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Stierbräu-Exponate kommen ins Museum

Im Museum "Rund ums Rind" in der Venner Wassermühle sammelt der Vechtaer Michael Brackmann 2500 Exponate rund um die Kuh. Jetzt sind dort auch Exponate der ehemaligen Brauerei "Stierbräu" zu finden.

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"Museumsreif“: Heiner Röttgers (rechts) übergibt die Exponate der „Stierbräu“-Brauerei an Michael Brackmann. Foto: Röttgers

"Museumsreif“: Heiner Röttgers (rechts) übergibt die Exponate der „Stierbräu“-Brauerei an Michael Brackmann. Foto: Röttgers

"Der Doktor und das liebe Vieh" – dieser Titel einer beliebten Fernsehserie trifft auf Dr. Dr. Michael Brackmann zu, der sich ganz dem Rindvieh verschrieben hat: In Indien ist sie heilig, in China gilt sie als Glücksbringer – und Kenner wissen schon auf den ersten Blick, wie alt eine Kuh ist. In unserem Sprachgebrauch heißt es oft nur geringschätzig „Du blöde Kuh!“, „Du Hornochse!“ oder auch „Du Rindvieh!“ – das sind hierzulande sprachliche Anlehnungen an die Gattung „Bos“, die Rinderartigen.

Diese Themen stehen im Museum „Rund ums Rind“ in der historischen Venner Wassermühle im Osnabrücker Land im Mittelpunkt. Der gebürtige Vechtaer Dr. Dr. Michael Brackmann hat seine in mehr als 40 Jahren aus aller Welt zusammengetragene Sammlung rund ums Rind gestiftet. Die gemeinnützige Stiftung „Kühe-Kunst-Kulturen“ hat damit ein Museum eingerichtet, das einzigartig in Deutschland und wahrscheinlich einmalig in Europa ist. „Das Museum ist dem Tier gewidmet, das uns Menschen seit mehr als 12.000 Jahren begleitet hat auf unserem Wege vom Sammler und Jäger zur Hochkultur“, sagt Brackmann.

Die Sammlung zeigt annähernd 100 verschiedene Rinderrassen – rund 600 gibt es weltweit – und umfasst mehr als 2 500 Exponate zum Thema Hornvieh, die der Tierarzt, Biologe und Buchautor im Laufe seines Lebens zusammengetragen hat. Um eine Attraktion reicher ist das Museum jetzt durch Exponate der ehemaligen Brauerei „Stierbräu“ von Dr. Pablo Meissner aus Vechta, die der Vechtaer Diplom-Ingenieur und Architekt Heiner Röttgers jetzt übergeben konnte.

Brackmann sammelt fast alles, was mit der Kuh zusammenhängt

Vom blechernen Melkeimer bis zur bimmelnden Kuhglocke, vom wuchtigen Ochsenjoch bis zum wippenden Kuhschwanzfliegenwedel, von der roten Capa des Toreros bis zum Lasso des Gauchos ist bei Brackmann beinahe alles zu finden. Er sammelt alles, was mit dem Hornvieh zusammenhängt. „Zum Rind gehören viele Arbeitsgeräte und Ausrüstungen, angefangen bei den verschiedenen Arten der Anspannung, den Methoden des Melkens bis zu den Führ- und Treibgerätschaften“, sagt Brackmann. Denn es gebe neben Milch und Fleisch noch mehr Produkte vom Rind, die wir schätzten, wie etwa Leder, Horn oder Knochen, was ebenfalls im Museum ausgestellt ist.

„Dem Rind verdankt der Mensch seit mehr als 10.000 Jahren so viel, ohne dass wir uns dessen immer bewusst sind“, erklärt Stifter und Kuh-Buchautor Brackmann. Seine Titel „Das andere Kuhbuch. 45 Rasseportraits und mehr“ aus dem Cadmos-Verlag sowie der im Landwirtschaftsverlag erschienene „Kuh-Kunstführer“ zeigen seine Leidenschaft für das „erfolgreichste Großsäugetier der Menschheit“. Denn: Grob geschätzt grasen und wiederkäuen auf unserem Globus etwa 1,3 Milliarden Rinder. „Als Gefährten des Menschen haben sie im Norden die Marschen und im Süden die Almen besetzt. Sie haben die afrikanischen Savannen und die asiatischen Steppen besiedelt“, erklärt Brackmann.

Rinder beschäftigen die Menschen schon seit der Frühgeschichte. Ein Zeugnis dafür seien die mehr als 30.000 Jahre alten Darstellungen in den Höhlen von Lasceaux und Altamira. Seitdem hätten Kühe und Stiere Künstler immer wieder neu inspiriert. Eine Fülle der Zeugnisse ihres Schaffens ist im Venner Museum ausgestellt. Die Artefakte in den verschiedensten Stilrichtungen stammen aus unterschiedlichen Epochen: Beginnend im Zweistromland mit Etruskischen Kupferbarren, auf denen die Kuh abgebildet ist, über die mehr als 2000 Jahre alten Ur-Kuh-Darstellungen der Ägypter, Kelten, Griechen und Römer, bis zu den Stämmen und Sippen in Indien, Indonesien, China, Afrika, und sogar Australien, die allesamt das Rind verehren und in ihm weit mehr als nur als Milch- und Fleischlieferant sehen.

Kuhfladen als Fundament der Hochkulturen

Der Besuch des Museums gleicht einer Reise um die Welt: Ausgestellt sind Werke aller fünf Kontinente aus fast jedem Land der Erde. „Rinder waren unverzichtbar für die Entwicklung unserer Hochkulturen“, betont Brackmann. „Überspitzt formuliert, ist der Kuhfladen dessen Fundament. Die Begründer unserer Kultur im Zweistromland, in Ägypten, im antiken Griechenland und im klassischen Rom waren sich dessen bewusst“, führt der Rinder-Experte aus.

Rinder seien in ihren Mythen, Legenden und Symbolen allgegenwärtig. „Bei uns ist das etwas in Vergessenheit geraten. Nicht so in Indien, wo die Kuh heilig ist, in China, wo sie als Glücksbringer gilt, oder in Afrika, wo bei vielen Nomadenkulturen das Rind im Zentrum steht“, sagt der Sammler. Unter anderem zeigt das Museum eine seltene Alo-Alo-Grabstele des weltweit einmaligen Totenkults aus Madagaskar, die der Seelenwanderung der Verstorbenen dient.
Gleich daneben gibt es einen Sarg aus Bali, der die Form des Buckelstiers „Nandi“ verkörpert, der laut hinduistischem Beerdigungsritual als treuer Diener die Seele zu Shiva bringe.

"Auch die germanische Schöpfungsgeschichte und nordische Mythologie kennt mit Audhumla die milchreiche Urkuh als etwas Gutes“, sagt Brackmann. Ältestes Artefakt der Brackmann-Sammlung ist ein indischer Stirnschmuck aus Bronze aus dem Jahre 1890.

  • Info: Das Museum „Rund ums Rind“ in der historischen Venner Wassermühle befindet sich an der Osnabrücker Straße 4 (B 218) im Ortsteil Venne von Ostercappeln. Geöffnet ist das Museum derzeit nach telefonischer Absprache. Mehr zum Museum unter: www.museum-rund-um-das-rind.de.

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