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Natur und Kultur erleben auf dem Silbernen Band

Der Naherholungsweg auf der alten Bahntrasse zwischen Holdorf und Damme ist ein touristisches Highlight. Ideengeber Bernard Schonhöft erklärt den Reiz.

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Verständlich erklärt: Die Infotafeln des Silbernen Bands geben Informationen über die Natur - wie hier bei der Heide in einem Waldstück zwischen Industriestraße und Langenberg. Foto: Böckmann

Verständlich erklärt: Die Infotafeln des Silbernen Bands geben Informationen über die Natur - wie hier bei der Heide in einem Waldstück zwischen Industriestraße und Langenberg. Foto: Böckmann

Es ist etwas frisch, aber trocken an diesem Wochentag Mitte Oktober. Es weht eine leichte Brise, Regen ist nicht in Sicht. Entsprechend ausgerüstet, ist es also durchaus gutes Wetter, um eine längere Fahrradtour zu planen. Zum Beispiel auf dem Silbernen Band, dem Erlebnisfahrradweg auf der alten Bahntrasse zwischen Holdorf und Damme. Vor etwas mehr als 5 Jahren, genauer gesagt, am 27. Mai 2015, wurde das Naherholungsprojekt des Zweckverbandes Dammer Berge offiziell eröffnet. Ein guter Grund also, mit dem Ideengeber Bernard Schonhöft die Strecke mit dem E-Bike zu erkunden, Natur und Kultur in einem zu erleben.

Schonhöft ist gut gelaunt, als er den Reporter beim Treffpunkt am Bahnhof in Holdorf erwartet. Der Langenberger hat in den vergangenen Jahren schon unzähligen Menschen die Geschichte des "Silbernen Bandes" erzählt. Seine Informationen über Tiere, Heide, Fließgewässer, Natur und Landschaft entlang der reizvollen Route an Jüngere und Ältere, Kinder und Senioren weitergegeben. Zu den Haltepunkten und Schautafeln kann Schonhöft minutenlang referieren. Aber das macht der 73-Jährige gerne. Und er ist, soviel darf man dieser Stelle schon verraten, verdammt Stolz darauf, wie das "Silberne Band" von Einheimischen und Touristen angenommen wird. Schonhöft nennt es einen "Hotspot sondergleichen".

Der Startpunkt an der Infotafel am alten Bahnhofsgebäude in Holdorf ist für den Naturschützer irgendwie auch immer eine Reise in die Vergangenheit. Denn Schonhöft war Eisenbahner. Den denkmalgeschützten Bahnhof zu erhalten - das war ihm als Mitglied im zuständigen Arbeitskreis eine Herzensangelegenheit. Auf der Infotafel wird die Geschichte des Gebäudes dokumentiert. Diese Schautafel wird die erste von rund einem Dutzend sein, die auf der Strecke bis zur Station "Bruchwald" in der Nähe der Dersaburg verteilt sind. Die Tafeln - unter anderem vom Landschaftsarchitekten Michael Krüger (Osnabrück) in leicht verständlicher Sprache formuliert - geben viele nützliche Informationen über Natur und Kultur entlang des "Silbernen Bands".

Ein möglicher Startpunkt: Auf einer Schautafel wird die Geschichte des Bahnhof in Holdorf erklärt. Foto: BöckmannEin möglicher Startpunkt: Auf einer Schautafel wird die Geschichte des Bahnhof in Holdorf erklärt. Foto: Böckmann

Aber wie kam Schonhöft überhaupt auf den klangvollen Namen, der auf den kleinen Hinweisschildern und großen Tafeln steht? Das silberne Glitzern des Handorfer Mühlenbaches, an dem die Strecke zu großen Teilen entlang läuft, aber auch das Glänzen der Gleise, die früher entlang des heute befestigten Weges verliefen, hätten ihn zu der Namensgebung inspiriert, sagt Schonhöft. Und das Band sehe er als Verbindung der beiden Orte Holdorf und Damme und der Naturräume im Südkreis, die vor politischen Grenzen keinen Halt machen, erklärt der Rentner auf dem Weg zur nächsten Station der rund 7 Kilometer langen Strecke.

Dort liegt der 23 Hektar große Kalksandsteinsee. Das Naturfenster ermöglicht einen tollen Blick, die Baumelbank wird von allen Altersgruppen zur Erholung genutzt. Schonhöft, früher Jugendwart des Angelsportvereins, sagt: "Hier kann man die Natur wunderbar genießen."

Das passt auch für die nächste Station. In einem Waldstück zwischen dem Kreisel an der Industriestraße und Langenberg hat sich auf der von der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Baptist bereitgestellten Fläche eine wunderbare Heidelandschaft entwickelt. Einige Male schon hat Schonhöft in Zusammenarbeit mit engagierten Lehrern der Georg-Kerschensteiner-Schule wie Claudia Totzke und Michael Averbeck und deren Schülern die Fläche entkusselt. Sie bietet Lebensraum für 2500 Arten wie Eidechsen, Grasfrösche, Schmetterlinge oder aber auch Wildblumen. Für Schonhöft ist die Besenheide ein "sehenswertes Biotop", hier könne sich die Natur prächtig entwickeln, findet der ehemalige UWG-Ratsherr. Auch viele Langenberger nutzten den Naherholungsort zum Wandern.

Viel Zeit zum Erholen bleibt Schonhöft und dem Reporter allerdings nicht. Denn nach wenigen Hundert Metern Strecke, warten am Langenberger Ortseingang innerhalb von wenigen Metern entfernt gleiche mehrere Stationen mit Natur- und Kulturaspekten. Direkt neben dem alten Handorfer Bahnhofsgebäude bieten Trockenmauer, Tümpel und Blumenwiese Lebensraum für eine Reihe von Tieren wie vor allem Blindschleichen, Erdkröten und Bienen.

Ein paar Schritte weiter lockt dann der Dorfplatz vor allem Seniorengruppen zum Rasten ein. Es sei ein Glücksgriff gewesen, den Ortseingang aufzuwerten, sagt "Benno" Schonhöft, der natürlich auch selbst bei den Arbeiten in verschiedensten Funktionen - vor allem mit Jugendlichen - beteiligt war. Hier finden sich ein Insektenhotel, eine Infotafel über den hier zahlreich vorkommenden Hirschkäfer plus ein Totholz-Meiler für die Tiere, Obstbäume, 2 Rätseltafeln und das alte Schrankenhäuschen mit Informationen über den Bahnhof Handorf.

"Natur und Kultur passen sich an dieser Stelle perfekt in das Silberne Band ein", sagt Schonhöft. Und während er sich wieder auf den Sattel setzt, blickt der 73-Jährige noch auf den Vorplatz der Barbaraschule. Eine Rasenfläche, auf der nichts blüht und wächst, bringe auch nicht viel, findet er. "Den Platz könnte man naturfreundlicher gestalten", sagt Schonhöft. Ihm schwebe dort eine Blühwiese oder Ähnliches vor.

Auf dem Weg Richtung Damme wird es nicht nur etwas hügeliger. Es kommen auch immer mehr Gruppen entgegen. "Seit dem E-Bike-Boom ist die Strecke noch stärker frequentiert", sagt Schonhöft. Er findet das gut. Denn das heißt auch, dass noch mehr Menschen an den Stationen halten, um sich über Natur und Kultur informieren.

Wie zum Beispiel beim nächsten Halt: einer Feuchtwiese, die etwa für den Salamander hervorragend geeignet ist. "Sehr dankbar" ist Schonhöft, dass der Eigentümer diese Fläche an den Landkreis Vechta verkauft hat und die Behörde, mit der der Langenberger nicht immer einer Meinung ist, den Tümpel hergerichtet hat. Die Ecke sei "wunderschön, auch für's Auge", mit "hochwertigen Strukturen". Ein Grund, warum Schonhöft mit seinem befreundeten Naturschützer Werner Schiller aus Damme auch ein ums andere mal Holdorfer Oberschüler mit auf Exkursion genommen hat.

Von vielen Orten erreichbar: Das Silberne Band. Foto: BöckmannVon vielen Orten erreichbar: Das Silberne Band. Foto: Böckmann

Zum Ende der fast vierstündigen Tour fahren wir auf dem Naherholungsweg zur letzten Station: "Bruchwald". Auf der Aussichtsplattform gibt es Informationen über die Merkmale der Talniederungen, die hier am Oberlauf des Handorfer Mühlenbaches das Landschaftsbild prägen. Lächelnd blickt Schonhöft auf Flora und Fauna und schwärmt. "Hier ist ein hochwertiges Biotop, ein Eldorado für Amphibien." Es wurde zwar künstlich aufgestellt und der Natur überlassen. Aber wenn sich die Natur ihren Weg bahnen darf, dann sei dies auf Dauer immer fruchtbar. Wie die Beispiele am "Silbernen Band". Die Strecke sei ein touristisches Highlight, sagt Bernard Schonhöft und macht sich zufrieden auf den Heimweg gen Langenberg. 


Info: www.dammer-berge.dewww.hirschkaeferparadies-dammer-berge.de/

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