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#queerdenken – Das stille Örtchen an der Universität

Mit "Toiletten für alle" will die Uni Vechta ein Angebot an Menschen machen, die „sich nicht mit der Kategorie männlich oder weiblich identifizieren“. Das ist vor allem ein Signal - ist es auch nötig?

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Die Universität Vechta hat „Toiletten für alle“ eröffnet – also nicht nur für Männer oder Frauen ausgewiesene Sanitärräume. In der Pressemitteilung heißt es: „Unabhängig vom Geschlecht kann jede*r die Toiletten nutzen.“

Damit will die Uni nach eigener Darstellung ein sanitäres Angebot an Menschen machen, die „sich nicht mit der Kategorie männlich oder weiblich identifizieren“. Und weiter: „Inter*, trans* und nichtbinäre Menschen (also Menschen, die biologisch weder Mann noch Frau sind oder diese Zuschreibung ablehnen, Anm. d. Red.) werden häufig mit Unsicherheiten konfrontiert und haben deshalb Probleme mit dem Toilettengang in öffentlichen Einrichtungen“. Es könne vorkommen, „dass Personen, die einer binären Geschlechtervorstellung nicht entsprechen, von weiteren Nutzer*innen auf die andere Toilette geschickt, verbal attackiert oder sogar körperlicher Gewalt ausgesetzt werden“.

Das hat einen ernsten Hintergrund: Immer wieder werden inter- und transsexuelle Menschen wegen ihrer Andersartigkeit angegriffen. An der Uni Vechta hat die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Tanja Meyer zwar nur Kenntnis von „ein paar verbalen und auch handgreiflichen Übergriffen“. Sie nimmt aber an, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt.

"Wo Menschen angegriffen werden, kann es keine zwei Meinungen geben. Das ist die Quintessenz des Rechtes auf freie Persönlichkeitsentfaltung."Philipp Ebert, Volontär

Deshalb: Einige Ausprägungen der „queeren“ Kultur mögen Konservativen extrovertiert vorkommen; das sei ihnen unbenommen. Wo aber Menschen angegriffen werden, kann es keine zwei Meinungen geben. Das ist die Quintessenz des Rechtes auf freie Persönlichkeitsentfaltung im Grundgesetz.

Aber musste die Uni Vechta ihre Aktion mit dem „Welttoilettentag“ in Verbindung bringen? Dieser erinnert daran, dass eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu Sanitäranlagen haben. Diesen globalen Skandal relativiert die Uni Vechta mit ihrer Aktion – wohl unabsichtlich.

Außerdem sind nach Geschlechtern getrennte Toiletten auch intime Rückzugsräume: Für jene, die ohnehin ungerne öffentliche WCs aufsuchen, wird der Gang zur Toilette nicht einfacher, wenn das andere Geschlecht anwesend ist.

Und: Es geht auch um den Schutz von Frauen. Darauf hinzuweisen kann die bürgerliche Reputation kosten, wie Joanne K. Rowling erfahren musste. Die Harry-Potter-Autorin, eigenen Angaben zufolge selbst Opfer häuslicher Gewalt, wollte nicht akzeptieren, dass jeder Mann eine Frauentoilette aufsuchen könne, wenn er sich selbst (zeitweilig) als Frau beschreibe. Von der „queeren“ Community wurde sie daraufhin diffamiert als „TERF“: „trans-exkludierende radikale Feministin“.

"Die Intention der Universität ist löblich; ob das gewählte Mittel das beste ist, darf bezweifelt werden."Philipp Ebert

Hier zeigt sich: Der Diskurs der gesellschaftlichen Inklusion führt auch zur Exklusion – zur Ausgrenzung abweichender und unbequemer Meinungen. Wer die öffentliche Vernichtung fürchten muss, wird sich kaum zu kontroversen Themen äußern. So entsteht eine „Schweigespirale“ – was manch bodenständiger Bürger als enger werdenden „Meinungskorridor“ wahrnimmt.

Was ist das Fazit? Die Intention der Universität ist löblich; ob das gewählte Mittel das beste ist, darf bezweifelt werden. Ohnehin gibt es überall Toiletten für beide Geschlechter: Das rollstuhlgerechte WC. Andererseits ist die Umwandlung von nur zwei Toiletten auch kein Drama, sofern es klassische Alternativen gibt.

Zu beobachten bleibt, ob diese Aktion ein Zeichen für mehr Akzeptanz ist – oder eher ein Fanal dafür, dass sich die häufig illiberalen Diskurse linker Identitätspolitik an der Universität Vechta breit machen und andere Meinungen ausgegrenzt werden.

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