenker. In lustvollere Gefilde. Nächster Halt: Der Erotik-Bereich. Titel wie "Geheime Männerfantasien" scheinen da manch männlichen Fernbediener zu elektrisieren. Naja, da ist ja jeder anders. Weiter im Programm gibt es Schlagzeilen wie "Live-XXX zum Geizpreis". Scheint wohl zu überzeugen, den einsparenden Eroktikfan. Mich nicht. Vielleicht spring ich auch einfach nur nicht so sehr drauf an, dass "Miri mich unbedingt kennenlernen will". Unter der 783. Obwohl es bei ihr keine Widerworte gibt. Sagt mir zumindest die verpixelte Dame durch eine Sprechblase. Bei mir sorgt's für schallendes Gelächter. Meine Teletext-Mitstreiter hängen dann wohl indes in der Warteschleife. Faszinierend.

Summa summarum: Der Videotext hat ein reichhaltiges Programm. Das waren nur Ausschnitte. Und entgegen der Auffassung vieler "moderner Menschen" scheint das Qualitätsmedium nicht auszusterben. Das beweisen die Zugriffszahlen. Gleichwohl erschließt sich mir nicht, weshalb der Pixelkrieg vor schwarzem Hintergrund für viele Menschen ein nicht totzukriegendes Freizeitvergnügen bleibt. Für mich ist er eher ein totes Gleis. Aber bleiben wir bei der bildlichen Sprache: Zugfahren war auch nie so meins, aber die schönsten Bahnstrecken zwischen Heringsdorf und Borkum hab‘ ich mir morgens um 6 nach dem Kneipenbesuch noch gerne zum Einschlafen angeschaut. Und so Dampfloks sind ja durchaus auch etwas nostalgisch. Und Nostalgie geht immer. Wie der Teletext.


Zur Person

  • Max Meyer ist Volontär der OM Medien.
  • Den Autor erreichen Sie unter info@ov-online.de

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