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„Oma hatte ihr Sterbekreuz im Handgepäck“

Heute: Robert Siedenbiedel aus Vechta. 30 Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum: Das ist der Stoff der Serie „Mut zum Kreuz“.

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Das Kreuz, das später ein Sterbekreuz wurde, kam als Geschenk oder zur treuen Verwahrung in die Familie und gewann für Dr. Robert Siedenbiedel (78) aus Vechta große Bedeutung. Bei seiner Mutter stand es auf der Fensterbank, erzählt er. Jetzt gehört es fest in seine Küche.

„Als Junge wurde ich 1947 aus meiner polnisch gewordenen Heimatstadt Tiegenhof/Danzig in die damalige Ostzone vertrieben. Über die grüne Grenze kam meine Familie in den Westen, zunächst in verschiedene Flüchtlingslager, dann fanden wirim Kreis Hannover eine neue Heimat. Nach dem Abitur auf einem Internat im Taunus kam ich auf Umwegen nach Vechta. Dort machte ich den Abschluss in Pädagogik und lernte meine Frau Renate kennen.

Wir haben zwei Kinder und eine Enkelin, sind gläubige Katholiken und engagieren uns für die Kinderkrebshilfe Vechta. Bis zur Pensionierung unterrichtete ich Deutsch, Geschichte und Katholische Religionslehre an der Vechtaer Ludgerus-Schule.

Wir erbten ein kleines silberfarbenes Standkreuz. Symbole auf der Rückseite zeigen die Werkzeuge, die die Soldaten bei der Kreuzigung verwendeten: Hammer, Nägel und Leiter. Man erkennt den Hahn, vor dessen Schrei Petrus Jesus verriet. Hinter Jesu Leib wurden dunkle Holzflächen eingearbeitet.

Material und Wert sind unwichtig für mich. Es zählt die Geschichte. Es war kurz nach der deutschen Kapitulation, im Mai 1945. Vor unserem Haus bei Danzig liefen zügeweise Menschen vorbei. Unter ihnen auch entwaffnete deutsche Soldaten auf dem Weg zum Bahnhof. Meine Oma Wilhelmine gab diesen Gefangenen etwas zu trinken. Mutig, ohne Angst vor den russischen Bewachern.

Einer der Kriegsgefangenen übergab ihr das Kreuz. Dieser habe es als Geschenk seiner Mutter im Krieg immer bei sich gehabt, es habe ihn stets beschützt, erzählte er der Oma. Sie sollte sich bitte des Kreuzes annehmen. Er werde nach Russland transportiert und fürchtete, dort sei das Kreuz nicht mehr sicher.

Sie stellte es zu Hause auf, nie abseits, immer mitten drin. Als wir vertrieben wurden, fand es Platz im knappen Gepäck. Oma bestand darauf, dass das Kreuz mitkäme. Im kalten Winter 1947 wurden wir in Viehwaggons abtransportiert. Auf Stroh am Boden verstarb meine Oma mit 78 Jahren. Beim nächsten Halt wurde sie einfach rausgeschleift. Wo sie begraben wurde, wissen wir nicht. Ihr Kreuz wurde zum Sterbekreuz, wir retteten es mit dem Handgepäck. Für uns ist es ein Ort für die Erinnerung an sie und ihre zutiefst christliche Lebenseinstellung."

Fakten

  • Am 3. August: Franz-Josef Beckermann aus Cappeln.
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-Galen Stiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Ab dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
  • Im November erscheint ein Buch zum Thema.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Gruppe in Oldenburg.

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