Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Mit 007 in der Stadtbücherei

Kolumne: Auf ein Wort - Die Kino-Legende Sean Connery ist verstorben. Doch er war nicht nur ein großer Schauspieler, sondern auch ein begeisterter Leser.

Artikel teilen:

Sean Connery, der vor wenigen Tagen verstorben ist, war der wohl berühmteste Bond-Darsteller aller Zeiten. Aber seine Karriere lässt sich nicht auf diese Rolle reduzieren; sein Leben noch weniger. Für die Umberto-Eco-Verfilmung „Der Name der Rose“ ging er sogar ins Kloster. Connery spielt den Franziskanergelehrten William von Baskerville, der die dunklen Geheimnisse einer mittelalterlichen Abtei aufhellt – dank seiner Belesenheit und seines scharfen Intellektes. Das Lesen ist das heimliche Hauptthema dieses Klosterkrimis.

Das Lesen war wohl auch Connerys heimliches Lebensthema: Bei einer Festgala wurde er für sein Lebenswerk ausgezeichnet. In seiner Dankesrede hat er an seine Kindheit erinnert. Als Sohn einer schottischen Putzfrau und eines irischen Fernfahrers ist er in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Aber seinen eigentlichen Durchbruch hat er nicht als Schauspieler erlebt, sondern als Fünfjähriger: In diesem Alter fing er an zu lesen. Mit 13 Jahren musste er die Schule verlassen – aber er hat das Lesen nie gelassen. Noch als junger Mann war er Stammkunde in der Stadtbücherei. Er hat Dramen und Romane verschlungen und sich als Autodidakt in die Welt der klassischen englischen und schottischen Literatur eingelesen.

Die Liebe zum Lesen und zur Literatur hat auch in seinen Filmen eine große Rolle gespielt: In der Rolle des William Forrester hat Connery einen weltberühmten Literaten verkörpert, der sich ganz aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hat. Erst ein junger Afroamerikaner kann ihn aus der Reserve locken. Der 16-jährige Schüler ist ein Schreibtalent, muss diese Gabe aber selbst entdecken und gegenüber den rassistischen Vorurteilen seiner Umgebung behaupten.

„Sean Connery war nicht nur Lesemeister, sondern auf seine Weise ein Lebemeister.“Dr. Marc Röbel

Belesenheit ist auch eine Haupteigenschaft einer anderen Connery-Figur: In dem Film „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ spielte er den Vater des Helden, einen berühmten Archäologen. Die beiden sind auf der Suche nach dem legendären heiligen Gral. Als sie diesen gefunden haben, hängt Indiana Jones über dem Abgrund. Mit einer Hand tastet er nach dem wertvollen Gefäß, mit der anderen klammert er sich an seinen Vater. Der gibt ihm einen weisen Rat: „Indiana, lass los!“

Sean Connery war nicht nur Lesemeister, sondern auf seine Weise ein Lebemeister. Er hat es verstanden, rechtzeitig loszulassen. Er konnte in Gelassenheit die 007-Filme hinter sich lassen. So wurde er frei für weitere und vielleicht noch größere Rollen.

Es lohnt sich, ein wenig zwischen den Zeilen dieser Geschichte zu lesen. Das könnte dazu inspirieren, sich auch in die eigene Lebensgeschichte dankbar zu vertiefen wie in ein gutes Buch. In der Bibel finden sich dazu weitere Lesezeichen: „Deine Augen sahen, wie ich entstand, in deinem Buch war schon alles verzeichnet.“


Zur Person:

  • Pfarrer Dr. Marc Röbel ist Geistlicher Direktor der Katholischen Akademie in Stapelfeld.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Mit 007 in der Stadtbücherei - OM online