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Musikalische Spielfreude auf höchstem Niveau

Das 32. Musikfest Bremen machte am Montagabend mit dem italienischen Barock-Ensemble Europa Galante in Friesoythe Station. Ein besserer Neustart des Kulturlebens ist kaum vorstellbar.

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Kultur auf höchstem Niveau: Das italienische Barock-Ensemble Europa Galante gastierte am Montagabend in der Friesoyther St.-Marien-Kirche. Foto: Stix

Kultur auf höchstem Niveau: Das italienische Barock-Ensemble Europa Galante gastierte am Montagabend in der Friesoyther St.-Marien-Kirche. Foto: Stix

Perfektion kann kalt und steril wirken. Sie kann aber auch, wie am Montagabend in der Friesoyther St.-Marien-Kirche, lebendig, fröhlich und beschwingt auftreten. Mit ihrer Darbietung der "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi machten das italienische Instrumental-Ensemble Europa Galante sowie Fabio Biondi als Soloviolinist und Leiter eindrücklich klar, was in den vergangenen 18 Corona-Monaten so schmerzlich gefehlt hat: öffentliche Kulturereignisse auf hohem und höchstem Niveau.

Ein besserer Neustart in das Kulturleben als Vivaldis 1725 veröffentlichter Zyklus aus 4 jeweils 3-sätzigen Violinkonzerten ist dabei nur schwer denkbar. Kaum ein Werk ist so farbenfroh, verströmt so viel Heiterkeit und Ruhe, so viel bildhaftes Idyll, so viel Naturempfinden, Leben und Lebensfreude. Selbst wer all die Bilder, die Vivaldi beim Komponieren womöglich im Kopf hatte, nicht (er-)kennt, erahnt doch die Leichtigkeit der ersten wärmenden Sonnenstrahlen im  Frühling, die Wucht des Sommergewitters, den Tanz nach der eingebrachten Ernte oder den wärmenden Ofen im Winter. 

Den 15 Musikerinnen und Musikern gelang es auf mitreißende und zutiefst sympathische Weise, diese und viele andere Bilder im Kopf entstehen zu lassen und gleichzeitig ihre eigene Begeisterung für die Musik auf das Publikum zu übertragen. Gab es im vorangestellten Concerto Grosso in d-Moll von Francesco Geminiani noch 2 oder 3 kleine Unsicherheiten, über die das Ensemble gekonnt hinwegging, war bei den Jahreszeiten trotz aller Routine - Biondi spielte die Solovioline von der ersten bis zur letzten Note auswendig - die Spielfreude mit Händen zu greifen. Gepaart mit einer beeindruckenden Dynamik, sicheren Tempi und einem nahezu blinden Verständnis der Musiker, die von Biondi lediglich mit seltenen, sparsamen Gesten geführt wurden, entstand so ein musikalisches Gesamtkunstwerk, das die Zuhörer vollkommen zu Recht mit tosendem Beifall honorierten.

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