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Studiobühne begeistert mit chaotischer Hochzeit

Das Cloppenburger Ensemble bringt derzeit "Die Kleinbürgerhochzeit" von Bertolt Brecht auf die Bühne des Kulturbahnhofs. Dabei verschweigt es keine noch so "skandalöse" Szene.

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Das Ensemble bedankt sich bei der Technik: Das Stück „Die Kleinbürgerhochzeit“ zeigt eine Hochzeit, die langsam immer chaotischer wird.   Foto: Kessens

Das Ensemble bedankt sich bei der Technik: Das Stück „Die Kleinbürgerhochzeit“ zeigt eine Hochzeit, die langsam immer chaotischer wird.   Foto: Kessens

Nicht der Hochzeitsmarsch hat den Auftakt der Premiere „Die Kleinbürgerhochzeit“ von Bertolt Brecht gebildet, sondern eine Solidaritätskundgebung mit dem Abspielen der ukrainischen Nationalhymne, zu dem sich die über 100 Zuschauerinnen und Zuschauer von den Plätzen erhoben.

Doch danach nahm das Chaos seinen Lauf. Nach der Trauungszeremonie durch den Pastor (Klaus Lübbehüsen), der mit salbungsvollen Worten das Brautpaar in den heiligen Stand der Ehe führte, startete die eigentliche Hochzeitsfeier. Mit Sticheleien über den selbstgezimmerten Schrank des Bräutigams (Jan Nipper) und über das Ehebett feuerten sich die Hochzeitsgäste gegenseitig an, die Kleinbürgerhochzeit, aufgeführt von der Studiobühne, zu einer Farce werden zu lassen.

Der skandalöse“ Hochzeitstanz: Die Braut schaut schockiert zu. Foto: KessensDer „skandalöse“ Hochzeitstanz: Die Braut schaut schockiert zu. Foto: Kessens

Nicht nur die Harmonie zwischen dem Brautpaar, die Braut gespielt von Melanie Müller, sondern auch zwischen dem befreundeten Ehepaar, gespielt von Conny Pick und Michael Bertschick, ließ zu wünschen übrig. „Wenn du etwas halten willst, halt deinen Mund“, giftete die Freundin der Braut ihren Ehemann an, der zu einer Ansprache anhob. Der Alkohol floss, das Essen wurde serviert und des Bräutigams-Mutter (Ronja Deters) maßregelte ihren Sohn, den Keks nicht mit dem Messer zu schneiden, währenddessen der Vater des Bräutigams (Markus Buken) Geschichten, die niemand hören wollte, zum Besten gab.

Seinen hervorragend gespielten alkoholisierten Zustand nahm man ihm ab. Die Aufforderung des Bräutigams „Seid mal ein bisschen lustig“ verpuffte, und die Schwester der Braut, gespielt von der 13-jährigen Emma Gruchala, vergnügte sich derweil mit einem jungen Mann (Manuel Brockmann) bei einem Techtelmechtel. Der Brauttanz glich einem kleinen Skandal, denn den tanzten, sexuell geladen, der Bräutigam und die Freundin der Braut, begleitet vom Gitarrenspiel eines Freundes des Bräutigams (Chris Magiera), dem auch noch die Hose am kaputten Stuhl zerriss.

Schlechten Leim machte die Hochzeitsgesellschaft für das Zerbrechen der Stühle und des Tisches verantwortlich. Harmonisch ging es eigentlich nur zwischen einem Freund des Bräutigams und der Brautjungfer (Matthias Emke und Stefanie Seeger) zu. Zu allem Überfluss entlarvte die Freundin der Braut deren Schwangerschaft, und die Gäste verließen nach und nach die verunglückte Feier.

Regisseur: Das Ensemble ist zu einer Familie geworden

Nach anfänglichem Streit und Frustration über das Hochzeitsfest – die Braut: „Es ist zu einem Schandfest geworden“ – kommt es noch zur Hochzeitsnacht im zusammenkrachenden Ehebett. Eine außerordentliche Gesamtleistung des Ensembles, zu dem auch Anna Pick (Souffleuse), Marion Röper (Kostüme), Melanie Möller (Maske) Uli Haase (Bühnenbau) Tobias Block (Licht) und Frauke Nipper (Werbung) gehörten, wurde mit lang anhaltendem Applaus gewürdigt. Regisseur Dr. Hubert Gelhaus schaffte es, aus einem neu zusammengesetzten jungen Ensemble eine „Familie“ zu formen.

„Es kommt nicht auf Teambuilding, sondern auf Family-Building an“, sagte er am Schluss der Vorstellung. Er hat es verstanden, die Demontierung der Fassade der gutbürgerlichen Anständigkeit überzeugend in Szene zu setzen. Ein vergnüglicher Theaterabend, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Weitere Aufführungstermine: Dienstag (22. März), 19.30 Uhr, und Sonntag (27. März), 18 Uhr, im Kulturbahnhof. Karten bei der Buchhandlung Terwelp und an der Abendkasse. 

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