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„Nach dem Diebstahl blieben wir gelassen“

Heute: Schwester Ulrike Soegtrop, Dinklage. Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum: Das ist der Stoff der neuen Serie „Mut zum Kreuz“.

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Schwester Ulrike Soegtrop, geboren 1961, lebt seit 22 Jahren auf Burg Dinklage. Die Theologin und Sozialwirtin ist für die Verwaltung des Klosters zuständig. Das Dinklager Hauskreuz hat sie ausgewählt, weil es seit 130 Jahren zur Burg gehört und im Arbeitszimmer der Äbtissin die klösterlichen Belange inspiriert.

„Das Kreuz war schon einmal Diebesgut. Wir hatten es 2009 für eine Ausstellung in Essen-Werden ausgeliehen, dort wurde es gestohlen. Wie enttäuscht waren die Diebe wohl, als sie feststellten, dass es sich nicht um Silber, sondern nur um Messing handelt! Sie brachen eine Emaille-Platte sowie Korallen und Perlen heraus und vergruben es.

Diese Episode sagt schon viel über dieses Kreuz aus: Es geht um seinen ideellen und spirituellen Wert, nicht um den materiellen. In Auftrag gegeben wurde es 1886 vom Verein katholischer Edelleute, die es ihrem Vorsitzenden Ferdinand Graf von Galen und seiner Gattin Elisabeth geb. von Spee, den Eltern des späteren Kardinals Clemens-August Graf von Galen, zur Silberhochzeit schenkten.

Der Korpus aus Elfenbein zeigt Christus als Auferstandenen und Erlöser in herrschaftlicher Haltung. Das Kreuz ist in Grün, Blau, Rot, Weiß und Gold gefasst; Farben des Lebens, der Liebe, der Reinheit, der königlichen und göttlichen Würde. Beim Anschauen kommt mir der ,Baum des Lebens' in den Sinn, der im ,Paradies Gottes steht', wie es die Offenbarung des Johannes beschreibt.

,Dinklager Hauskreuz' heißt es schlicht und einfach und damit ist klar, wo es hingehört: zur Burg Dinklage. Das scheint auch Weihbischof Max Georg von Twickel gedacht zu haben. Er bekam das Kreuz zu seiner Bischofsweihe am 24. Februar 1973 geschenkt; von Antonia Gräfin von Galen, einer Schwiegertochter von Graf Ferdinand und Gräfin Elisabeth. Doch schon kurze Zeit später brachte er es zur Burg Dinklage zurück – und vermachte es der Abtei St. Scholastika auch testamentarisch. Es ist materialisiertes Leitbild der Bewohnerinnen und Bewohner von Burg Dinklage – der Familie von Galen wie auch unserer Gemeinschaft. Das macht es so einzigartig und wertvoll.

Drei Jahre blieb das Kreuz verschollen; wir sind relativ gelassen geblieben. Unausgesprochen war einfach klar, dass es zurückkommen würde, oder anders: es war unvorstellbar, dass es nicht zurückkommen sollte. 2012 wurden die Diebe gefasst. Das Kreuz war stark beschädigt, aber nach sorgfältiger Instandsetzung ist es mindestens so paradiesisch schön wie zuvor.“

Fakten

  • Am 4. Juli: Clemens Evers aus Langförden.
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-Galen Stiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Ab dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
  • Im November erscheint ein Buch zum Thema.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Stiftung in Oldenburg.

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