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Reinhard-Mey-Liederabend führt zu Beisterungsstürmen in der Emmauskirche

Im voll besetzten Gotteshaus bekamen Birgit und Joachim Osterkamp regelmäßig lautstarken Applaus. Lieder von Reinhard Mey und Texte unterschiedlicher Autoren ergaben eine gelungene Mischung.

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Ein eingespieltes Team: Joachim und Birgit Osterkamp. Er trägt Texte vor uns sie singt Lieder von Reinhard Mey. Foto: Heinzel

Ein eingespieltes Team: Joachim und Birgit Osterkamp. Er trägt Texte vor uns sie singt Lieder von Reinhard Mey. Foto: Heinzel

Stellen Sie sich vor, Sie kommen als Außerirdischer auf diesen Kontinent und sehen zwei Kreaturen im Park spazieren gehen, von denen eine die frische Kacke der anderen in eine Tüte steckt und hinterherträgt. Da stellt sich schon die Frage: „Wer ist hier der Chef?“ Joachim Osterkamp trug diese kurze Geschichte jetzt in der Visbeker Emmauskirche vor. Seine Frau Birgit sang anschließend „Es gibt Tage, da wünscht' ich, ich wär mein Hund“ von Reinhard Mey. Das Ehepaar wechselte sich im Vortrag kontinuierlich ab und gestaltete einen anderthalbstündigen Abend der harmonisch ineinanderfloss.

„Reinhard Mey ist klasse – humoristisch, einfühlsam, tolle Musik und Texte.“Pfarrerin Andrea Hilgen-Frerichs

Die Besucher in der voll besetzten evangelischen Kirche tobten nahezu zum Abschluss des vom Kulturkreis der Gemeinde Visbek organisierten Liederabends mit Songs von Reinhard Mey. Lautstarker Applaus mischte sich mit Beifallsrufen und -pfiffen. Pfarrerin Andrea Hilgen-Frerichs sagte bereits zur Begrüßung. „Reinhard Mey ist klasse – humoristisch, einfühlsam, tolle Musik und Texte.“ Das Publikum schien diese Einschätzung zu teilen und spendete während des Abends regelmäßig kräftigen Applaus.

Joachim Osterkamp zitierte zu Beginn Alexis Carell: „Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben!“ Und das geschah an diesem Abend, der viel zu schnell zu Ende ging. „Für uns war es wie ein Heimspiel“, sagten die beiden nach dem grandiosen Finale, als die gesamte Kirche die Zugabe „Gute Nacht, Freunde“ mitsang.

Birgit Osterkamp ist vielen bekannt durch ihre Mitarbeit in Chören und in einer Big Band. Joachim Osterkamp ist langjähriges aktives Mitglied in der Visbeker Theatergruppe. Als Sängerin bezauberte Birgit Osterkamp mit ihrem klaren, ausdrucksstarken Gesang. Joachim Osterkamp beeindruckt mit seinem nahezu fehlerfreien und souveränen Vortrag der Texte.

„Reinhard Mey hat für alle Lebenslagen ein Lied geschrieben.“Birgit Osterkamp

„Reinhard Mey hat für alle Lebenslagen ein Lied geschrieben“, meinte Birgit Osterkamp. Einen kleinen Einblick darin gewährte die Liedauswahl an diesem Abend. Die Songs wurden stets durch Geschichten unterschiedlicher Autoren eingeleitet. Und so erfuhr der Besucher, dass in „Edelebereschenbeerengeleebecherchen“ 15 e enthalten sind, welche Tücken der Einkauf von Tofu hat, was ein „Zartphone“ ist und dass zu „Brunch“ auch „FrühMi“ gesagt werden kann. Es entfaltete sich ein sehr lustiger Abend, da viele von Joachim Osterkamp ausgesuchten Texte durch Humor geprägt waren und die dazu ausgewählten Lieder von Reinhard Mey ebenfalls. Birgit Osterkamp sagte, dass „auch humoristische Texte eine Moral oder Weisheit haben.“ Diese zu finden oder zu entdecken, überließen sie dabei den Besuchern.

Endlich wieder Kultur: Die Folge ist eine voll besetzte Emmauskirche. Foto: HeinzelEndlich wieder Kultur: Die Folge ist eine voll besetzte Emmauskirche. Foto: Heinzel

Einer der ersten Programmpunkte im Vorfeld des 3. Oktober war der Vortrag einer Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker vom 3. Oktober 1990. Dabei setzten dann gegen Ende bereits Gitarrenklänge ein, Birgit Osterkamp übernahm den Vortrag und sang eine entsprechende Passage aus dem Lied „3. Oktober ’91“. Dann übernahm ihr Mann wieder und trug einen Auszug aus einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vom 3. Oktober 2020 vor und danach folgte wieder ein Songabschnitt von Reinhard Mey, bevor eine Messerattacke thematisiert wurde und die Reaktion der Gesellschaft darauf.

Nicht unbedingt ein leichter Einstieg, aber spannend, interessant und fesselnd. Und so ging es weiter, ergänzt durch eine ordentliche Prise Spaß. Erst „Bei Hempels unterm Bett“, gefolgt von der Geschichte "Jäger und Fallensteller" aus Horst Evers "Für Eile fehlt mir die Zeit“. Horst geht darin mit einem – von der Freundin geschriebenen – Einkaufzettel in den Supermarkt. Tofu steht da drauf und er hat da aber null Bock drauf. Auf das anschließende „Hasengebet“ folgte „der unendliche Tango der deutschen Rechtschreibung“ zusammen dem Axel Hacke-Text „Von Flanschschrauben und Bretterzerschmetterern“. Nach dieser Jagd auf Sprachrekorde erläuterte Joachim Osterkamp mit einem Text von Frieda Braun, warum die Wählscheibe als Begriff ausstirbt und warum die Aussage „Leg mal den Hörer auf die Gabel“ dieses Schicksal teilen werde. Heute sei eben alles anders. Was auf „Die heiße Schlacht am kalten Büffet“ nicht unbedingt zutrifft.

Birgit und Joachim Osterkamp beendeten den Abend mit einem anderen Lied von Reinhard Mey dessen Refrain passenderweise lautet: "Gute Nacht, Freunde, es wird Zeit für mich zu geh'n. Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Steh'n."

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