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Mara Engelhardt: Kunst muss eine Botschaft haben

Die 40-Jährige aus Vechta schreibt, spielt und inszeniert Theaterstücke für Kinder - mit Erfolg. Im Zentrum stehen Fantasie und Lerneffekte.

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Erfolgsduo: Mara Engelhardt mit dem Esel Samu. Foto: Meyer

Erfolgsduo: Mara Engelhardt mit dem Esel Samu. Foto: Meyer

Was sich ein Engel und ein Esel zu Weihnachten schenken, wie aus dem Schicksal einer Biene ein Appell für Toleranz wird und was ein Hase mit Abstandsregel zu tun hat – Das vermag Mara Engelhardt auf Papier zu bringen. Wenn ihr ein Thema auf der Seele brennt, dann webt sie daraus eine Geschichte, ein Schauspiel oder ein Youtube-Video. Wichtig dabei: Die Botschaft. "Kunst soll unterhalten, ja, aber Kunst soll auch etwas vermitteln", meint die 40-jährige.

Engelhardt verpackt ihre Themen in bunten Geschichten

Die ausgebildete Schauspielerin und Sängerin schreibt Stücke für Kinder und verpackt in ihnen nicht nur sympathische Charaktere und bunte Kostüme, sondern auch etwas zum Nachdenken. Den größten Erfolg feierte Engelhardt mit dem Weihnachtsstück "Ein Engel, ein Esel und eine Freundschaft zu Weihnachten". In einem üppigen Engelskostüm, inklusive Tülltrock und Leuchtgirlande, spielte sie auf Weihnachtsmärkten in der Region die herzerwärmende Geschichte von Esel Samu und Engelchen Mara und erklärte, warum nicht-materielle Geschenke eigentlich so viel schöner sind.

Die CD wurde mehr als 2000 Mal verkauft und online gestreamt. "Der Erfolg gab uns Recht", berichtet Engelhardt. Deshalb soll die Geschichte Ende dieses Jahres als erste Kinderschallplatte aus Vechta auf den Markt kommen.

Die Ideen fliegen Engelhardt praktisch zu. So auch das nächste Stück aus ihrer Feder: Im Garten kam Engelhardt die Inspiration, Kindern die Freude an Insekten und der Bienenrettung näherzubringen. Daneben handele das für 2021 geplante Stück auch von zwischenmenschlichen Themen. "Es geht um Vielfalt, denn jeder Mensch ist anders. Und das ist genauso schön wie ein bunter, wilder Garten", erzählt Engelhardt mit leuchtenden Augen. "Jeder zieht sich aus so einem Theaterstück das raus, was er gerade gebrauchen kann."

Wichtige Rolle von Kunst im politischen Diskurs

Und das gilt nicht nur für Kinder: Auf ihrem Youtube-Channel behandelt die 40-jährige auch ernstere Themen, wie die Lesung von Bertold Brechts "Kinderkreuzzug" an der Gedenkstätte Esterwegen. Das Projekt entstand anlässlich der aktuellen "Black Lives Matter"- und Anti-Rassismus-Diskussion. Für Engelhardt spielen Kunst und Kultur eine wichtige Rolle in politischen Diskursen. Auch wenn Brechts Gedicht aus dem Jahr 1942 stammt, bleibe es aktuell: "Es regt an, sich mit bestimmten Dingen auseinanderzusetzen. Rassismus und Flüchtlingskrise enden nicht 1945."

Im gleichen Kontext veröffentlichte sie auch einen Zusammenschnitt ihrer Lieblingszitate von Martin Luther King und ein Videostatement, inspiriert von der afroamerikanischen Flüchtlingshelferin Harriet Tubman, in denen sie die Bedeutsamkeit des Kampfes gegen Rassismus umwirbt. Ihr Youtube-Kanal ist ein Kind der aktuellen Corona-Situation. Stornierte Auftritte und abgesagte Veranstaltungen trafen die Kulturschaffende zwar, doch gaben sie ihr auch die Zeit, neue Ideen zu entwickeln.

"Von Kindern gibt es auch keinen Höflichkeitsapplaus. Die sind schon ein ehrliches Publikum."Mara Engelhardt, Autorin

"Kultur ist gerade in Krisen so wichtig, da sie die Menschen ablenkt", meint Engelhardt. Deshalb verschaffte sie sich kurzerhand ein Sprachrohr über die Video-Plattform Youtube und produzierte kurze Filme, in denen sie Geschichten und Märchen erzählt. "Märchen sind Seelenstreichler. Auch wenn sie nicht immer ein gutes Ende haben, kann man was positives daraus ziehen", sagt die gelernte Theaterpädagogin.

In ihrem Beruf als Erzieherin verbindet sie ihren Bezug zu Kindern und ihre Liebe zur Kunst. Ihre Schützlinge begeistert sie regelmäßig mit selbst ausgedachten Geschichten und kleinen Theaterstücken. "Kinder sind voller Fantasie. Wenn man zusammen etwas vorspielt oder interaktiv liest sind sie gleich fasziniert und viel aufmerksamer", berichtet Engelhart. Aber: "Von Kindern gibt es auch keinen Höflichkeitsapplaus. Die sind schon ein ehrliches Publikum", lacht sie.

Wandlungsfähig: Mara Engelhardt als Hexe. Foto: MeyerWandlungsfähig: Mara Engelhardt als Hexe. Foto: Meyer

Engelhardt selber lernte als Kind früh die Künste lieben. "Meine Eltern sind sehr kulturbegeistert", erinnert sich die geborene Münchenerin. Ob Klavier, Geige oder Ballet: Sie probierte viel, bis sie schließlich ihre größte Leidenschaft entdeckte. "Meine Mutter sagte zu mir: ‚Du erzählst immer so viel', werde doch Schauspielerin.‘"

Der Weg vom Schultheater zur Aufnahme an einer Schauspielschule in Stuttgart sei zwar nicht leicht gewesen, doch den Spaß an der Kunst verlor sie nie: "Da bin ich einfach Feuer und Flamme. Da brennt es mir im Herzen", sagt Engelhardt begeistert. Die Ausbildung zur Erzieherin und Theaterpädagogin gibt ihr einen Weg, das zu tun, was sie liebt und dennoch Sicherheit zu haben. Seit fünf Jahren lebt sie nun mit ihrem Mann und einer Tochter in Vechta und hat sich schnell zurechtgefunden. "Es gibt hier wirklich viele Konzerte, Musiker, Straßenfeste und andere Angebote. Und das nicht nur auf dem Stoppelmarkt", sagt sie und lacht.


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