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Schule ist mehr als Rechnen, Schreiben und Lesen

Elsbeth Wolke war lange Schulleiterin der Grundschule Cappeln. Dort stellte sie ihr neues Buch vor und blickte in eine voll besetzte Aula.

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Schlange stehen: Elsbeth Wolke hat an dem Abend viele Widmungen in die verkauften Bücher geschrieben. Foto: Vorwerk

Schlange stehen: Elsbeth Wolke hat an dem Abend viele Widmungen in die verkauften Bücher geschrieben. Foto: Vorwerk

Erinnerungen einer Lehrerin und Schulleiterin. Ist das spannend? Die Antwort muss eindeutig "Ja" lauten, denn die bereitgestellten Stühle in der Aula der Grundschule Cappeln reichten bei Weitem nicht aus, um alle Besucher der Buchvorstellung mit einem Sitzplatz zu versorgen. Weit über 100 Gäste sind es am Dienstag gewesen, die aus dem Munde der Autorin Elsbeth Wolke Auszüge aus dem 250 Seiten starken Buch hören wollten und sich vor allen Dingen das Werk von ihr signieren ließen. Bei einer einfachen Unterschrift beließ es die Emstekerin nicht und schrieb stets eine Widmung auf die vorletzte Seite, was den Beginn der Veranstaltung leicht verzögerte.

Verlagsleiter Alfred Büngen unterbrach dann auch die Autogrammstunde vorläufig, um in das eigentliche Programm zu starten. "Ich bin überrascht, dass 40 abgekaute Bleistifte so viele Menschen zusammenbringen", leitete er die Begrüßung ein. Beim Lesen des Manuskripts seien ihm Erinnerungen an die eigene Schulzeit wiedergekommen und er stellte fest, dass sich in den vergangenen 40 Jahren eine Menge geändert habe. "Vieles geht dabei verloren, vieles können ältere Lehrer aber auch weitergeben, so wie in diesem Buch." Er habe beim Lesen viel Spaß gehabt, aber auch viel Nachdenkliches entdeckt. "Es ist auch ein Stück Dorfgeschichte und viele Figuren werden Ihnen bekannt vorkommen."

Florian Voigt begleitete mit Gesang und Gitarre

Daran ändert es auch nichts, dass Elsbeth Wolke allen handelnden Personen neue Namen gab und ohnehin darauf achtete, andere nicht in Verlegenheit zu bringen. "Ich habe viele Dinge ausgespart, die eventuell Menschen verletzen könnten", erklärte sie zu Beginn. An anderer Stelle gab sie auch den Hinweis, dass Protagonisten der Passagen, die sie gerade vorlas, unter den Gästen sind. Unterstützung hatte sie sich für den Abend von Florian Voigt geholt, der mit mehreren Liedern, die einigen Gästen wohl bekannt waren, die Veranstaltung gesanglich und an der Gitarre umrahmte.

Hanna, so nennt sich Elsbeth Wolke in dem Buch, hatte selber eine schöne Schulzeit. So schön, dass sie selber Lehrerin werden wollte, was nach einem Umweg auch gelang. Direkt nach dem Studium gab es einen Einstellungsstopp und so dauerte es 12 Jahre, bis sie schließlich vor ihre Klasse trat. Mit den Kindern kam sie klar und auch der Elternabend erwies sich weniger schlimm, als angenommen. Als aber der Vater von Bodo, der am Telefon stets aufbrausend war, seinen persönlichen Besuch ankündigte, da war ihr gar nicht wohl bei dem Gedanken. Kollege Sven nahm ihr die Angst und versprach ihr beizustehen. Als Bodos Vater dann in die Pausenhalle kam, "war er präsent, nicht zu übersehen", las Wolke vor. Im Gegensatz zu ihrem Kollegen, der war nicht zu sehen. Er hatte sich aus dem Staub gemacht.

Talente sind unterschiedlich verteilt

Klassenfahrten und verlorene Kinder, sogar überzählige Gruppengrößen, Schulinspektionen, Inklusion und vieles mehr lässt Elsbeth Wolke in ihrem Buch Revue passieren. Die größten Kapitel nehmen die Erinnerungen an einzelne Kinder und spezielle Begegnungen ein – und die Erkenntnisse, dass Talente unterschiedlich verteilt werden. Kindern, denen man Aufgaben beim Theater oder im Zirkus nicht zugetraut hatte, wuchsen über sich hinaus. Schule ist eben mehr als nur Rechnen, Schreiben und Lesen.

  • Info: Elsbeth Wolke, „40 abgekaute Bleistifte – Geschichten aus dem Leben einer Lehrerin“, erschienen im Geest-Verlag (ISBN 978-3-86685-897-8), 14 Euro.

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