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#Serien – Spiegel der Gesellschaft

Kolumne: Irgendwas mit # – Es gibt Serien, die auch aktuelle Geschehnisse und Probleme aufgreifen. Doch offensichtlich lassen wir uns mehr dadurch unterhalten, als uns damit auseinanderzusetzen.

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Serien spiegeln häufig das aktuelle Weltgeschehen und das soziale Leben wider. Interessant wird es, wenn man einen Blick in die Vergangenheit wirft und Vergleiche zieht. Ich oute mich jetzt mal als temporärer Serienjunkie. In den 1990er Jahren habe ich wöchentlich gespannt auf die Ausstrahlung der nächsten Folge Emergency Room (ER), eine amerikanischen Krankenhausserie, gewartet. Nach 15 Staffeln war 2009 Schluss.

Für den Nachfolger, Grey’s Anatomy, konnte mich erst nach und nach etwas begeistern. Aber irgendwie blieb die Serie in Teilen zu schrill für mich. Mag am Alter liegen. Als dann noch das Thema Corona Einzug ins Drehbuch hielt, wollte ich schon gar nicht mehr einschalten. Denn das Problem hatte ich sowieso täglich vor der Haustür.

Vor Kurzem begann ich, mir noch einmal sämtliche Staffeln von ER anzuschauen. Damals war Aids das große Thema. Eine Krankheit, die seit Beginn der Epidemie bis heute laut Statistik mehr als 36 Millionen Menschenleben weltweit gekostet haben soll, 2020 sollen es allein 680.000 gewesen sein. Und obwohl damals wie heute jeder Mensch gefährdet war, sich unter bestimmten Umständen zu infizieren, war die Krankheit für mich wesentlich abstrakter, als es Corona derzeit ist.

"Doch leider sind all die anderen vorgenannten Probleme nach wie vor existent.“Sonja Gruhn

ER hatte sich mit beinahe allen Arten menschlicher, gesellschaftlicher und sozialer Probleme auseinandersetzt. Themen wie Drogenmissbrauch, häusliche Gewalt, sexueller Missbrauch, Bandenkriminalität, Demenz, Rassismus, Armut, Suizid, Sexismus, Krieg, Vorurteile, Vernachlässigung, Essstörungen und Abtreibung gehörten dazu. Teilweise wurde dabei, wie schon im 7. Sinn, der Informationssendung zur Verkehrssicherheit (1966 bis 2005), anhand von Beispielen mit dem erhobenen Zeigefinger gemahnt: Wer sich nicht anschnallt, wird bei einem Unfall schwerer verletzt; Raucherinnen riskieren die Gesundheit des Babys; Mutproben können tödlich enden – und so weiter.

Und tatsächlich ging es in zwei Folgen um Menschen, die sich mit Affenpocken infiziert hatten! Das stetig wiederkehrende große Thema war allerdings die Überlastung der Notaufnahme, ein Problem des Gesundheitssystems in den Vereinigten Staaten. Würde die Serie Emergency Room heute noch laufen, wäre mit Sicherheit mittlerweile aus Aids als Krankheitsthema Corona geworden. Und aus dem Irak-Krieg wäre der Krieg in der Ukraine geworden.

Das allein ist traurig genug. Doch leider sind all die anderen vorgenannten Probleme nach wie vor existent, haben sich teilweise verschärft oder durch soziale Medien verlagert und ausgeweitet. Schade, dass wir aus dem Spiegel, den solche Serien uns vorhalten, offensichtlich nichts lernen.


Zur Person

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