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„Mein Kreuz gestalte ich als Suchender“

Heute: Ulrich Fox aus Lohne. Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum: Das ist der Stoff der Serie „Mut zum Kreuz“.

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Damit hatte Künstler Ulrich Fox aus Lohne nicht gerechnet – ein von ihm geschaffenes Kruzifix provoziert und polarisiert so sehr, dass der Corpus gleich zweimal abgehängt wurde. Einmal ermittelte sogar die Kripo, bis der Haupttäter sich stellte. Die Reaktionen, die sein Christus ohne Arme bis heute auslöst, erstaunen den Künstler immer noch.

„Den Auftrag, das Wegekreuz zu schaffen, erhielt ich von einer Familie in Rechterfeld. Für mich stellte sich die Frage, ob ich so etwas überhaupt machen kann, ob ich Göttliches darstellen darf. Kreuze an öffentlichen Orten sollten nicht einlullen. Ich habe der Familie gesagt, dass es von mir keinen Christus mit gescheiteltem Haupthaar geben wird. Ein Kreuz ist da, um Fragen zu stellen.

Ich wollte nicht das übliche Leiden darstellen. Mein Hauptanliegen ist die Torsierung – am Corpus sollte etwas fehlen. Ich fand es spannend zu sehen, wie sich der Betrachter darauf einlässt. Deshalb habe ich die Arme weggelassen.

Die Rechterfelder kamen damit nicht klar, der damalige Pfarrer fragte hilflos die Gemeinde, ob sie vor einem solchen Kreuz beten könne. Das Urteil gegen den Corpus war gefallen, die erhoffte Diskussion tot. Statt zu fragen, hätte der Pfarrer zum Beten auffordern sollen. Es handelt sich hier nämlich nicht um ein Abbild Christi, sondern um ein Sinnbild.

Für mich ist wichtig, die Kommunikation mit dem Kreuz zu fördern. Auch Ablehnung ist in dem Zusammenhang eine Form, Stellung zu beziehen. Auch am neuen Aufstellort in Vechta wurde das Kreuz entfernt – ausgerechnet von einem Bestatter. Aber die gewollte Provokation ging nicht auf. Die Kirchengemeinde wollte das Kreuz zurück, notfalls hätte sie ein neues in Auftrag gegeben.

Selbstverständlich ist der Corpus mit den fehlenden Armen verwirrend, provokant und fordert den Betrachter heraus, selbst Position zu beziehen. Die abgehackt wirkenden Arme sind für viele Menschen ein Stein des Anstoßes. Sie symbolisieren auf besondere Weise die menschliche Hilflosigkeit und das unbedingte Angewiesensein auf andere. In der Gestalt des Gekreuzigten entdeckt der Betrachter seine eigene Hilflosigkeit, Unzulänglichkeit und Erbärmlichkeit. Viele Menschen halten die Fragen nicht aus, die sich beim Betrachten des Kreuzes stellen. Sie suchen in der Gegenständlichkeit auch eigene Sicherheit.

In Rechterfeld wurde ich damals gefragt, ob ich nicht ein schönes neues Kreuz machen könne. Das habe ich selbstverständlich abgelehnt. Mein Kreuz ist nicht gefällig. Mein Kreuz gestalte ich als Suchender.“

Fakten

  • 6. Oktober: Kreuz und christliche Leitkultur
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-Galen Stiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Ab dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
  • Im November erscheint ein Buch zum Thema.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Gruppe in Oldenburg.

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