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Manni und Maja: Auf ein Wort am Werdersee

Manni Laudenbach, der Künstler mit Wurzeln in Ellenstedt, begeisterte 2019 bei den Bayreuther Festspielen. Die fallen wegen der Corona-Krise nun aus. Die OV traf den 53-Jährigen zum Interview.

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Treue Begleiterin und Mannis wohl größter Fan: Die fanzösische Bulldogge Maja und ihr Herrchen tummeln sich gern am Bremer Werdersee. Foto: Ferber

Treue Begleiterin und Mannis wohl größter Fan: Die fanzösische Bulldogge Maja und ihr Herrchen tummeln sich gern am Bremer Werdersee. Foto: Ferber

Herr Laudenbach, jetzt haben Sie sich extra einen so schicken neuen E-Scooter zugelegt, um damit den Grünen Hügel hoch und runter zu sausen, und dann werden die Bayreuther Festspiele 2020 wegen der Corona-Krise abgesagt. Bleibt der Flitzer im Sommer nun in der Garage?

Natürlich nicht (lacht). Er kommt jetzt in Bremen zum Einsatz.

Aber Spaß beiseite: Dass es 2020 keine „Tannhäuser“-Aufführungen geben wird, war doch sicher ein Schlag für Sie?

Klar, ich war tierisch enttäuscht. Wir hatten immer gehofft, dass die Vorstellungen doch noch irgendwie, vielleicht mit weniger Zuschauern und verkürzter Probezeit, stattfinden könnten. Aber dann hat sich Katharina Wagner (künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Bayreuther Festspiele; Anm. d. Red.) persönlich bei mir gemeldet, bevor sie vor die Presse getreten ist. Ich habe da gerade mein Auto aus der Werkstatt geholt. Die Absage hat sie aber nicht allein entschieden, sondern unter anderem auch das Land Bayern und der Bund. Man kann es verstehen, allein im Orchestergraben mit den ganzen Musikern wäre die Ansteckungsgefahr einfach zu groß.

Groß war doch sicher auch die Enttäuschung Ihrer Ensemble-Kollegen oder wie haben sie reagiert?

Auf jeden Fall. Wir Solisten haben eine WhatsApp-Gruppe und von einem Mitglied aus Spanien kam, kurz bevor sich Katharina Wagner meldete, die Nachricht ,Bayreuth is cancelt'. Unser dänischer Bassist Stephen Milling brachte es so auf den Punkt: ,four months before first performance'. Wir hatten uns alle gefreut, in der gleichen Besetzung wie im vergangenen Jahr wieder zu spielen, denn es wäre das letzte Mal in dieser Konstellation gewesen. Für 2021 kann man noch nicht sagen, wer dabei sein wird und wer nicht, weil die Künstler zum Teil schon woanders Arrangements haben.

Also lebt man von den Erinnerungen an 2019, wo Sie als Blechtrommler Oskar Matzerath mit rezitierten Wagner-Texten im Pausenprogramm für Furore sorgten?

Berühmt oder nicht, das interessiert gar nicht. Es hat einfach Spaß gemacht. Du gibst Opern-Weltstars die Hand und das ist plötzlich vollkommen normal.

Wie normal ist Ihr Alltag in Corona-Zeiten gerade?

Ich habe das Glück, ein zweites berufliches Standbein zu haben, und mache im Homeoffice in Teilzeit technische Kundenberatung für Produkte der Telekom. Wenn zum Beispiel das Internet nicht funktioniert. Zeitlich bin ich relativ flexibel – und den Rasierer vergisst man auch schon mal (lacht). Aber keine Frage: Für viele Schauspieler, Freiberufliche, die nicht weiter angestellt sind und ,nur' von der Kunst leben, ist das eine schwere und harte Situation, existenziell.

Kreativ ausleben fällt für Sie im Moment ja auch flach.

Ich war angefragt für einen Spielfilm im Mai, aber der ist jetzt erst einmal auf den Herbst verschoben. Was das genau gewesen wäre, darf ich nicht sagen. Zu sehen bin ich auf Sky als Gangster in der dritten Staffel von ,Babylon Berlin'.

Zur „Überbrückung“ im Internet etwas zu performen wie andere Künstler, wäre das auch eine Option für Sie?

Eher nicht, dafür bin ich wohl zu faul. Vielmehr versuche ich ans Bayreuther Theater im nächsten Jahr mit meiner blinden Schauspielkollegin Martina Reicksmannn einen gemeinsamen Kafka-Abend mit zwei Einzelstücken zu verkaufen. Den haben wir bereits bei der Bremer Shakespeare Company aufgeführt. Martina macht ,Die Verwandlung“ und ich ,Ein Bericht für eine Akademie'. 2021 werde ich auch wieder als Dämon im ,Fliegenden Holländer“ an der Staatsoper in Stuttgart zu sehen sein.

Bremen statt Bayreuth: Manni Laudenbach ist mit seinem neuen E-Scooter nun in der Hansestadt unterwegs. Foto: FerberBremen statt Bayreuth: Manni Laudenbach ist mit seinem neuen E-Scooter nun in der Hansestadt unterwegs. Foto: Ferber

Und wie erleben Sie die Corona-Zeit abseits von Homeoffice und Bühne allgemein?

Man hat mehr Zeit für andere Dinge, kommt runter, ist relaxter. Ich bin ja eher ein Mensch der eigentlich ungeduldig ist, schnell, immer unterwegs – wobei sich das seit der Heirat mit meiner wunderbaren Frau Inna auch geändert hat. Jetzt kann ich die Ruhe und Gelassenheit genießen. Man weiß ja, dass niemand wegfahren oder ins Restaurant gehen kann. Wir sind alle in dieser Situation.

Heißt: Auch der Kontakt in die Heimat zu den drei Geschwistern in Ellenstedt und Visbek ist eingeschränkt.

Wir telefonieren regelmäßig, haben uns Ostern aber auch nicht gesehen. Natürlich würden wir uns gerne wieder besuchen und hoffen, dass das bald möglich sein wird.

Nachtrag: Als der Autor dieser Zeilen im Interview erwähnt, ein großer Fan des Münster- „Tatorts“ zu sein, ruft Manni Laudenbach auf dem Rückweg vom Werdersee kurzerhand seinen Kumpel, Hauptkommissar Frank Thiel alias Axel Prahl, im März gerade 60 Jahre jung geworden, an, um ihm das Kompliment auszurichten. Details zu den weiteren Inhalten des Gesprächs – es ging offenbar unter anderem um eine revolutionäre Idee für die Krimireihe – waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

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