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"Squid Game": Für Kinder zu gefährlich

Netflix selbst hat der Serie "Squid Game" die Altersempfehlung ab 16 Jahren gegeben. Die Szenen aber kennen auch Jüngere. Das offenbart Diskussionsbedarf.

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Tödliches Murmelspiel: In der Serie "Squid Game" treten Kandidaten in einem Wettbewerb auf Leben und Tod an. Foto: dpa/Netflix | Youngkyu Park

Tödliches Murmelspiel: In der Serie "Squid Game" treten Kandidaten in einem Wettbewerb auf Leben und Tod an. Foto: dpa/Netflix | Youngkyu Park

Sie kommt aus Korea, läuft über den Streaming-Dienst Netflix und ist zurzeit das Thema: „Squid Game“. Der Hype um die Serie mit Gewalt und vielen Toten indes hat Nebenwirkungen. Denn weil im Internet jede Menge szenische Anspielungen zu sehen sind, wissen auch Kinder erstaunlich viel über die Geschichte um die Mitglieder einer Gruppe von Verlierern, die um viel Geld und um ihr Leben spielt. 

Bei Kinderspielen – etwa bei einer Variante von "Elefant, Elefant, hat den Rücken verbrannt" – treten die Gamer an. Wer verliert, wird sofort erschossen.

Auf manchen Schulhöfen soll dies bereits Nachahmer gefunden haben. Der Leiter einer Grundschule in Lübeck etwa bestätigte dem NDR, dass Kinder die Serie nachspielen und die Erschießung am Ende des Spiels „simulieren“. Mit Ohrfeigen etwa. In Lastrup hat Schulsozialarbeiter Daniel Obuch das bislang noch nicht beobachtet. Dass allerdings auch Jüngere die Serie kennen, bestätigt der Vechtaer. Sie würden die Serie heimlich gucken, vermutet er. 

Gute Unterhaltung oder brutales Gemetzel? 

Was ist so faszinierend an „Squid Game“? Die 16-Jährige Imke aus Wachtum hat die neunteilige Staffel zusammen mit ihren  Freundinnen Carla und Lina geschaut. Die Meinungen sind gespalten. Carla findet viele Szenen zu brutal. „Also hab ich nach einer Folge abgeschaltet“, sagt die junge Löningerin. Mit der zum Teil sehr drastischen Darstellung von Gewalt hatte Imke dagegen kein Problem. Zwar kann auch sie auf den Anblick aufgeplatzter Schädel verzichten –  auch die werden gezeigt. Trotzdem ließ sie sich beim Zuschauen schnell in den Bann der Handlung ziehen. „Ich wollte einfach wissen, wie die Geschichte ausgeht.“

Gleiches galt für Lina. Die Gymnasiastin hatte von dem Hype um die Staffel mitbekommen und fühlte sich durchaus gut unterhalten. Albträume bekam sie jedenfalls keine. „In meiner Altersgruppe dürfte der Film schnell vergessen sein“, glaubt sie. Für Kinder sei die Serie aber nichts, sagt das Trio. Wohl wissend, dass die Warnung für viele zu spät kommen dürfte. Alle drei Schülerinnen haben schon gesehen, wie die Serie von Schülern jüngerer Jahrgängen nachgespielt wurde.  

Immer wieder muss auch Netflix Kritik einstecken

Dass junge Menschen für Themen wie Tod und Gewalt empfänglich sind, ist spätestens seit Goethes Werther bekannt.  2017 sorgte ebenfalls eine Netflix-Produktion für Zündstoff. "Tote Mädchen lügen nicht" behandelte die Umstände rund um den Suizid einer Schülerin. Eine US-Studie brachte die Serie anschließend mit der Zunahme von Selbsttötungen unter Jugendlichen in Verbindung. Der Studienleiter forderte, die Filmemacher stärker in die Pflicht zu nehmen. Die Unterhaltungsindustrie, so sein Anliegen, müsse eine wichtige Rolle bei der Prävention spielen und Möglichkeiten aufzeigen, wie jemand aus einer vermeintlich ausweglosen Situation herauskommen könne. 

"Viele Eltern wissen zum Beispiel nicht, dass sie die
Altersfreigabe einschränken können."Natalie Behre, Schulsozialarbeiterin

Um Prävention geht es  auch der Gelbrink-Grundschule in Löningen. Die Diskussion um "Squid Game" hat die Schulleitung dazu bewogen, einen Leitfaden für Eltern zu erstellen. Sie sollen sich darin über den Inhalt der Sendung informieren und zugleich praktische Tipps erhalten, wie sie ihre Kinder schützen können. "Viele Eltern wissen zum Beispiel nicht, dass sie die Altersfreigabe für Streaming-Angebote selbst einschränken können", sagt Schulsozialarbeiterin Natalie Behre. Daneben gibt es nützliche Links zu Diensten wie Klicksafe. Das Portal  unterstützt  Eltern im Auftrag der EU dabei, ihre Kinder Schritt für Schritt an  soziale Medien, PC-Spiele, Smartphone und Apps heranzuführen. 

Der Leitfaden wird in Kürze herausgegeben und ist dann auf der digitalen Schulpinnwand zu finden. "Medienkompetenz fängt bei den Eltern an", betont Natalie Behre. Dass "Squid Game" mittlerweile Thema auf Schulabenden ist, kann sie verstehen. "Die Serie ist sehr brutal, ich habe nach anderthalb Folgen abgebrochen." Fälle von "aktivem Nachspielen" habe es ihres Wissens in ihrer Grundschule noch nicht gegeben. Die Pausenaufsichten wüssten aber Bescheid. "Aufklärung ist jetzt ganz wichtig", betont die Sozialarbeiterin. 

  • Hinweis: Die südkoreanische Serie „Squid Game“ ist die bisher erfolgreichste Netflix-Produktion und wird von Netflix selbst ab einem Alter von 16 Jahren empfohlen. Der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) lag die Serie nach eigenen Angaben nicht zur Prüfung vor und hat keine FSK-Freigabe erhalten.

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