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Spielleute zaubern ein Lächeln in viele Gesichter

Privatkonzerte für Pflegeheime: Musikvereine aus Vechta spielen in der Corona-Krise für Heimbewohner. Die Resonanz auf die ersten Konzerte macht Lust auf mehr.

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Musik liegt in der Luft: Auf Initiative der Bürgerstiftung Vechta haben die Vertreter von sechs Orchestern und Spielmannszügen einen gemeinsamen Konzertplan für die kommenden Wochen aufgestellt. Foto: Speckmann

Musik liegt in der Luft: Auf Initiative der Bürgerstiftung Vechta haben die Vertreter von sechs Orchestern und Spielmannszügen einen gemeinsamen Konzertplan für die kommenden Wochen aufgestellt. Foto: Speckmann

Als Tambourmajor des Spielmannszugs Hagen ist es Jonas Holzenkamp gewohnt, bei Festumzügen vorweg zu marschieren und den Takt vorzugeben. Doch in der Corona-Krise entfallen diese traditionellen Auftritte. Stattdessen gibt es nun kleine Garten- und Hofkonzerte vor den Senioren- und Pflegeheimen, wo die Spielleute aus der Stadt Vechta in den nächsten Wochen regelmäßig auftreten wollen.

"Es macht Spaß, die lächelnden Menschen zu sehen", schildert Holzenkamp seine Beobachtungen vor dem Haus St. Hedwig. Auch die Rückmeldungen aus der Einrichtung sind positiv. Eine Pflegekraft berichtet, dass mehrere Bewohner nach dem Auftritt des Spielmannszugs wie ausgewechselt gewesen seien. Sie hätten sich unterhalten, gelacht und den Eindruck vermittelt, für einen Moment aus dem tristen Alltag der Pandemie herausgekommen zu sein.

Um eine Ansteckung mit dem Virus zu vermeiden, sind die Bewohner seit mehreren Wochen abgeschirmt. Sie dürfen keinen Besuch empfangen und sich nicht in Gruppen treffen. Nun öffnen sie ihre Fenster oder betreten den Balkon, um dem klingenden Spiel vor dem Gebäude zu lauschen.

Win-Win-Situation für Spielleute und Senioren

Es sind sechs Orchester und Spielmannszüge aus der Stadt Vechta, die sich bei den Auftritten vor den sechs Pflege- und Altenheimen abwechseln. Der Impuls kommt aus der Bürgerstiftung Vechta, deren besonderes Anliegen es ist, etwas für die älteren Menschen und auch für die Kulturschaffenden in der Stadt zu tun. Es habe sich schon in anderen Regionen gezeigt, dass Musik die Menschen verbindet, sagt der Vorsitzende Heinrich Wolking. Er registriert eine positive Resonanz in der ersten Woche und spricht von einer Win-Win-Situation für Spielleute und Senioren.

„Die Musik erfreut die Herzen und weckt Erinnerungen. Das gilt insbesondere für unsere älteren Mitbürger und auch für die Menschen, die in diesen besonderen Zeiten ihren Alltag in Alten- und Pflegeheimen verbringen müssen“, ergänzt Josef Kleier, Geschäftsführer der Bürgerstiftung und Ideengeber der Aktion. Den Bewohnern fehle zurzeit der Kontakt zur Außenwelt, der Besuch von Familienangehörigen und Freunden. Vor diesem Hintergrund würden die Konzerte für eine willkommene Unterhaltung sorgen.

"Es macht den Musikern mindestens genauso viel Spaß wie den Zuhörern", bestätigt Ulrich Wichmann, Geschäftsführer des Musikvereins Oythe. Er selbst spielt Tuba, musiziert fast täglich mit seiner Familie, aber die gewohnten Übungsabende und Auftritte mit den Vereinsfreunden fehlen. Die sonst so lebendige Gemeinschaft liege brach. Die neue Konzertreihe sei eine tolle Möglichkeit, wieder zusammen spielen und üben zu können.

"Es fühlt sich an wie Schützenfest!"Britta Hartmann, Zitadellengarde Vechta

Auch die musikalische Leiterin der Zitadellengarde Vechta freut sich, dass sie wieder einen Grund hat, in ihre schmucke Uniform zu schlüpfen. "Es fühlt sich an wie Schützenfest", sagt Britta Hartmann schmunzelnd. Sicher, die Rahmenbedingungen sind andere, aber das Publikum ist nicht weniger angetan. "Die Senioren freuen sich unglaublich", berichtet Claudia Hempelmann, Leiterin des Kolpingorchesters Vechta.

Neben den bereits genannten Ensembles leisten auch der Musikverein Langförden und die Kreismusikschule Vechta ihren Beitrag zu dem Projekt. Ziel der sechs Gruppen ist es, jeweils zwölf Auftritte bis zu den Sommerferien zu absolvieren. Mit insgesamt 72 Konzerten steht also eine beachtliche Zahl zu Buche. In den Genuss kommen das Haus St. Hedwig, Haus Theresa, Pro Vita, Aphasie- und Seniorenzentrum, Andreaswerk und Haus Gabriel.

Die Organisatoren kündigen die etwa halbstündigen Gastspiele erst kurz vorher in den Einrichtungen an. Dadurch sollen Ansammlungen von Schaulustigen vermieden werden, erläutert Kleier. Unter Hinweis auf die Abstandsregeln hat der Landkreis Vechta eine Ausnahmegenehmigung erteilt, damit die Konzerte unter freiem Himmel stattfinden könnten. Zwar dürfen pro Gruppe nur maximal 15 Personen mitwirken, aber für die Ständchen in den Höfen und Gärten reicht das allemal.

Gastspiel im Innenhof des Hauses St. Hedwig. Foto: Spielmannszug HagenGastspiel im Innenhof des Hauses St. Hedwig. Foto: Spielmannszug Hagen

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