Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

„Sind aufgerufen, immer wieder aufzustehen“

Heute: Karin Holthaus aus Mühlen. Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum: Das ist der Stoff der neuen Serie „Mut zum Kreuz“.

Artikel teilen:

Karin Holthaus, 50 Jahre, verheiratet, ausgebildete Erzieherin, ist Mutter des blinden, mehrfach schwerstbehinderten Aaron, der 2002 viel zu früh zur Welt kam und notgetauft wurde. Das Kreuz in seinem Zimmer kauften seine Eltern in der Manufaktur des Andreaswerkes.

„Unser Sohn Aaron trägt ein schweres Kreuz. Er ist ein Kinderhospizkind und wir werden ihn mit Unterstützung vieler, hilfreicher Menschen bis in den Tod begleiten. Es ist ein Geschenk für uns, dass er sich zusammen mit Gott dazu entschieden hat, diese Welt ein wenig kennenzulernen.

Wir haben unser Leben ganz auf Aaron ausgerichtet. In dem Auferstehungskreuz, das wir in seinem Zimmer aufgehängt haben, erkenne ich eine tiefe Bedeutung: Dass wir aufgerufen sind, immer wieder aufzustehen, zusammenzuhalten und Lösungen zu finden, wenn das Schicksal uns neue Aufgaben stellt. Ich bin keine regelmäßige Kirchgängerin, aber dennoch habe ich durch meine Erziehung und Prägung etwas mitbekommen, was nicht sichtbar ist. Ganz deutlich kam diese Spiritualität für mich zum Ausdruck, als Aaron geboren wurde und ich einige Jahre später an Krebs erkrankte. In den Kliniken war oft die Kapelle unser Anlaufzentrum.

Manchmal lag dort ein Buch, dem man seine Trauer, Wut, Verzweiflung, aber auch die Erleichterung über eine gelungene Operation anvertrauen konnte. Das habe ich in dieser Zeit dankbar genutzt.

Unser unsichtbares Kreuz ist damit behaftet, immer wieder schwere Lebenskrisen mit Aaron auszuhalten, ihn bestmöglich medizinisch zu unterstützen und ihm Halt und Liebe zu geben, auch wenn dies uns zeitweise an die Grenzen unserer Kraft bringt. Den Gedanken an die Endlichkeit des Lebens zuzulassen und auszuhalten ist eine schwere Aufgabe, die dazu führte, dass unsere Werte sich verschoben haben.

Wir wissen, was wirklich wichtig für uns ist, leben sehr intensiv und vielleicht außerhalb dessen, was sich die meisten Menschen vorstellen können. Dazu gehört für uns auch ein guter Schuss Humor, den man uns vielleicht gar nicht zutraut.

Für uns zählen Dankbarkeit, Menschlichkeit und die Vorfreude auf den nächsten Tag. Wir geben Aaron nach dem Abendgebet vor seinem Kreuz immer eine schöne Aussicht mit in seine Träume.

Die Vorfreude auf das therapeutische Reiten oder eine schöne Geschichte, die ich ihm vorlesen werde, bringen ihn zum Lächeln. Und dann gehen wir schlafen mit der Hoffnung, dass wir dem lieben Gott vielleicht einen weiteren Tag abringen können. Jeder Tag ist ein geschenkter Tag.“

Fakten

  • Am 11. Juli: Von Galen - auch heute noch Vorbild?
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-Galen Stiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Ab dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
  • Im November erscheint ein Buch zum Thema.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Stiftung in Oldenburg.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

„Sind aufgerufen, immer wieder aufzustehen“ - OM online