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„Mit Gott bin ich nie allein“

Heute: Irmgard Prell aus Dinklage. Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum: Das ist der Stoff der Serie „Mut zum Kreuz“.

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Irmgard Prell ist Jahrgang 1967. Sie lebt in Dinklage und arbeitet in Steinfeld beim Bauunternehmen Nordic-Haus. „Irmi“ Prell hat eine besondere Beziehung zu drei Kreuzen, die ihr Leben begleiten. Jedes erzählt eine Geschichte.

„Meine Geschwister sind einige Jahre älter als ich. So habe ich morgens viel Zeit alleine verbracht, wenn sie in der Schule waren. Ich liebte es, vor dem Aufstehen in das Bett meiner Eltern zu kriechen und mich unter die Bettdecke zu kuscheln. Auf der Kommode stand ein Holzkreuz, das meine Eltern zu ihrer Hochzeit bekommen hatten.

Als Kind fragte ich mich, warum der Mann am Kreuz in einer so unbequemen Stellung verharrte und warum er überhaupt vor einem Kreuz stand. Zu einer Lösung kam ich nicht. Also fragte ich meine Mutter.

Ich konnte kaum glauben, dass es wirklich Menschen gewesen sein sollen, die dafür gesorgt hatten, dass Jesus am Kreuz starb. Er hatte nichts Schlimmes getan. Ich verbrachte viel Zeit damit, das Kreuz zu betrachten. Ich wünschte mir, dass alle guten Menschen zusammenleben und die Bösen unter sich bleiben.

1974 erhielt ich zu meiner Kommunion mein eigenes Kreuz. Erst hing es an der Wand, später lag es griffbereit in meinem Nachtschrank. Mir war klar geworden, mit Gott bin ich nie alleine und ohne ihn bin ich nichts.

Das Kreuz nahm mir oft die Angst. Wenn ich mal unglücklich oder unzufrieden war und dachte, keinem könne es schlimmer gehen als mir, betrachtete ich den gekreuzigten Jesus und erkannte, es gibt viel Schlimmeres. Und so ging es wieder weiter. Schritt für Schritt.

Später bin ich oft umgezogen. Mein Kreuz war immer dabei. Als junge Erwachsene entschied ich mich für eine Ehe, die aber aus kulturellen und religiösen Gründen in die Brüche ging. Mein Kreuz half mir in dieser Phase sehr. Leider mussten meine Tochter und ich die ersten Jahre danach in Angst verbringen. Ich hatte das Bedürfnis, mein Kreuz bei mir zu tragen, es war aber zu groß. So nahm ich den Rosenkranz, den meine Oma mir vor Jahrzehnten geschenkt hatte, betrachtete das Kruzifix und spürte, das tut mir gut.

Als die Angst größer wurde, nahm ich den Rosenkranz in die Hand und ich schaffte es, trotz allem gut zu schlafen. Ich hatte die Kraft, weiterzumachen. Erst, nachdem sich die familiäre Situation wieder entspannte, reichte es mir, meine drei Kreuze sicher verwahrt zuhause zu wissen. Außerdem gibt es in unserer Gegend so viele Kreuze, die Kraft und Trost spenden und ich freue mich über jedes einzelne."

Fakten

  • Am 24. August: Thomas Niehues aus Vechta.
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-Galen Stiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Ab dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
  • Im November erscheint ein Buch zum Thema.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Gruppe in Oldenburg.

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