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Plattdeutsch war eine Weltsprache, die heute um Akzeptanz kämpft

Es war die Verkehrssprache der Hanse und wurde später durch das Hochdeutsche verdrängt und zur Sprache der "kleinen Leute". In den 60er Jahren hieß es sogar: "Plattdüütsch maakt dumm."

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Heinrich Siefer ist gerade dabei, "Sherlock Holmes" von Arthur Conan Doyle einzusprechen.    Foto: Heinzel

Heinrich Siefer ist gerade dabei, "Sherlock Holmes" von Arthur Conan Doyle einzusprechen.    Foto: Heinzel

„Platt ist immer noch ein Magnet“, sagt Heinrich Siefer. Der 62-Jährige ist unter anderem der Sprecher des Bundesraates för Nedderdüütsch (BfN) und Dozent an der Katholischen Akademie Stapelfeld, wo er die Veranstaltung „Sömmertied – Otto Groote un plattdüütsche Texte“ im Rahmen des Cloppenburger Kultursommers mitgestaltet. Events wie dieses erfreuten sich immer einer großen Resonanz. „Die Menschen nehmen Plattdeutsch wieder bewusst wahr – auch als Kulturgut“, sagt Siefer und verweist dabei auch auf das Konzert der "Deichgranaten".

Er stellt klar: Plattdeutsch, auch Niederdeutsch genannt, sei eine Sprache und kein Dialekt – und stehe gleichwertig neben anderen Sprachen. Platt oder genauer gesagt Mittelniederdeutsch war die Sprache der Hanse und hatte damals Weltbedeutung. Zudem sei mit dem Sachsenspiegel das älteste und bedeutendste Rechtsbuch des Mittelalters in dieser Sprache verfasst. Trotz dieser Vergangenheit kämpft die Sprache heute um ihre Bedeutung.

Zum Hintergrund: Die Folge des Niedergangs der Hanse und des damit einhergehenden Bedeutungsverlusts ist, dass Niederdeutsch von einer Kultursprache mit Weltrang zum Kommunikationsmittel der „kleinen Leute“ wird. „Wenn eine Sprache nicht mehr Schriftsprache ist, verliert sie Standards.“ Das Ergebnis: die Ausbildung zahlreicher Dialekte. So sprechen die Menschen in Damme beispielsweise ein anderes Platt als in Vechta oder Cloppenburg, genauso wie sie hinter dem Barßeler Moor ein anderes Platt sprechen. Natürliche Hindernisse verhinderten damals den regelmäßigen persönlichen Austausch. Und dadurch, dass Hochdeutsch die neue Amtssprache war, wurden im Niederdeutschen keine Sprachstandards mehr gesetzt.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es durch Klaus Groth und Fritz Reuter Versuche, dem Bedeutungsverlust des Niederdeutschen entgegenzuwirken. „Es gelingt auf der literarischen Ebene“, sagt Heinrich Siefer. Dann kommt in den 1960er Jahren ein harter Schlag, als es heißt: „Plattdüütsch maakt dumm.“ Die Aussage zeigt Wirkung und führt zu einem Rückgang der aktiven Plattdeutschsprecher und der Verwendung der Sprache. Dabei sei die Beherrschung des Niederdeutschen ein enormer Vorteil beim Erlernen weiterer Sprachen, sagt Siefer. Platt sei verwandt mit dem Englischen, Holländischen oder skandinavischen Sprachen.

Es geht darum, die Sprache sichtbar zu machen – dafür sei plattdeutscher Unterricht unerlässlich.   Foto: HeinzelEs geht darum, die Sprache sichtbar zu machen – dafür sei plattdeutscher Unterricht unerlässlich.   Foto: Heinzel

Siefer: Plattdeutsch muss in Social Media sichtbar sein

Ein wichtiger Schritt für den Erhalt der Sprache war 1999, als Plattdeutsch in Deutschland eine durch die Europäische Charta für Regional- und Minderheitensprachen anerkannte Sprache wurde. Das heutige niederdeutsche Sprachgebiet erstreckt sich über die Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Nordrhein-Westfallen und Sachsen-Anhalt.

Um Niederdeutsch im Leben und Alltag der Menschen zu halten, wird viel getan. Einige Beispiele: In Bösel gibt es den Borsla-Preis oder den Plattdeutschbeauftragten in Gemeinden des Oldenburger Münsterlandes. Hinzu kommen Aktionen wie "PLATTart", "Plattsounds", "Platt is cool" oder "Platt in de Kark". Zudem gibt es mit dem Institut für Niederdeutsche Sprache eine Einrichtung, die sich um einheitliche Standards bemüht. Trotzdem werde, meint Heinrich Siefer, das Niederdeutsche zu einer Lernsprache werden. Das passive Sprachverständnis sei zwar sehr hoch, aber es gebe immer weniger Menschen, die Plattdeutsch aktiv sprächen. Niederdeutsch müsse im Kindergarten und in der Schule unterrichtet werden. Gerade im Kindergarten habe die Vermittlung der Sprache etwas Integratives, da alle Kinder gemeinsam eine neue Sprache lernten.

„Wir müssen alle Ebenen bedienen“, sagt Siefer. Platt müsse im Alltag einen Platz haben. Er meint dabei auch Facebook, Instagram, Twitter oder Tik-Tok. Siefer plädiert zudem für plattdeutsche Influencer: „Die Sprache muss auf allen Ebenen sichtbar gemacht werden.“

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