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Nimm dich nicht so wichtig

Meine Woche: Alles fließt, gerade auch die Überzeugungen der Menschen. Es hilft also, wenn wir unsere Meinungen nicht ganz so ernst nehmen.

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Was sind wir Menschen für Wesen? Bald hie, bald dort, nie zufrieden, immer auf der Suche. Das Pendeln ist wohl des Menschen Schicksal: Er ist nicht nur 'zoon politikon', wie Aristoteles meinte, sondern auch Einzelgänger; nicht nur Optimist, sondern auch Pessimist; nicht nur Veränderer, sondern auch Bewahrer. So ist es auch mit Sonne und Regen, Hitze und Kälte: Wir verfluchen heute, was wir morgen vermissen.

Das ist ja nicht zuletzt auch bei Traditionen der Fall. Stichwort: autogerechte Stadt. Die engen Innenstädte wirkten nach dem Krieg unattraktiv: verkehrlich nicht zu erschließen. Eine Brutstätte für Krankheiten. Bei Bränden ein leichtes Opfer der Flammen.

Breite Straßen und neue Häuser deuteten in die Zukunft, Wohnen, Arbeiten und Vergnügen wurden räumlich getrennt, überall sollte man möglichst schnell mit dem Auto bis vor die Tür fahren können. Heute hingegen ächzt ganz Deutschland unter den Verschandelungen der 1950er und 1960er Jahre, versucht, historische Bausubstanz zu erhalten und fragt sich, wie man wieder Räume mit Aufenthaltsqualität schaffen kann.

Oder: Beispiel Volksfeste. Ich gebe zu: Als Jugendlicher fand ich das Schützenwesen total befremdlich. Heute aber kann ich es als schöne lokale Tradition wertschätzen, die Zusammenhalt stiftet und jene Menschen an einen Tisch bringt, die sich niemals begegnen würden in der kalten Welt der beruflichen Selbstoptimierung, die den Großstädtern oft vorschwebt.

Pantha rhei schrieb dazu ein des Griechischen kundiger Kollege kürzlich, alles fließt. Auch unsere Gewissheiten. Wir sollten sie - und uns selbst - daher nicht so wichtig nehmen.

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