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Metropol-Theater: Romantik, Tragik und Rachedurst in "Mord im Orientexpress"

Das Ensemble begeisterte das Vechtaer Publikum. Detektiv Hercule Poirot und die Besucher wurden bei der Lösung des Falles mit einem Dilemma und der Frage konfrontiert: Was bedeutet Gerechtigkeit?

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Hercule Poirot (rechts, Andreas Möckel) soll den Mord an Samuel Ratchett (Mitte, Simon Ahlborn) aufklären. Hier berät er sich mit der Ärztin Gräfin Eléna Andrenyi (Nina-Mercedés Rühl).   Foto: Heinzel

Hercule Poirot (rechts, Andreas Möckel) soll den Mord an Samuel Ratchett (Mitte, Simon Ahlborn) aufklären. Hier berät er sich mit der Ärztin Gräfin Eléna Andrenyi (Nina-Mercedés Rühl).   Foto: Heinzel

Mit acht Messerstichen wird Samuel Ratchett, gespielt von Simon Ahlborn, in seinem Schlafwagenabteil ermordet. Diese Tat ist mit Ereignissen um die Entführung von Daisy Armstrong 4 Jahre zuvor verbunden. Das Kind starb sowie als indirekte Folge davon einige Verwandte. Wie das Ganze zusammenhängt, muss der mit den Ermittlungen beauftragte belgische Star-Detektiv Hercule Poirot herausfinden. Andreas Möckel spielte die Rolle – die bereits Sir Peter Ustinov und Kenneth Brannagh verkörperten – mit Esprit, souverän, humorvoll und entspannt.

Hercule Poirot sagte bereits zu Beginn der Inszenierung von Robert Teufel, worauf sich die Besucher einlassen würden: „Es ist der großartigste Fall in meiner Karriere. Der schwierigste auf jeden Fall.“ Ein Grund dafür ist, dass das Wertesystem des Ermittlers am Ende des Stückes auf den Prüfstand gestellt wird. Die Aufführung der Landesbühne Niedersachsen Nord im Vechtaer Metropol-Theater war durchaus mitreißend.

Grundlage des Stücks war der gleichnamige Kriminalroman „Mord im Orientexpress“ von Agatha Christie (1890 bis 1976). Dank der Schauspieler und des Bühnen- und Kostümbildes von Friederike Meisel funktionierte die Immersion. Ein weiterer Grund dafür waren die perfekt abgestimmte musikalische Untermalung und Beleuchtung, die die Dramaturgie unterstützten und vorantrieben. Ein Beispiel: die eingebauten Flashbacks, die durch kühles, blaues Licht verdeutlicht wurden.

Puzzleteile ergeben stimmiges Gesamtbild

Das Ganze wäre aber nicht so stimmig gewesen, wenn nicht das spielfreudige Ensemble seine Rollen perfekt aufeinander abgestimmt hätte. Es war eine rundum gelungene Leistung, die die Besucher fesselte und dem sich unaufhaltsam nähernden Höhepunkt entgegenfiebern ließ. Ein Puzzleteil fügte sich an das nächste, sodass ein perfektes Gesamtbild entstand.

Ein Krimi mit gesellschaftspolitischer Fragestellung: Hercule Poirot (Mitte, stehend, Andreas Möckel) löst den Fall und stellt die Frage: Was bedeutet Gerechtigkeit?   Foto: HeinzelEin Krimi mit gesellschaftspolitischer Fragestellung: Hercule Poirot (Mitte, stehend, Andreas Möckel) löst den Fall und stellt die Frage: Was bedeutet Gerechtigkeit?   Foto: Heinzel

An ihrer markanten Stimme war Ramona Marx direkt zu erkennen. Ihre Helen Hubbard interpretierte sie pink, schrill, forsch und ein wenig prollig – aber ihre Intensität spürte man bis in die letzte Reihe. Nicht jede Rolle war so dominant angelegt, wurde aber nicht weniger beeindruckend gespielt. Jeffrey von Laun (Constantine Bouc), Mona Georgia Müller (Mary Debenham), Hannah Sieh (Prinzessin Natalya Dragomiroff), Jessica Trocha (Greta Ohlsson), Jan-Eric Meier (Hector MacQueen) und Robert Zimmermann (Oberkellner/Schaffner Michel) und Nina-Mercedés Rühl (Gräfin Eléna Andrenyi) spielten ihre Rollen nuanciert und auf den Punkt. Simon Ahlborn zeigte seine große Wandelbarkeit in der Doppelrolle als Samuel Ratchett und Oberst James Arbuthnot.  

Sie alle hatten eine Verbindung zum Fall von Daisy Armstrong, deren Mörder Samuel Ratchett war und es wurde langsam deutlich, dass es entweder einen erfolgreich untergetauchten oder aber acht Täter, die die Tragödie um Daisy Armstrong via Selbstjustiz gerächt haben, da Justiz und Gesellschaft dazu nicht in der Lage waren, würde geben müssen. Die Entscheidung in diesem Dilemma fiel auf Variante 1. Doch Hercule Poirot fragte sich: War das Gerechtigkeit? Immerhin sei der Mord an Samuel Ratchett „kein Verbrechen im Affekt, sondern von langer Hand geplant gewesen“.

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