Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

"Rares ohne Bares": In Visbek sind alle Kunstwerke gefragt

Der Kulturkreis möchte auf ungewöhnliche Weise eine Ausstellung auf die Beine stellen. Dafür sind sie auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen – uninteressante Bilder gibt es quasi nicht.

Artikel teilen:
Hoffen auf viele schöne Bilder: Rose Richter-Armgart (von links), Dr. Norbert Wiens, Annelies Muhle und Dr. Christine Aka. Foto: C. Meyer

Hoffen auf viele schöne Bilder: Rose Richter-Armgart (von links), Dr. Norbert Wiens, Annelies Muhle und Dr. Christine Aka. Foto: C. Meyer

Ein altes Porträt eines Vorfahren, dessen Namen man schon gar nicht mehr weiß; das Gemälde der alten Kirche des Dorfs, in der die Großeltern geheiratet haben; oder ein Bild, das es schon ewig in der Familie gibt, dessen Geschichte aber kaum einer mehr kennt. Der Kulturkreis Visbek interessiert sich für alles Gemalte, das vor 1980 entstanden ist und startet deshalb einen Aufruf. Kunstschätze und die, von denen man es noch nicht weiß, sollen für eine Ausstellung ausgewählt werden.

Um den Bildern überhaupt gewahr zu werden, ist der Kulturkreis auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Deshalb soll es am 2. Dezember (Freitag) von 17 bis 19 Uhr sowie am 3. Dezember (Samstag) von 10 bis 12 Uhr die Möglichkeit geben, die Kunstwerke, die daheim das Esszimmer schmücken oder sich womöglich sogar auf dem Dachboden verstecken, im Visbeker Rathaus einer Art Jury vorzustellen, die die Werke bewertet.

Es müssen keine wertvollen Bilder sein

Das Gremium besteht aus den Kulturkreismitgliedern Rose Richter-Armgart und Dr. Norbert Wiens sowie Professor Dr. Christine Aka vom Kulturanthropologischen Institut Oldenburger Münsterland. Sie berät den Visbeker Kulturkreis bei diesem Projekt. Also darf man sich das Ganze ein wenig wie bei "Bares für Rares" vorstellen? Aka lacht. "Eher Rares ohne Bares", schränkt sie ein. Aber ja, jede und jeder sei aufgerufen, seine Bilder mitzubringen. Die Werke werden dann fotografiert und dokumentiert. Auf Wunsch können die Bilder auch direkt vor Ort gelassen werden.

Aber dieses alte Landschaftsbild, das ich zu Hause noch auf dem Dachboden habe, taugt sicherlich nicht dafür, denken sich womöglich einige. Christine Aka wiegelt ab: "Traut euch", ruft sie auf, "nichts ist zu schade". Auch Kitsch? "Kitsch gibt es nicht. Das liegt im Auge des Betrachters." Wichtig sei für die Aktion, dass das Bild vor 1980 entstanden ist und dass es sich um ein Original handelt, sagt Dr. Norbert Wiens. Wer die Künstlerin oder der Künstler ist, sei dagegen völlig unerheblich. Ob ein nachgewiesener Heinrich Klingenberg, ein Laien-Werk oder sogar völlig unbekannt – alles ist gefragt. Eine Einschränkung gibt es dann doch: An Drucken oder Fotos ist man für diese Ausstellung dagegen nicht interessiert.

Besonders freuen würde sich das Expertengremium, wenn die Menschen sogar eine Geschichte zu ihren Bildern mitbringen würden – "an denen Emotionen dranhängen", sagt Christine Aka. Sie nennt beispielsweise die vielen Hofbilder hier in der Region, die zum Teil sehr gut seien, und darüber hinaus eine Familiengeschichte erzählen können. Oder sie kenne ein Bild aus Hagstedt, das nach dem Zweiten Weltkrieg für Nahrung eingetauscht worden sei. Dr. Norbert Wiens hält ein Porträt seines Urgroßvaters in den Händen, das sein Großvater gemalt hat. "Das hat für mich natürlich eine ganz andere Bedeutung als ein Flohmarktfund."

Die Ausstellung soll im Frühjahr stattfinden

Aber ein Muss ist ein persönlicher Bezug zu den Werken selbstverständlich nicht. Während des Gesprächs wiederholen die drei mehrfach, dass sie viel Wert darauf legen, dass der Aufruf keine falsche Bescheidenheit bei der Bevölkerung auslöst. "Jeder soll sich angesprochen fühlen", betont Aka. Es gebe sicherlich vergessene Schätze auf den Dachböden oder Kellern der Region, glaubt Norbert Wiens. Sollte einem ein altes Erbstück nicht gefallen, hat vielleicht ein anderer Freude daran, nennt er eine Motivation, den Termin Anfang Dezember im Rathaus wahrzunehmen.

Insgesamt 60 Bilder möchten die drei gerne für eine Ausstellung zusammenstellen. Wie diese sich letztlich gestalte, hänge von der Resonanz am 2. und 3. Dezember ab. "Es ist ein Experiment", sagt Christine Aka. "Das hat so in der Form auch noch keiner in der Region durchgeführt." Deshalb möchte die Jury sich selbst auch gar nicht einschränken und sich offen darauf einlassen. Die finale Ausstellung im Rathaus ist für das Frühjahr geplant, am 24. März soll die Eröffnung sein.

Die Idee, ursprünglich von Dr. Norbert Wiens – "das hängt mit meiner krankhaften Sammelleidenschaft zusammen" –, gebe es schon länger. Die Corona-Pandemie habe den Kulturkreis aber in den vergangenen Jahren ausgebremst. "Das sei mal was anderes", sagt Wiens und hofft, dass der Aufruf viel Anklang findet. Er könnte sich bei einem Erfolg sogar eine Wiederholung der Aktion vorstellen.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

"Rares ohne Bares": In Visbek sind alle Kunstwerke gefragt - OM online