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Stadt Vechta will Kunst im öffentlichen Raum erfahrbar machen

Eine zweiteilige Holzskulptur schmückt jetzt einen Kreisverkehr in der Innenstadt. Entstanden ist die Arbeit im Bildhauer-Symposium.

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Hingucker im Kreisverkehr: Bürgermeister Kristian Kater (rechts) und der Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Erwachsenenbildung, Frank Hölzen, präsentieren die zweiteilige Skulptur mit dem Titel "Tiere sammeln". Foto: Speckmann

Hingucker im Kreisverkehr: Bürgermeister Kristian Kater (rechts) und der Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Erwachsenenbildung, Frank Hölzen, präsentieren die zweiteilige Skulptur mit dem Titel "Tiere sammeln". Foto: Speckmann

Wer häufiger durch den Kreisverkehr an der Falkenrotter Straße/An der Gräfte fährt, dürfte die zweiteilige Holzskulptur auf der kleinen Grünfläche schon bemerkt haben. Das auffällige Werk stammt von Reinhard Osiander und trägt den Titel "Tiere sammeln". Es ist im vergangenen Sommer beim ersten Bildhauer-Symposium der Stadt Vechta entstanden. Nun liefert es einen Beitrag zur Kunst im öffentlichen Raum, die vielerorts an Bedeutung gewinnt.

"Unser Ziel ist es, die Künstler nicht nur zu unterstützen, sondern die Kunst im öffentlichen Raum erfahrbar zu machen", unterstreicht Bürgermeister Kristian Kater (SPD) bei einem Ortstermin. Durch die dauerhafte Präsentation soll das künstlerische Schaffen den Bürgern nahe gebracht werden. Gleichzeitig trage die vom städtischen Bauhof fest installierte Arbeit zur attraktiven Gestaltung des Kreisels bei.

Den Standort hat der Verwaltungschef ganz bewusst gewählt. Der Kreisverkehr sei hoch frequentiert, hier sei das Kunstwerk für viele Menschen gut sichtbar. Aber auch die Sicherheit spiele eine Rolle. Erfahrungen aus der Vergangenheit hätten gezeigt, dass solche Werke mutwillig beschädigt würden, wenn sie frei zugänglich seien. Darum wäre eine Installation in einem belebten Bereich der Innenstadt schwierig gewesen.

Bildhauer-Symposium im Sommer 2020: Reinhard Osiander erledigte die Feinarbeit mit Hammer und Stechbeitel. Foto: SpeckmannBildhauer-Symposium im Sommer 2020: Reinhard Osiander erledigte die Feinarbeit mit Hammer und Stechbeitel. Foto: Speckmann

Auf dem Europaplatz hätten sich der Hirte und seine Tiere zweifellos in guter Gesellschaft befunden. Dort werden bereits mit den lebensgroßen Statuen des Springpferdes Warwick Rex und der städtischen Kultfigur Martin Taubenheim künstlerische Akzente gesetzt. Auch an anderen Orten im Stadtgebiet gibt es Beiträge zur Kunst im öffentlichen Raum, etwa bei der Universität, an der Bahnhofstraße oder auch im Zitadellenpark.

Nach Angaben des Bürgermeisters hat sich die Politik eine attraktive Gestaltung von Kreisverkehren auf die Fahne geschrieben. Dazu könnten Kunstwerke einen Beitrag leisten. Ein Beispiel sind die "Skywalker" von Gisela Eufe aus Worpswede. Sie stehen nicht nur vor dem Haus der Alten Oldenburger, sondern auch im nahe gelegenen Kreisel, also jenseits der Bahnlinie und in Sichtweite der Holzskulptur von Reinhard Osiander.

Die Errichtung von Osianders Werk ist ganz im Sinne des Kunstvereins Kaponier, der das Symposium im vergangenen Jahr organisiert hatte. "Durch das Aufstellen von Kunstwerken in der Stadt erreicht man gleich mehrere positive Effekte. Zum einen wird das Stadtbild durch zeitgenössische Kunst aufgewertet. Zum anderen können die beteiligten Künstler aktuelle Themen unserer Zeit aufgreifen und so ihre Kunst einem breiten Publikum präsentieren", erklärt Uwe Owald als Vorsitzender des Kunstbeirates auf Anfrage.

"Ich bin überzeugt davon, dass Kunstwerke im öffentlichen Raum dazu beitragen, generell das Interesse an Kunst zu erhöhen."Uwe Oswald, Vorsitzender des Kunstbeirates des Kunstverein Kaponier

Nach seiner Auffassung gewinnt Kunst im öffentlichen Raum zurecht mehr und mehr an Bedeutung in der Gesellschaft. Dadurch, dass die Werke allen Menschen gleichermaßen zugänglich sind, würden sie einer breiten Bevölkerungsschicht die Möglichkeit geben, sich ganz zwanglos mit Kunst auseinandersetzen zu können. Oswald: "Ich bin überzeugt davon, dass Kunstwerke im öffentlichen Raum dazu beitragen, generell das Interesse an Kunst zu erhöhen."

Die Künstler hätten zudem die Möglichkeit, konkret auf die Stadt oder den speziellen Platz inhaltlich einzugehen. Dass dann im öffentlichen Raum unter den Menschen auch Dialoge oder Streitgespräche in Gang gesetzt würden, sei durchaus gewollt und stelle eine der Aufgaben von Kunst dar. Eine Erhöhung des Stellenwertes bekomme die Kunst im öffentlichen Raum momentan noch durch die Pandemie, denn Ausstellungen seien zurzeit nicht durchführbar.

Schon im vergangenen Jahr waren Museen, Galerien und Kunstvereinen aufgrund der Corona-Verordnung über weite Strecken die Hände gebunden. Auch im Kaponier in Vechta mussten Ausstellungen ausfallen. Immerhin konnte das Bildhauer-Symposium auf dem Vorplatz des Zitadellenparks stattfinden. Organisator Uwe Oswald und 4 weitere Künstler aus Deutschland bearbeiteten mit Motorkettensäge und Stecheisen über mehrere Tage mächtige Eichenstämme.

Künstler schafft Bezug zur Region

Reinhard Osiander stellte mit seiner zweiteiligen Arbeit einen Bezug zur Region her. Er präsentierte Hahn, Schwein, Gans und Hase in einem Regal, und obendrauf einen Vogel. "Das ist eine freundliche Anspielung auf die Tierhaltung", erklärte der Bremer auf Anfrage. Daneben platzierte er einen Hirten, der als Beschützer und Sammler zweideutig gesehen werden könne.

Ratsherr Frank Hölzen (WfV) bewundert die filigrane Arbeit des Bildhauers und hebt die feinen Konturen hervor, insbesondere den Gesichtsausdruck des Hirten und die detailreichen Tiere. "Das ist schon eine Leistung", stellt der Vorsitzende des städtischen Ausschusses für Kultur und Erwachsenenbildung fest. Das Gremium hat sich damals für einen Erwerb der Skulptur ausgesprochen.

Stadt Vechta fördert Bildhauer-Symposium

Die Stadt Vechta hatte einen festen Betrag im Haushalt eingeplant, um die Veranstaltung des Kunstvereins und zugleich die Kunst im öffentlichen Raum zu fördern. Für den Ankauf eines Werkes wurden 4.500 Euro bereitgestellt. Hinzu kamen 5.000 Euro für die Durchführung des mehrtägigen Symposiums, teilt Herbert Fischer als Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Marktwesen mit.

"Die finanzielle Förderung durch die Stadt Vechta stellt einen sehr wichtigen Eckpfeiler dar, um das Symposium durchführen zu können", lobt Oswald. Der Kunstverein könne selbst nur begrenzt Mittel generieren und bemühe sich daher um Zuschüsse aus unterschiedlichen Quellen. Ziel sei es, die Veranstaltung alle 3 Jahre durchzuführen. Die nächste Ausgabe wäre dann im Jahr 2023.

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