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Pinsel, Leinwand und etwas Talent - mehr braucht's mitunter nicht

Der Steinfelder Künstler Nikolaus von der Assen war mal wieder als "Vagabunt" unterwegs. Während seiner Radtour lebte er allein von seiner Kunst.

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Die "Alten Meister" als Vorbild: Für seine "Vagabunt"-Touren begibt sich der Steinfelder Nikolaus von der Assen auf die Spuren der Künstler früherer  Jahrhunderte. Foto: von der Assen 

Die "Alten Meister" als Vorbild: Für seine "Vagabunt"-Touren begibt sich der Steinfelder Nikolaus von der Assen auf die Spuren der Künstler früherer  Jahrhunderte. Foto: von der Assen 

Er hat es wieder getan: Zum insgesamt sechsten Mal war der Steinfelder Künstler Nikolaus von der Assen kürzlich zu einer "Vagabunt"-Tour aufgebrochen. Seine malerische Reise führte ihn - auch aufgrund der Corona-Pandemie - diesmal in heimische Gefilde: durch den Landkreis Vechta und ins Umland, unter anderem entlang des Skulpturenpfades am Dümmer.

Nur mit dem Fahrrad, seinen Malutensilien, einem Zelt und 20 Euro Startkapital in der Tasche machte sich von der Assen auf den Weg. Sein Ziel: Aquarelle malen und diese vor Ort verkaufen, um damit den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Die Idee zu dieser Aktion stammte nach seinen Angaben von den "Alten Meistern". "Für sie war es üblich, regelmäßig zu reisen und vor Ort zu malen - oft mit spärlicher Kasse, sodass manches Werk für Kost und Logis eingetauscht wurde. Mich reizt es einfach, das in der heutigen Zeit auszuprobieren", erläutert von der Assen.

Plein air – also unter freiem Himmel – malt Nikolaus von der Assen am liebsten. Seine Motive entdeckt er oft zufällig. Foto: von der Assen"Plein air" – also unter freiem Himmel – malt Nikolaus von der Assen am liebsten. Seine Motive entdeckt er oft zufällig. Foto: von der Assen

Seine malerischen Erlebnisreisen nennt er "Vagabunt". Diesen Namen kreierten seine Kinder aus den Begriffen "Vagabund" und "bunt". Die Touren sind laut dem 65-Jährigen, der auch das Kunsthaus Steinfeld betreibt, ein "Highlight im künstlerischen Alltag", auf das er sich stets sehr freue.

Von der Assen wählt seine Strecken im Vorfeld aus, lässt sich aber auch immer auf spontane Abstecher ein. Er berichtet, dass ihn einmal - während er ein Galloway-Rind auf einer Weide malte - eine Polizeistreife angesprochen habe. Nachdem er sich erklärt hatte, hätten die Beamten ihn gefragt, ob er nicht ihre Wache - ein historisches Gebäude, auf dessen Schornstein ein Storchenpaar brütete - ins Bild setzen könne. "Zwei Stunden später hielten sie das Aquarell in den Händen und ich hatte 38,50 Euro in der Tasche."

Die Preisgestaltung überlasst er nach eigenen Angaben den Kunden. "Minimum sind 20 Euro. Das reicht mir pro Tag, um nicht zu verhungern oder zu verdursten."

Nur von Porträts lässt der Steinfelder die Finger

"Plein air" - also unter freiem Himmel - malt von der Assen am liebsten. Seine Motive entdeckt er laut eigener Aussage oft zufällig, wenn er etwas Ungewöhnliches oder scheinbar Uninteressantes wie einen verrosteten Traktor oder einen kaputten Baststuhl am Wegesrand erblickt. "Dann male ich dieses Motiv quasi nur für mich, weil ich es malerisch herausfordernd finde." Oft fänden diese Werke später einen Käufer. In anderen Fällen suche er sich bewusst "gefällige und gängige Sujets", wie Blumen, Landschaften oder Architektur. Nur für Porträts ist von der Assen nicht zu haben. "Dieses Genre beherrsche ich nicht, auch wenn viele danach fragen", gibt er offen zu.

Von der Assen sagt, etwa 80 Prozent seiner Bilder bekomme er an den Mann oder die Frau. Die Touren lohnen sich aber auch sonst in jeglicher Hinsicht: "Man erfährt, wie wenig man eigentlich zum einfachen und glücklichen Leben braucht."

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