Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Satirisch-spitzfindig durch das Museumsdorf

Die Besucher erleben mit dem Schauspieler, Kabarettist und Moderator Pago Balke eine außergewähnliche Führung durch das Freilichtmuseum.

Artikel teilen:
Das macht Spaß: Bei seiner Führung durch das Museumsdorf Cloppenburg sorgte Pago Balke (links) für humorvolle und hintergründige Informationen über das Landleben aus vier Jahrhunderten. Fotos: Heitkamp

Das macht Spaß: Bei seiner Führung durch das Museumsdorf Cloppenburg sorgte Pago Balke (links) für humorvolle und hintergründige Informationen über das Landleben aus vier Jahrhunderten. Fotos: Heitkamp

Die Satire scheint Pago Balke auf den Leib geschnitten zu sein. Der in Riede, einem kleinen Ort in der Nähe von Bremen, lebende Schauspieler, Kabarettist und Moderator ist seit sechs Jahren begeisterter Museumsführer im Cloppenburger Museumsdorf. Und das auf eine Art, die schon ein wenig außergewöhnlich ist. Das spürten die Besucher gleich zu Beginn.

Die Satire scheint Pago Balke auf dfen Leib geschnitten zu sein

„Stellen sie sich darauf ein, dass ich ihnen den Vormittag versaure. Es wird lang und langweilig“, hatte er den Gästen noch bei der Begrüßung versprochen. Alles mit einem Augenzwinkern und wie sich hinterher herausstellte, alles überzogen. Mit viel Humor, etwas Gesang und reichlich satirisch-spitzfindigen Anmerkungen brachte er den Besuchern das Landleben vergangener Jahrhunderte näher. „Früher war alles schöner, aber heute geht es uns besser“ zitierte er den 2009 verstorbenen Volkskundler Utz Jeggle, dessen Zitat in der Scheune vom Hof Grünloh angebracht ist.

Führung nach Noten: Pago Balke ist auch MusikerFührung nach Noten: Pago Balke ist auch Musiker

Zu sehen sind dort „Dinge von der Wiege bis zum Sarg, wobei der Weg bis zum Sarg früher deutlich kürzer war als heute“, entschuldigte sich Balke schon fast für die in der Scheune ausgestellten Särge. „Das Leben wird mit dem Tode bestraft“, sagte er, der trotz einer schriftlichen Eingabe an die Museumsleitung, die Särge während seiner Führung an die Seite zu räumen, keinen Erfolg gehabt hat. „Ich bin sowie so hier das kleinste Licht“, sagte er schon fast wehleidig. Angetan hatte es ihm ein alter Baumstammbrunnen, „dat ist heel wat besünners“, sagte er. In die Erde versenkt sammelte sich darin das Wasser, setzte sich dort ab, so dass die Benutzter fast sauberes Trinkwasser nach oben fördern konnten.

"1933 bekam das Haus ein Plumpsklosett. Also in der Zeit, als in Deutschland die braune Masse die Macht übernahm".Pago Balke, Museumsführer

Balke verpackte seine Geschichte auf eindrucksvolle Art und Weise. Wie beim Landarbeiterhaus der Familie Hinders aus Stapelmoorheide, welches Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut und erst 1933 durch den Einbau eines Plumpsklosett eine bauliche Veränderung und damit wichtige Neuerung erfuhr. „1933 bekam das Haus ein Plumpsklosett. Also in der Zeit, als in Deutschland die braune Masse die Macht übernahm“.

Am emotionalsten aber waren die von Balko verlesenen zwei Briefe des einzigen Sohnes vom Kolonat Meyer aus Firrel an seine Eltern. Dieser verstarb 1944 während des 2. Weltkrieges in russischer Gefangenschaft. Entdeckt wurde Pago Balke von dem ehemaligen Direktor des Museumsdorfes, Prof. Dr. Uwe Meiners bei einer Führung im Bremer Focke-Museum. „Es macht großen Spaß, Menschen das Museumsdorf auf eine humorvolle Art und Weise näher zu bringen“, erklärte Pago Balke.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Satirisch-spitzfindig durch das Museumsdorf - OM online