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Manege frei: Luftakrobatik, Jonglage und Clownerie im Museumsdorf

5 Tage hatten 40 Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren die Gelegenheit, ihre Show vorzubereiten. 13 Disziplinen hatten sie zur Auswahl. Am Samstag präsentierten sie ihr Gelerntes dem Publikum.

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Marie übt den Seiltanz: Raissa Bolotov gibt Hilfestellung. Foto: Heinzel 

Marie übt den Seiltanz: Raissa Bolotov gibt Hilfestellung. Foto: Heinzel 

Langsam geht Marie in die Knie, lächelt und winkt in das Publikum. Dann steht sie auf, geht weiter und beugt sich nach vorne, streckt dabei ein Bein nach hinten und bleibt auf dem anderen Bein stehen. Klingt erst einmal recht unspektakulär. Ist es aber nicht, denn die 8-Jährige absolviert die beiden Übungen auf einem dünnen Drahtseil und musste während der gesamten Zeit ihr Gleichgewicht halten, damit sie nicht zu Boden fällt. Innerhalb von 5 Tagen hat sie die Vorführung erlernt, die sie jetzt den anwesenden Eltern, während der über zweistündigen Abschlussshow des Zirkus-Workshops im Museumsdorf Cloppenburg präsentierte.

"Einmal in der Manege stehen, das ist das schönste Gefühl, das man haben kann."Raissa Bolotov

Marie ist eines von 40 Kindern im Alter zwischen 6 und 14 Jahren, welche mit Begeisterung an dem Workshop teilnahmen. Innerhalb dieser kurzen Zeit lernten alle Teilnehmer mindestens 3 Kunststücke. Dabei konnten sie aus 13 Disziplinen auswählen. Besonders beliebt sei immer die Luft-Akrobatik, gefolgt von den "Devil Sticks" und den Hula-Hoop-Reifen, sagt Raissa Bolotov. Die 25-Jährige bringt, gemeinsam mit Vater Alexander und Bruder Aljoscha, den Kindern aber auch einen Drahtseilakt sowie das Balancieren auf einer Kugel oder dem "Rola Bola", das Jonglieren mit Bällen, Tüchern, Keulen oder Ringen, den Umgang mit dem Diabolo oder das Balancieren eines Tellers auf einem kurzen Stock bei. Einradfahren und Bodenakrobatik sind ebenfalls im Angebot.

Raissa Bolotov ist die 9. Generation einer Zirkusfamilie

"Einmal in der Manege stehen", sagt Raissa Bolotov, "das ist das schönste Gefühl, das man haben kann". Sie weiß, wovon sie spricht. Bereits mit 7 Monaten trat Raissa Bolotov im Zirkus auf. Mit zweieinhalb Jahren konnte sie bereits mit dem Einrad fahren. Raissa Bolotov ist die 9. Generation einer Zirkusfamilie. Ihr Vater beispielsweise war 25 Jahre lang beim Moskauer Staatszirkus, so Raissa Bolotov. Ihre Begeisterung für die Manege vermittelt sie auch den Kindern.

"Jeder einzelne Trick erfordert Zeit und Ausdauer."Raissa Bolotov

Ada und Hannah üben während der Generalprobe mit Feuereifer an den Hula-Hoop-Reifen. "Es ist relativ einfach", sagt Hannah, "man muss nur den richtigen Takt finden." Ada ergänzt: "Und dann schwingt man einfach die Hüfte." Auch bei Emil klingt das Jonglieren ganz einfach: "Bälle hochwerfen und dann wieder fangen", das sei schon alles. "So erkläre ich das auch immer", meint Raissa Bolotov lachend, aber ergänzt: "Jeder einzelne Trick erfordert Zeit und Ausdauer." Der 10-Jährige ist bereits das 2. Mal mit dabei, denn "es macht einfach Spaß und letztes Mal habe ich total viel gelernt".

Im vergangenen Jahr mussten beide Veranstaltungen ausfallen

Bereits 2019 hatte das Museumsdorf einen solchen Workshop mit den Zirkuspädagogen vom Kulturzentrum Buratino durchgeführt. Die damalige Abschlussvorstellung geschah dann im Rahmen der Dorfkirmes. Eine tolle Kombination, so Karin Diekmann, vom Museumsdorf Cloppenburg, denn historisch gesehen gehörten Zirkus und Kirmes eng zusammen. Im vergangenen Jahr mussten beide Veranstaltungen aufgrund der Pandemie ausfallen. Und in diesem Jahr war lange nicht klar, ob der Workshop wieder stattfinden könnte.

Karin Diekmann ist froh, dass es mit dem Ferienangebot geklappt hat und sagt: "Jedes Kind hat eine bestimmte Disziplin für sich entdeckt. Es ist total spannend zu sehen, wie diszipliniert die Kinder dabei sind und auch das Präsentieren lernen." Der "Spaß an der Bewegung" sei die wichtigste Voraussetzung, um an dem Workshop teilzunehmen, meint Raissa Bolotov. Ihre Stimme ist klar und bestimmt, wenn sie Anweisungen gibt oder etwas erklärt.

Ada (links) und Hannah üben mit den Hula Hoop Reifen. Ada schaffte es zwischenzeitlich mit sieben Reifen gleichzeitig.
Heinzel
Inga zeigt wie man sich um 360 Grad auf einer Kugel dreht und dabei nicht das Gleichgewicht verliert.
Heinzel
Tammo wird von Alexander Molotov in die Luftakrobatik eingewiesen.
Heinzel
Amelie  zeigt wie man sich am Ende einer Übung beim Publikum für den Applaus bedankt und verabschiedet.
Heinzel
Marie steht sicher auf einem Bein auf dem Seil. Das Hinknien hat sie bereits erfolgreich hinter sich.
Heinzel
Maja (links) und Nora trainieren mit den so genannten Devil Sticks.
Heinzel
Klaus nutzt die Devil Sticks während er auf der Rola Bola balanciert.
Heinzel
Marie als Schmetterling. Zwei Reifen machen es möglich.
Heinzel
Anna Mia zeigt ihre Fertigkeiten beim Balancieren.
Heinzel
Eine gut besuchte Abschlussshow gab den Workshopteilnehmern die Gelegenheit zu zeigen, was sie konnten.
Heinzel
Raissa Bolotov mit einer kleinen Showeinlage.
Heinzel
Teller drehen und balancieren.
Heinzel
Alexander Bolotov unterstützt eine komödiantische Einlage. 
Heinzel
Fünf Tage hatten die Teilnehmer Zeit um ihre Übungen zu beherrschen.
Heinzel
Am ersten Workshop-Tag probierten die Teilnehmer alle Disziplinen aus und entschieden sich dann dafür welche drei sie erlernen wollten.
Heinzel
Auf dem Brink mitten im Museumsdorf fand der fünftägige Workshop statt.
Heinzel

Es sei wie Rührei mit der Hand aufschlagen, nur müsse die Bewegung in die andere Richtung durchgeführt werden. So erläutert sie, wie der Teller mit dem Stock in Rotation versetzt wird, damit er mit dem Stock balanciert werden kann. Innerhalb der 5 Tage seien alle Teilnehmer Show-reif. "Die Kinder sollen mit Selbstbewusstsein in die Manege gehen", sagt Raissa Bolotov. Und das tun sie.

Auf die Frage, ob sie nervös sei, meinte Marie: "Ja, aber ich freue mich auch, denn ich habe ein gutes Gefühl, weil ich sehr viel geübt habe." Von der Nervosität merkten die Zuschauer während der Abschlussveranstaltung nichts mehr. Das Publikum war sowieso hingerissen und klatschte begeisterten Beifall. "Der Applaus", so Raissa Bolotov, "ist unser Dankeschön."

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