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"Sound Circle" soll Musikunterricht revolutionieren

In der Pandemie wollen immer mehr Menschen ein Instrument lernen. Es mangelt aber an Musiklehrern. Das Problem könne nur mit digitaler Technik gelöst werden, sagt Chris Bruns.

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Üben mit Kopfhörer: Chris Bruns hat das Konzept des Sound Circle selbst entwickelt. Foto: Meyer

Üben mit Kopfhörer: Chris Bruns hat das Konzept des Sound Circle selbst entwickelt. Foto: Meyer

Lange Zeit war nicht viel los im Löninger Handelshof. Das Gebäude neben dem Kino stand in den vergangenen Jahren leer. Das hat sich jetzt geändert. Am Montag eröffnet Chris Bruns seine Musikschule an der Poststraße. Die letzten Vorbereitungen sind inzwischen abgeschlossen.

Wie viele Gitarren er besitzt, kann der Musiker auf Anhieb gar nicht sagen. "Das mögen so um die 30 sein", erklärt er nach einigem Überlegen. Bald kämen noch weitere hinzu. Bruns bietet die Instrumente auch zum Kauf an, ist also zugleich Lehrer und Händler. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit des 30-Jährigen. Mit einem neuen Konzept, Bruns nennt es den "Sound Circle", will er nichts weniger, als den Musikunterricht revolutionieren.  Er glaubt fest daran, dass ihm das auch gelingen wird.

Bisher arbeitet sich der musikalische Nachwuchs zumeist in Einzelstunden an der Tonleiter ab oder lernt so die ersten Griffe auf der Klampfe. Jeder Schüler benötigt also einen eigenen Lehrer. "Personell ist das sehr aufwändig", sagt Chris Bruns, der inzwischen zehn Mitarbeiter beschäftigt. Das Problem: Musiklehrer werden mehr und mehr zur Mangelware. Auch die öffentlichen Einrichtungen können ihre freien Stellen immer öfter nicht besetzen. Freie Musikschulen haben es noch einmal schwerer. Zugleich wollen jedoch immer mehr Kinder ein Instrument erlernen. Und das sollen sie auch, findet der Musiker, der selbst mit acht Jahren begann, Posaune zu spielen und später zur Gitarre wechselte. Ein Leben ohne Musik mag er sich nicht vorstellen. Der gelernte Betriebswirt suchte deshalb nach einem Weg, möglichst vielen jungen Menschen den Zugang zu ermöglichen und gleichzeitig das Personalproblem zu lösen. Er ist sich sicher, ihn gefunden zu haben.

Schüler üben mit Kopfhörer und Tablet

Den "Sound Circle" hat Chris Bruns im Hauptraum des Handelshofes eingerichtet. Auf einer Holzkonstruktion stehen Klaviere und Drumsets, an den Wänden hängen Gitarren aller Art. Die Schüler sollen hier künftig ohne Anmeldung in die Tasten oder zum Schlagstock greifen. "Jeder kann kommen, wann er will und solange üben, wie er mag", erklärt der gebürtige Linderner das Prinzip. Damit sich angehende Konzertpianisten und künftige Banddrummer nicht ins Gehege kommen, gibt es für alle Studiokopfhörer.  Die Nachbarn können also unbesorgt sein, im Circle herrscht absolute Stille. Der Raum ist außerdem komplett verkabelt. Während die Schüler ihr Programm mit digitaler Hilfe selbstständig abspulen, steht ihnen stets ein Lehrer als Ansprechperson zur Verfügung. "Er geht von einem zum anderen, gibt Tipps und hilft bei Schwierigkeiten", erklärt Bruns. Das System spare Kosten, ohne dass es Qualitätseinbußen gebe. "Wer bei uns übt, muss sich nicht zwingend selbst ein Instrument anschaffen, da er alles, was er braucht, bei uns bekommt." 

"Jeder Musiker träumt davon, auf  der Bühne zu stehen."Chris Bruns

Die Software hat der Vollblutmusiker gemeinsam mit einer EDV-Firma entwickelt. Die Experten dort seien begeistert von der Idee gewesen. "Sie haben sich gefragt, warum bislang noch niemand darauf gekommen ist".  Er lässt das Konzept jetzt patentieren und möchte es anschließend auch anderen Musikschulen zugänglich machen. Die Branche habe Lösungen wie diese dringend nötig, glaubt er. 

Rund 300 Schüler betreut Chris Bruns inzwischen. Hinzu kommt sein Engagement in Kindergärten und Schulen. Glatt lief es für ihn in den vergangenen Monaten trotzdem nicht. Seinen "Sound Circle" hatte er zunächst in Molbergen eingerichtet. Der Handelshof sollte später dazu kommen, doch der Erfolg war nur mäßig, woran sicher auch die Pandemie ihren Anteil hatte. Damit herausreden will sich der 30-Jährige aber nicht. "Tatsache ist, dass ich mich überschätzt habe und wir zu schnell gewachsen sind". 

In Löningen versucht er jetzt den Neustart. "Ich mache weiter, nur ein wenig kleiner." Im Handelshof richtet er sich auch ein  Tonstudio ein. "Dort möchte ich abends sitzen und kreativ sein."  Jeder Musiker träume doch davon, auf der Bühne zu stehen und mit seinen Songs auf Tour zu gehen. Auch diesen Traum gibt Chris Bruns so schnell nicht auf. 

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