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Mechtild Tellmann organisiert das digitale Festival tanz.tausch in Köln

Die Dinklagerin ist seit Jahren in der Kulturbranche in der Rheinmetropole tätig. Ihre mehrtägige Veranstaltung findet auch 2021 statt – online statt analog.

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Schräg und beeindruckend: Es gibt ein Duett der Tänzerin Mijin Kim mit einem von der Decke hängenden 100 Kilogramm schweren Pauschenpferd. Foto: Ingo Solms

Schräg und beeindruckend: Es gibt ein Duett der Tänzerin Mijin Kim mit einem von der Decke hängenden 100 Kilogramm schweren Pauschenpferd. Foto: Ingo Solms

Als Kulturmanagerin fliegt Mechtild Tellmann seit einigen Jahren fast um die ganze Welt. Die von der Dinklagerin betreuten Gruppen und Compagnien im Bereich zeitgenössischem Tanz und Circus treten in Nordamerika und Afrika, Asien und Europa auf. In ihrer Wahlheimat Köln organisiert Mechtild Tellmann seit 2011 als künstlerische Leiterin das beliebte Tanz- und Performance-Festival tanz.tausch. Doch die akrobatischen Bewegungen der Tänzer, die laute Musik und die pulsierende Atmosphäre werden die Zuschauer in diesem Jahr pandemiebedingt in den Kölner Spielstätten nicht erleben können.

Dafür findet das von Tellmann organisierte Festival ab Freitag (22. Januar) digital statt. Das heißt: Die bunte Bühnen-Mischung aus Tanz und Performances können auch Menschen aus der Region verfolgen – ganz entspannt in den eigenen vier Wänden. Und die Dinklagerin hofft natürlich, dass sich auch Bekannte aus dem Landkreis Vechta in die verschiedensten Auftritte klicken. 

Festival zeigt Mischung unterschiedlicher Tanzstile, Themen und Konzepte

Doch was ist der tanz.tausch überhaupt? Bei der bereits 9. Auflage präsentieren rund 80 Künstler, die zum großen Teil aus Nordrhein-Westfalen kommen, "eine vielfältige Mischung unterschiedlicher zeitgenössischer Tanzstile, Themen und Konzepte", sagt Tellmann. Die Auftritte der Künstler seien beeindruckend, zum Teil "total abgefahren" und "schräg", schwärmt die 53-Jährige.

Beispiele gefällig? Es gibt ein Duett der Tänzerin Mijin Kim mit einem von der Decke hängenden 100 Kilogramm schweren Pauschenpferd. Und bei der Gruppe Hybrid ist eine Ansammlung zuckender und bebender Körper in ständiger Alarmbereitschaft zu sehen – für kurze Augenblicke wie paralysiert, dann wieder explosiv und raumgreifend.

Sie organisiert das tanz.tausch-Festival in Köln: Die aus Dinklage stammende Mechtild Tellmann. Foto: Michael ZerbanSie organisiert das tanz.tausch-Festival in Köln: Die aus Dinklage stammende Mechtild Tellmann. Foto: Michael Zerban

Die laut Tellmann "wahnsinnige Bandbreite der Tanzstile und Performance-Stücke" mache das ganze Festival eben "ungemein spannend". Die Auftritte beeindruckten und berührten das Publikum auch körperlich. Die Performances thematisieren Liebeskummer und Kinderlosigkeit, Herzschmerz und die Frauenwelt. "Es werden die ganz großen Gefühle angesprochen", verspricht Mechtild Tellmann.

Die Künstler spielen jeden Abend ab 19 Uhr auf verschiedenen Bühnen in Köln, wie zum Beispiel der TanzFaktur oder dem Zirkus- und Artistikzentrum. Um 20 Uhr wird der Live-Stream übertragen. Die neunte Auflage des mehrtägigen Festivals beginnt an diesem Wochenende mit einem Warm-up. Vom 27. Januar (Mittwoch) bis 30. Januar (Samstag) läuft das Hauptprogramm. Außerdem gibt es einen Podcast, einen Blog, Rezensionen, digitale Stadtspaziergänge und, und, und. Die Organisatorinnen haben sich viele Gedanken gemacht.

Eine Absage des Festivals kam für Mechtild Tellmann und ihre künstlerische Co-Leiterin Alexandra Schmidt aus Düsseldorf nie infrage. Es ging immer nur um das Wie der Aufführung. Auch ein Hybrid-Festival stand kurz zur Debatte.

Digitale Tickets sind ab einem Euro buchbar

Klar war bei den Planungen aber immer: Tellmann und Schmidt wollen allen in der fast brach liegenden Kulturbranche Beteiligten eine kleine Perspektive zeigen. In Zeiten des Lockdowns sichtbar bleiben – das sei einfach ungemein wichtig, betont die Dinklagerin. "Jetzt erst recht – live und in Farbe" lautet daher passenderweise auch das Motto des Festivals.

Das digitale Ticket kostet mindestens einen Euro, die User können aber auch mehr bezahlen. So viel, wie es ihnen wert ist. Tellmann hofft, auf 300 bis 400 Zuschauer jeden Abend. Gänzlich angewiesen auf die Ticketeinnahmen sind die Veranstalter nicht. 85 Prozent der Kosten sind durch Mittel aus verschiedenen Fördertöpfen gedeckt. In Köln, das betont die Dinklagerin erfreut, werde die Kultur von den Institutionen und Behörden vielfältig unterstützt. 

Mechthild Tellmann wollte eigentlich Lehrerin werden

Doch wie fand Mechtild Tellmann überhaupt den Weg in die Kölner Kulturbranche? Über einen Umweg. Die frühere Handballerin zog nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium Lohne 1989 zum Studieren in die Rheinmetropole. Das Ziel? Lehrerin werden. Die Fächer? Geschichte und Geografie. Nach dem ersten Staatsexamen arbeitete Tellmann zunächst für den WDR in der Öffentlichkeitsarbeit. Danach für den Westdeutschen Rundfunk in der Kultur-Abteilung, die Bühnenprogramme für Kinder organisierte. Nebenbei studierte die Dinklagerin Kulturmanagement – und blieb der Branche treu.

2008 wagte die 52-Jährige den Schritt in die Selbstständigkeit. Seitdem managt Mechtild Tellmann Künstler und organisiert Veranstaltungen, hat ein Label gegründet (6sterne produktion) und macht Öffentlichkeitsarbeit. Dank ihrer vielen Projekte kommt die Dinklagerin beruflich in der Welt viel rum. Sie begleitet die von ihr  betreuten Gruppen und Compagnien auf Theaterbühnen, Opern und Spielstätten in der ganzen Welt.

Finanziell steht die Dinklagerin auf soliden Füßen

Alle Locations und Städte hätten ihren ganz besonders Charme, sagt die Wahl-Kölnerin. "Total verliebt" habe sie sich aber in Oslo und Reykjavik. In diesem Jahr wäre Mechtild Tellmann im Rahmen einer Tournee, in der 3 Jahre Arbeit stecken, zum ersten Mal nach Brasilien geflogen. Doch dann kam Corona.

Apropos: Im Vergleich zu sehr vielen Kollegen in der Kulturbranche spürt die Diplom-Kulturmanagerin die Auswirkungen der Pandemie "zum Glück" etwas weniger. Ihr seien auch rund die Hälfte der Einnahmen weggebrochen, sagt Mechtild Tellmann. Sie stehe aber finanziell auf soliden Füßen.

Liebesaus, Herzschmerz und Trauer: Das präsentieren Herzensangelegenheiten. Foto: Axel EiseleLiebesaus, Herzschmerz und Trauer: Das präsentieren Herzensangelegenheiten. Foto: Axel Eisele

Das Finanzielle sei beim tanz.tausch-Festival ohnehin nicht primär das Thema. Endlich wieder auftreten, auf etwas hinarbeiten, die Vorfreude, die Anspannung – darauf fiebern Künstler, Kameraleute, Bühnentechniker und Veranstalter hin. Das Wichtigste für alle Kulturschaffenden ist, sagt Mechthild Tellmann, "das Gefühl zu haben, wieder etwas wert zu sein". In Zeiten der Corona-Pandemie. 

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