Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

"Prominente Vertriebene im Landkreis Vechta nach 1945": Neues Buch stellt 15 Männer und Frauen vor

20.000 Menschen fanden ab 1945 Zuflucht im Landkreis Vechta. Lebenswege von Prominenten wie Walter Wunderlich, Emma Simon oder Magdalena Mende werden in dem neuen Buch beleuchtet.

Artikel teilen:
Buchpräsentation mit Landrat und Autoren: Vechtas Stellvertretender Landrat Josef Kläne (links) begrüßte Herausgeber Michael Hirschfeld (2. von links) mit einigen weiteren Autoren im Kreishaus. Zum Forscherteam zählten (von links) Laura Menke, Gina-Marie Kujawa, Sarah Bußmann und Wilke Wessling. Foto: Kathe

Buchpräsentation mit Landrat und Autoren: Vechtas Stellvertretender Landrat Josef Kläne (links) begrüßte Herausgeber Michael Hirschfeld (2. von links) mit einigen weiteren Autoren im Kreishaus. Zum Forscherteam zählten (von links) Laura Menke, Gina-Marie Kujawa, Sarah Bußmann und Wilke Wessling. Foto: Kathe

Mehr als 20.000 Menschen, die aus den früheren deutschen Ostgebieten geflüchtet waren oder vertrieben wurden, fanden ab 1945 Aufnahme im Landkreis Vechta. Manche von ihnen spielten in Politik, Kultur oder im kirchlichen Bereich ganz besondere Rollen. Sie stehen im Mittelpunkt eines neuen Buches, das jetzt in Vechta vorgestellt wurde. Der Titel: „Prominente Vertriebene im Landkreis Vechta nach 1945“.

Dr. Walter Wunderlich (1901 bis 1966) zum Beispiel ist einer der Porträtierten. Er stammte aus dem Kreis Elbing in Westpreußen, studierte Landwirtschaft, war als Landwirtschaftslehrer und anschließend als Landwirt auf dem eigenen Gut tätig, bevor er nach Krieg und Gefangenschaft 1945/46 mit der Familie in Vechta ansässig wurde. Wilke Wessling, Masterstudent an der Universität in Vechta, hat sich mit seiner Biografie beschäftigt.

Ersichtlich wird, dass Wunderlich schon kurz nach dem Krieg zu den führenden Verbandsvertretern der Vertriebenen zählte. Er engagierte sich nicht nur im landwirtschaftlichen Bereich, sondern auch im kulturellen Sektor und im Siedlungsbau in Vechta (Alexandersiedlung, Antoniusstraße). Der Agrarexperte übernahm dann ab 1952 im Auftrag der Bundesregierung Entwicklungsaufgaben in Äthiopien.

13 Männer und 2 Frauen werden vorgestellt

Wunderlich ist einer von 13 Männern und 2 Frauen, deren kurze Biografien sich im Sammelband "Prominente Vertriebene im Landkreis Vechta nach 1945“ wiederfinden. Das Buch ist als Band 3 in der Schriftenreihe des Instituts für Regionalgeschichte und Katholizismusforschung im Aschendorff-Verlag Münster erschienen und umfasst 152 Seiten (19,90 Euro).

Im Vechtaer Kreishaus konnte der Stellvertretende Landrat Josef Kläne zur Buchpräsentation neben einigen Autoren eine Reihe interessierter Gäste begrüßen. Er betonte, dass Flüchtlinge und Vertriebene damals in eine als ärmlich geltende Region zugezogen seien: "Sie haben dann den Landkreis Vechta mit aufgebaut und an seiner Erfolgsgeschichte mitgeschrieben.“ Die einzelnen Lebensgeschichten sind Resultat eines vom Vechtaer Professor Dr. Michael Hirschfeld schon 2019/20 initiierten studentischen Veröffentlichungsprojektes. Hirschfeld betonte bei der Buchpräsentation, das Projekt sollte ergründen, inwieweit Vertriebene nach 1945 ihren Platz auch in den regionalen Medien fanden. Daraus entwickelten sich die jetzt im Buch wiedergegeben Lebensgeschichten, die auch die Zeit vor 1945 umfassen – inklusive der in manchen Fällen vorhandenen Verstrickungen mit dem nationalsozialistischen Regime.

Einige der beteiligten Studentinnen wurden im Mai 2022 für ihre Beiträge mit dem niedersächsischen "Nachwuchspreis Vertriebene“ ausgezeichnet. Alle Biographien, die von 9 Studentinnen, 1 Studenten und von Michael Hirschfeld selbst ausgearbeitet wurden, finden sich nun im neuen Sammelband. Hier sind bekannte Namen vertreten wie der des Künstlers Joseph Andreas Pausewang aus Lohne, des Vechtaer Studienrates Guido Axmann oder des Historikers Wilhelm Hanisch. Interessant sind zudem die Lebenswege eher weniger bekannter Persönlichkeiten wie die von Dr. Magdalena Mende (Visbek), die als Theologin lange Jahre das Wirken des Caritas-Seelsorgers Prälat Ernst Lange begleitete, oder der Lehrerin und Vertriebenenvertreterin Emma Simon (Lohne).

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

"Prominente Vertriebene im Landkreis Vechta nach 1945": Neues Buch stellt 15 Männer und Frauen vor - OM online