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Poetry-Slam im Kulturbahnhof: "Ein Wimpernschlag" entscheidet das Finale

Das Publikum feiert die Künstler bei ihrem Dichter-Wettstreit. Die Slammerinnen und Slammer um Frieda Tirre aus Cloppenburg präsentieren viel Nachdenkliches mit einer großen Portion Humor.

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Ganz vorne mit dabei: Die gebürtige Cloppenburgerin Frieda Tirre überzeugte das Publikum im Kulturbahnhof. Foto: Heidkamp

Ganz vorne mit dabei: Die gebürtige Cloppenburgerin Frieda Tirre überzeugte das Publikum im Kulturbahnhof. Foto: Heidkamp

Die gebürtige Cloppenburgerin Frieda Tirre hat den 4. VHS-Poetry-Slam in ihrer Heimatstadt gewonnen. Im ausverkauften Cloppenburger Kulturbahnhof setzte sich die Slammerin im Finale gegen Antonia Josefa aus Hannover durch – wenn auch nur denkbar knapp. Beide Finalistinnen hatten sich bis dahin in den zwei Vorrunden ein literarisches Wortgefecht auf hohem Niveau und absoluter Augenhöhe geliefert. Bemerkenswert: Friedas Tirre präsentierte alle ihre Vorträge auswendig und verzichtete komplett auf Blattwerk.

Insgesamt vier norddeutsche Slammerinnen und Slammer (krankheitsbedingt fehlten Neele Müller aus Münster und Lippi Punktstrumpf aus dem Moor) boten auf der Bühne ein Feuerwerk an Wortakrobatik gepaart mit Witz, Ironie, Humor und vor allem viel Nachdenklichem. Grundverschieden waren die Herangehensweisen an das Motto der ersten Runde, die unter dem Thema „Zusammenhalt ist Vielfalt“ stand. Mal mit einem Augenzwinkern, mal gereimt und mal fast im Stakkato feuerten die Wortakrobatinnen und Akrobaten ihre Gedanken ins Publikum.

Temperamentvolle Slammerin sorgt für Begeisterung

Frieda Tirre ging in ihrem ersten Vortrag der Frage nach: „Wie entstehen Bäume?“ Vom Samen, der in die Erde gebracht wird, vom Wachstum, dem Wurzeln schlagen, um sie dann wieder aus dem Boden zu reißen. Anschließend wird der Wald dann solange gerodet, bis alles wieder genau so ist, wie es vorher war. Nur dass die Luft zum Atmen jetzt viel schlechter ist. „In dieser Welt voller Bäume aber können wir alle gemeinsam leben“, lautete ihr Fazit.

Überall da, wo sie mit ihren emotionalen Texten und den typischen, ausladenden Handbewegungen auf der Bühne steht, sorgt die temperamentvolle Slammerin Antonia Josefa für Begeisterung. Denn sie gilt nicht nur als virtuose Sprachkünstlerin, sondern hat auch tiefgründige Botschaften. Dieses unterstrich sie mit ihren Vortrag „Die Frucht des Wissens“, bei der Adam und Eva als Vorlage dienten und ihren Gedanken über eine Dorfmatratze, die selber Schuld hat an der sexuellen Begierde der Männer. „Geh nicht mit fremden Männern mit … die Welt ist gefährlich“, ein sehr nachdenklicher Text, mit dem sie den Nerv der Zeit traf.

Starker Auftritt: Slammerin Antonia Josefa aus Hannover traf den Nerv der Zeit und legte den Finger oft in offene Wunden. Foto: HeidkampStarker Auftritt: Slammerin Antonia Josefa aus Hannover traf den Nerv der Zeit und legte den Finger oft in offene Wunden. Foto: Heidkamp

Mit „Äpfel gegen Birnen“ präsentierte der Oldenburger Mirko Gilster einen äußert humorvollen Vortrag. Er ließ dabei eine Boskop-Armee aufmarschieren zur ewigen Schlacht gegen die Birnen, lud zum heiligen Fallobstkonzil unter einer alten Buche und verpasste einem Priester mit Gott-Komplex den Namen Williams Christ. Das Publikum musste mehrfach lauthals lachen und sparte während der Vorträge nicht mit Szenenapplaus.

Gewinnerin "einen Wimperschlag" vorne

Amüsant der Beitrag von Hauke Schrade aus Oldenburg, der mit „dem Tüpfelchen auf dem i“ dem Problem eines Arbeitssuchenden nachging. Zwei Runden im Sechs-Minuten-Wechsel hatten die Wortakrobatinnen und Akrobaten Zeit, das Publikum mit eigenen Texten und ihrer Performance zu verzaubern. Die Jury – bestehend aus Personen aus dem Publikum – bewertete die Vorträge aus zwei Runden auf der Skala von eins bis zehn verdientermaßen mit hohen Wertungen.

Moderatorin Annika Blanke (links) und VHS-Organisatorin Ina-Maria Meckies hatten es nicht leicht, die Siegerin zu ermitteln. Foto: HeidkampModeratorin Annika Blanke (links) und VHS-Organisatorin Ina-Maria Meckies hatten es nicht leicht, die Siegerin zu ermitteln. Foto: Heidkamp

Im Finale konnte dann das gesamte Publikum durch Klatschen, Johlen und Trampeln über Sieg und Niederlage entscheiden. Und es war wohl nur ein „Wimpernschlag“, den die Moderatorin Annika Blanke und Organisatorin Ina-Maria Meckies von der VHS ausmachten und die gebürtige Cloppenburgerin zur Siegerin kürten. Die obligatorische Siegprämie, den „Bunten Faden“, überreichte VHS-Direktorin Kathrin Würdemann. Am Ende gab es verdienten Beifall für alle Slammer.

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