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Tanzwerkstatt kämpft ums Überleben:  "Ohne uns wird es ganz still"

Iris Scheding und Natia Schafai wollen nicht aufgeben. Aber sie sind auf die Unterstützung der Schülerinnen und Schüler angewiesen. Nur: Nach Monaten des Lockdowns zahlen immer weniger Beiträge.

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Die Leiterinnen: Iris Scheding (links) und Natia Schafai hoffen, nach der Pandemie durchstarten zu können.  Foto: Schwarberg

Die Leiterinnen: Iris Scheding (links) und Natia Schafai hoffen, nach der Pandemie durchstarten zu können.  Foto: Schwarberg

Iris Scheding und Natia Schafai von der Tanzwerkstatt Damme/Cloppenburg nehmen kein Blatt vor den Mund: Wenn die vor mehr als 30 Jahren gegründete Tanzwerkstatt nicht bald aus dem seit dem 3. November vergangenen Jahres laufenden Lockdown herauskomme,  sei offen, ob es sie im Herbst überhaupt noch geben werde. Denn die Fixkosten bleiben, die Einnahmen aber brechen weg.

Inzwischen treffen immer mehr Kündigungen ein, sagen die Frauen. Oder die Beitragszahlung ruhe. Von den Schülerinnen und Schülern, die die Tanzwerkstatt 2020 an ihren beiden Standorten in Damme und Cloppenburg vor Corona zählte, treffe das eine oder das andere auf etwa 35 Prozent zu.

Dabei würden Iris Scheding und Natia Schafai lieber heute als morgen wieder durchstarten, versichern sie. Eine Variante: Es könnte indoor mit kleinen Gruppen geübt werden. So war es zwischen dem 1. Juni und 2. November vergangenen Jahres möglich. Ja, die Personalkosten seien bei dieser Variante hoch, sagt das Duo. Aber besser, als die Türen geschlossen zu halten, sei das Training in Kleingruppe allemal.

Outdoor-Unterricht würde stattfinden, ist aber nicht erlaubt

Auch outdoor würden die Frauen Unterricht anbieten – wenn sie denn dürften. Dürfen sie aber nicht. In höchster Not appelliert Natia Schafai deswegen auch an die Bundesregierung: „Wir fordern Perspektiven.“

Derzeit haben die beiden Tanzlehrerinnen und ihre Mitarbeiterinnen nur online die Möglichkeit, Training anzubieten. Das nutzen sie, selbst wenn auch hier die Personalkosten steigen, weil bei jeder Übertragung 2 Lehrerinnen anwesend sein müssen.

Ohne ständiges Training geht es nicht

Mangels Alternative sehen sie im Onlinetraining derzeit die einzige Möglichkeit, um die Leistung und Beweglichkeit jedes einzelnen Schülers und jeder einzelnen Schülerin zu erhalten. Das sei beim Tanzen ganz wichtig, betont Natia Schafai. Zumindest dann, wenn der oder die Betreffende nicht wieder bei null anfangen wolle, wenn die Tanzwerkstatt wieder öffnen könne.

Der schon im Zuge des ersten Lockdowns und jetzt wieder angebotene Online-Unterricht, der ein hohes Maß an Mehraufwand bedeute, werde unterbewertet, sagt Iris Scheding in dem Zusammenhang. Deswegen sei seine Akzeptanz auch noch nicht so hoch, wie sie und Natia Schafai sich das wünschten.

"Auch wir sind froh über jeden, der unsere Onlineangebote wahrnimmt und der Tanzwerkstatt nicht den Rücken zuwendet."Iris Scheding, Tanzwerkstatt

In anderen Bereichen des Lebens gehörten Online-Angebote dagegen längst zum Alltag, etwa beim Homeoffice, im Homeschooling, im Studium oder auch bei Videokonferenzen. "Auch wir sind froh über jeden, der unsere Onlineangebote wahrnimmt und der Tanzwerkstatt nicht den Rücken zuwendet", unterstreicht Iris Scheding.

Natürlich wissen sie und Natia Schafai, dass die Tanzwerkstatt auch vom Miteinander der Schülerinnen und Schüler geprägt ist. Dadurch entstehe eine enge Bindung. Aber dieses, vielen lieb gewonnene Miteinander sei eben derzeit nicht möglich. Ihnen bleibe derzeit nichts anderes als der Aufruf an die Schülerinnen und Schüler, noch weiter durchzuhalten, "damit wir nach der Pandemie gemeinsam durchstarten können", betont Iris Scheding, die zusammen mit Natia Schafai gerade wieder einen Brief an die Schülerinnen und Schüler geschrieben hat, in dem die Frauen auf die schwierige Lage aufmerksam machen.

In dem Schreiben weisen sie auch darauf hin, dass die Tanzwerkstatt als private Einrichtung keine staatliche Unterstützung erhalten habe. Nur die sogenannte Novemberhilfe sei geflossen. Als Privatschule lebe die Tanzwerkstatt von den Beiträgen. Fehlen die, gehe es an die Rücklagen sowie das Ersparte, schreiben Iris Scheding und Natia Schafai.

Tanzwerkstatt arbeitet eng mit Carnevalsgesellschaft zusammen

Zudem verweisen die Leiterinnen auf die kulturelle Bedeutung der Tanzwerkstatt, die mit den Aufführungen ihrer Schülerinnen und Schülern Tausende von Zuschauern begeistert hat. Auch die Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614 arbeitet im Bereich ihrer Funkengarde und ihres Funkenballetts seit vielen Jahren eng mit der Tanzwerkstatt zusammen. "Ohne uns wird es ganz still", sagt Iris Scheding mit Blick auf eine geschlossene Tanzwerkstatt.

Hilfe erhoffen sich die Leiterinnen der Tanzwerkstatt jetzt auch von Michael gr. Klönne von MgK Video. Er erstellt für die Sozialen Medien einen Film über den Online-Unterricht und arbeitet Sequenzen vom Leben in der Tanzwerkstatt vor und während der Corona-Zeit ein.

Zudem ist ein digitaler Flashmob geplant. Iris Scheding und Natia Schafai wollen eine Tanzsequenz erarbeiten. Die Schülerinnen und Schüler sollen sie tanzen und sich dabei filmen. Michael gr. Klönne wird die Sequenzen zusammensetzen. Auch er soll dabei helfen, dass es in Damme und Cloppenburg nicht ganz still wird.

Fester Bestandteil des kulturellen Lebens: Regelmäßig begeistern die Schülerinnen und Schüler der Tanzwerkstatt mit großen Aufführungen ihr Publikum in Damme und Cloppenburg. Foto: SchwarbergFester Bestandteil des kulturellen Lebens: Regelmäßig begeistern die Schülerinnen und Schüler der Tanzwerkstatt mit großen Aufführungen ihr Publikum in Damme und Cloppenburg. Foto: Schwarberg

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