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„Mein Kreuz reizte die Partei“

Heute: Ingrid Maaß aus Neuenkirchen. Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum: Das ist der Stoff der Serie „Mut zum Kreuz“.

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Ingrid Maaß wurde 1935 in Magdeburg geboren. Zwei Mal flüchtete sie aus der DDR: 1950 und, nachdem sie zurückgekehrt war, noch einmal 1960. In der DDR absolvierte sie nach der Schulzeit eine Ausbildung zur Altenpflegerin und OP-Schwester. 1961 heiratete sie Gottfried Maaß, der 1972 bis 1996 evangelischer Pastor in Neuenkirchen war. Seit 2006 ist Ingrid Maaß verwitwet. Heute kümmert sie sich um Flüchtlinge.

„1950 besuchte ich in Magdeburg das Berthold-Otto-Gymnasium. Gleichzeitig war ich in der Evangelischen Jugend aktiv und trug das verbotene Bekenntniszeichen am Jackenaufschlag. Dieses Zeichen besteht aus einem Kreuz auf der Weltkugel.

Die SED wollte den christlichen Glauben in der DDR ausrotten. Als bekennende Christin wurde ich laufend von Funktionären bedrängt, ich solle von meinem Glauben lassen und der Freien Deutschen Jugend beitreten. Auch meine Eltern wurden aufgesucht und wie ich mehrfach verhört.

Ich weigerte mich trotzdem standhaft, der FDJ beizutreten. Statt dessen trug ich das Bekenntniszeichen weiter. So wurde die Situation immer bedrohlicher. Die Verhöre wurden strenger. Für meine schriftlichen Arbeiten in der Schule bekam ich keine Noten, weil ich nur mit Politiker-Zitaten gearbeitet hatte und deshalb, so der Vorwurf, meine eigene Meinung nicht erkennbar war.

Schließlich riet mir eine Studienrätin, so bald wie möglich unterzutauchen. Dann fragte sie mich, ob ich Verwandte im Westen, in der Bundesrepublik, habe. Ich folgte ihrem Rat. Zunächst versteckte ich mich im Packraum der Evangelischen Buchhandlung in Magdeburg. Dann überschritt ich die innerdeutsche Grenze, die seinerzeit noch offen war. Die Mauer wurde erst 1961 errichtet. Späterfand ich Unterschlupf in Westberlin im Diakonissenhaus Bethanien. Unsere Gemeinde-Diakonisse hatte mich dorthin vermittelt.

Für mich als Christin ist das Kreuz Zeit meines Lebens von großer Bedeutung geblieben. Ich freue mich, dass ich mich heute in Deutschland offen dazu bekennen kann. Jesus ist für die Sünden der Welt am Kreuz gestorben, um uns Menschen mit Gott zu versöhnen. Im Kreuz sehe ich die Aufforderung, leidenden Menschen nach Kräften zu helfen. Sei es durch Spenden, sei es dadurch, dass wir Flüchtlingen helfen, bei uns heimisch zu werden und unsere Sprache zu erlernen. Ich kann mich in die Lage der Flüchtlinge gut hinein versetzen. Denn auch ich wurde 1950 zum Flüchtling – wegen meines Glaubens.“

Fakten

  • Am 29. August: Thomas Bahlmann aus Emstek.
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-Galen Stiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Ab dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
  • Im November erscheint ein Buch zum Thema.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Gruppe in Oldenburg.

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