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Stephen Kings Misery begeistert Publikum im Vechtaer Metropol-Theater

In dem Stück hat ein erfolgreicher Romanautor einen Autounfall und wird von seinem Fan Nummer 1 gerettet. Daraus entwickelt sich ein Kampf ums Überleben.

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Manon Straché spielt Annie Wilkes, eine Krankenschwester, die ein Schwein nach ihrer Lieblingsromanfigur Misery nannte. Foto: Heinzel

Manon Straché spielt Annie Wilkes, eine Krankenschwester, die ein Schwein nach ihrer Lieblingsromanfigur Misery nannte. Foto: Heinzel

Mit unheilvoller und bedrohlicher Musik beginnt die Aufführung von Stephen Kings „Misery“ in Vechta. Damit setzte sie den Ton für die spannende Inszenierung von Regisseur Christian H. Voss im Metropol-Theater. Die Zuschauer zeigten sich vom Drehbuch des zweifachen Oscar-Preisträgers William Goldman begeistert. Sie spendeten den Schauspielern Manon Straché (Annie Wilkes), Fabian Goedecke (Paul Sheldon) und Kay Szacknys (Sheriff Buster) von der Braunschweiger Komödie am Altstadtmarkt neben viel Applaus Beifallspfiffe und -rufe.

Zum Inhalt: Erfolgsautor Paul Sheldon (Fabian Goedecke) beendet in der Silver Creek Lodge in Colorado sein neuestes Manuskript und hat dann einen Autounfall. Mit Annie Wilkes (Manon Straché) rettet ihn sein größter Fan und scheint ihn aufopferungsvoll in ihrer Hütte pflegen zu wollen. Bühnenbild und Handlungsraum reduzieren sich dabei auf zwei Räume der Hütte. Das Vergehen der Zeit signalisieren Xylophonmusik und blaues Licht.

Über die Gespräche und Interaktionen der beiden Charaktere lernt der Zuschauer die beiden immer besser kennen. Parallel dazu steigt auch die Spannung, sowohl Paul Sheldon, als auch die Besucher merken erst langsam, dass mit Annie etwas nicht stimmt und der Schriftsteller dadurch in Lebensgefahr gerät.

Warum eskaliert die Situation zwischen Fan und Autor? Nun, der Autor hat es satt, ein weiteres Buch über seine Romanheldin Misery Chastain zu schreiben, und ließ sie daher in „Miserys Kind“ sterben. Gleichzeitig hatte er in den letzten 3 Jahren an seinen schriftstellerischen Ambitionen gearbeitet und eine „pseudo-esoterische, autobiographische Charakterstudie“ geschrieben. Für ihn genau das Richtige: „Ich fühlte mich so frei und lebendig wie seit Jahren nicht.“ Annie ist entsetzt und die Aussage „Ich wünschte, es ginge um Misery“ noch relativ mild. Sie zwingt Paul Sheldon dazu, Misery zu retten und ein neues Buch zu schreiben. Kein Wunder, sagt sie doch selbst: „Ich kenne alle acht Misery-Bücher auswendig. Sie sind mein größter Schatz.“ Bei einem Blick auf die Titelblätter der Bücher hat sie stets das Gefühl, Besuch von ihrer ältesten und besten Freundin zu bekommen. So taufte sie ein Schwein auf den Namen Misery und frühstückt regelmäßig mit ihm. 

Die Träume von Paul Sheldon (Fabian Goedecke) gehen in Luft auf. Annie Wilkes zwingt ihn, sein neuestes autobiographisches Manuskript zu verbrennen. Ihr gefällt es nicht, dass er Misery hat sterben lassen um sich neuen Geschichten zuzuwenden.
Foto: Heinzel
Paul Sheldon (Fabian Goedecke) versucht alles um seinem Fan Nummer 1 zu entkommen, der ihn zwingt seine Romanheldin zurück ins Leben zu rufen.
Foto: Heinzel
Annie Wilkes (Manon Straché) überlegt Paul Sheldon (Fabian Goedecke) und sich selbst zu erschießen.
Foto: Heinzel
Annie Wilkes tut alles, damit das Unfallopfer Paul Sheldon nicht fliehen kann. Hier zertrümmert sie seine Knöchel.
Foto: Heinzel
Sheriff Buster (Kay Szacknys) kommt Annie Wilkes (Manon Straché) auf die Schliche und riskiert damit sein Leben.
Foto: Heinzel

Es ist ein durchaus beklemmendes Stück, da Paul Sheldon gemeinsam mit den Zuschauern der „Pflegerin“ Annie Wilkes hilflos ausgeliefert ist. Sein einziges Druckmittel ist die Arbeit an dem neuesten Misery-Buch. Sie geht in dieser Fantasiewelt komplett auf: „Erzählen Sie es mir nicht, sonst kann ich es nicht selbst erleben“, sagt sie zu Paul Sheldon, als sie sein „Miserys Kind“ liest, bevor sie weiß, dass er in diesem Werk die Romanfigur sterben lässt. 

Erfolg und Misserfolg der Aufführung ruhen auf den Schultern der beiden Schauspieler. Fabian Goedecke (Paul Sheldon) und Manon Straché (Annie Wilkes) befinden sich in einem Katz- und Mausspiel. Wobei Manon Straché anfangs naiv, freundlich und ein wenig schrullig wirkt, bevor sie ihre kalkulierende, bauernschlaue und kompromisslose Seite offenbart. Fabian Goedeckes Figur unterschätzt ihre Gegenspielerin immer wieder und muss frustriert beobachten, wie sie gekonnt seine Fluchtversuche vereitelt. Doch Annie Wilkes hat nicht mit Kay Szacknys Sheriff Buster gerechnet. Der ebenfalls harmlos und naiv wirkt, aber ein helles Köpfchen ist. „Irgendetwas geht doch immer schief“, meint Annie Wilkes.

Die Inszenierung entwickelt sich geradlinig und spannend, hat durchaus einige humorvolle Momente, die für einen Comic-Relief sorgen und strebt unaufhaltsam einem Showdown entgegen. Diese Reise wird mit Manon Straché und Fabian Goedecke nie langweilig, man fiebert mit dem Schicksal der Figuren mit und wartet ein wenig atemlos auf den nächsten Handlungsschritt.

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