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Mit einer Kaffeekanne ins Fernsehen

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben - Drei Millionen Menschen schauen täglich „Bares für Rares“. Ich bin mir sicher, Omas Blicke wandern während der Show permanent über ihre Schränke und Vitrinen.

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Es gibt Zeiten am Tag, da bin ich vollkommen überfragt, was im Fernsehen läuft. Ich meine, so mitten am Nachmittag um 15 Uhr. Immer wenn Oma ihren Mittagsschlaf beendet hat, den Kaffee aufsetzt, Opa sich noch einmal unter der Zeitung räkelt, ich kurz reinschneie und ein kleiner Mann mit Glatze und großem Schnauzbart im TV auftritt. Unglaubliche drei Millionen Menschen machen es sich dann täglich vor dem ZDF bequem und schauen „Bares für Rares“. Längst glaube ich nicht mehr, dass es an diesem kahlköpfigen Schnauzbärtigen liegt, dass Oma die Sendung so spannend findet, da könnte Opa mit seinen Dreitagestoppeln noch mithalten.

Nein, Oma ist wirklich begeistert, wie Menschen ihren Schrott und Plunder vom Dachboden ins Fernsehen tragen und versilbern wollen. „Das sind ganz normale Menschen wie du und ich mit ihren Geschichten“, klärt meine Mutter mich auf. Die Sendung hat bereits den Deutschen Fernsehpreis gewonnen und es ins Samstagabendprogramm geschafft. Dabei geht es gar nicht um viele Millionen. Hier ein altes Döschen für 500 Euro von Tante Frieda, da eine Karaffe aus Verwandtschaft von Verwandtschaft von Kaiser Wilhelm für 800 Euro, alles „Staoh in Wegg“, schimpft Opa und verweigert die Sendung strikt. Nur sein Pillendöschen mit dem Antlitz des Heiligen Antonius hütet mein Vater sorgsam. Der Schutzpatron passt auf, dass die Pillen nicht wieder in irgendeiner Sofaritze verschwinden.

Ich bin mir ziemlich sicher, Omas Blicke wandern während der Sendung permanent über ihre Schränke und Vitrinen. „Wäre die silberne Kanne auch etwas fürs Fernsehen?“Diese Frage spukt bestimmt in ihrem Kopf herum. Und ob die Geschichte zum Silberschatz reicht? Denn eigentlich hat sie das meiste Zeug ja vorher immer selber ausgesucht und Opa brauchte es dann als Weihnachtsgeschenk nur irgendwo fertig verpackt abzuholen. Dabei hat Oma doch ganz andere Schätze mit richtig viel Geschichte.

„So wird es wohl nichts aus Omas TV-Karriere und ich muss in die Bresche springen.“
Antonius Schröer

Bei neun Geschwistern wanderten damals mehrere in die Mission nach Afrika und ich erinnere mich noch gut, wie vor über 50 Jahren zu allen Familienfesten spannende Pakete aus Übersee eintrudelten. Afrikanische Masken zur Erstkommunion, Trommeln und Pfeile zu Weihnachten, und alles handgeschnitzt von den Tanten und Onkeln aus Afrika zu uns geschickt. Und da die Geschenke uns ja noch vor dem Washingtoner Artenschutzabkommen erreichten, hütet Oma auch jetzt noch so manches exotische Fell und Gebiss von gefährlichen Tieren auf dem Dachboden.

Rares ganz bestimmt, aber Bares im TV dafür? Der schnauzbärtige Herr Lichter und das ZDF würden wohl vorm Leopardenfell und gefährlichen Krokodil erschrecken.

So wird es wohl nichts aus Omas TV-Karriere und ich muss in die Bresche springen. Habe nämlich etwas absolut Rares, einen von den seltenen 50 Stoppelmarktansteckern 2020, auf denen Jan und Libett einen Mundschutz tragen. Natürlich ist er absolut unverkäuflich!

Außer das ZDF ruft irgendwann an, dann komme ich vielleicht mit dem Stoppelmarktspin zu Bares für Rares, aber nur am Samstagabend und ganz sicher nur zusammen mit Jan und Libett, Schinkenbroten, Stoppelhopser und Haake Beck. Ja, und Oma darf auch mit.


Zur Person:

  • Antonius Schröer führt mehrere Modehäuser. Der 59-Jährige verkörpert das Vechtaer Original „Straßenfeger Martin“ im Karneval. 

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