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#Mandela-Effekt – Unsere kollektive Gedächtnis-Paranoia

Kolumne: Irgendwas mit # – Das VW-Logo war doch schon immer ein fließender Buchstabe, oder? Glauben zumindest viele. Stimmt aber nicht. Falsche Erinnerungen gibt es viele – in diesem Internet.

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Das V und W beim Volkswagen-Logo war doch immer schon eine durchgezogene Linie? Zumindest, wenn man auf den T2-Bulli im Film "Zurück in die Zukunft" schaut. Aber das Logo hat’s seitens des Konzerns nie so gegeben. V und W waren stets getrennt. Glauben Sie nicht?

Nun ja, dann sind sie vielleicht dem Mandela-Effekt zum Opfer gefallen. Er tritt dann ein, wenn sich zahlreiche Menschen kollektiv falsch an etwas erinnern. So wie bei Flugzeugturbinen. Wo haben die Sogmaschinen ihren Sitz? Klar, unter der Tragfläche. Also meistens. Und wie sind sie positioniert? Schließen die Triebwerke mit der Tragfläche ab? Nein, sie sind ein deutliches Stück vorm Flügel angesiedelt. Kann nicht? Kann doch!

Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen "Konfabulation". Namensgeber für den besagten Effekt ist tatsächlich Nelson Mandela. Unter seinem Vermächtnis tummelt sich die erste große Verschwörungstheorie: Einige Menschen gingen lange davon aus, dass der südafrikanische Staatsmann bereits in den 1980ern in einem Gefängnis gestorben sei. Das ist natürlich völliger Unsinn. Mandela ist 2013 an einer Lungenentzündung gestorben.

"Unser Gedächtnis ist einfach ziemlich unzuverlässig. Das liegt allein daran, dass Erinnerungen nie detailreich sind. Es sei denn, sie sind extrem kurzweilig."Max Meyer

Wie begründen Verschwörungstheoretiker dann solche Ereignisse? In dem Wort "Konfabulation" steckt fabulieren, sprich: sich etwas Fantasievolles ausdenken. Und genau so fantasievoll wie der Mandela-Effekt sind auch seine Erklärungen. Denn: Einige Menschen sehen in der Geschichte, die in den Gedächtnissen vieler Menschen anders stattgefunden haben soll, als sie wirklich war, den Beweis für Paralleluniversen. Überbleibsel an andere Dimensionen.

Was nach gewissen Parallelen zum Christopher Nolan Flop "Interstellar" erinnert, ist in Wirklichkeit ein einfaches Hirngespinst. Unser Gedächtnis ist einfach ziemlich unzuverlässig. Das liegt allein daran, dass Erinnerungen nie detailreich sind. Es sei denn, sie sind extrem kurzweilig. Dann kann es passieren, dass das Gehirn sich Dinge ausdenkt, die so nie passiert sind. Zum Beispiel, dass der Monopoly-Mann ein Monokel trägt. Quark!

Das einfachste Beispiel ist wohl das der rosa Elefanten. Ja, es gibt sie. Ihnen fehlt der Pigmentstoff der Haut – Melanin – was sie grau oder braunen erscheinen lässt. Aber hier geht es nicht um echte Elefanten, sondern um fiktive. Wenn Ihnen jemand sagt:  "Denken Sie jetzt nicht an rosa Elefanten!" Et voilà: Sie denken an einen rosafarbenen Dickhäuter. Und wenn sie lange genug daran glauben, werden auch die rosafarbenen Elefanten Wirklichkeit. Und Pferde kotzen, während Schweine fliegen. Die Liste ließe sich noch ewig lang fortführen. Im Zweifel hilft dann, sich auf die Worte des deutschen Humoristen Heinz Erhardt zu verlassen: "Sie dürfen nicht alles glauben, was Sie denken!"


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