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"Lokales Engagement ist dringend nötig"

Die Kabarettistin Katinka Buddenkotte wird im September das Programm der Lastruper Kulturscheune eröffnen. Eine zweite Viruswelle wäre für Freischaffende verheerend, sagt die Kölnerin.

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"Liebling der Schwerkraft": Für ihr aktuelles Programm ließ sich Katinka Buddenkotte als Astronautin ablichten. Copyright: palmpictures

"Liebling der Schwerkraft": Für ihr aktuelles Programm ließ sich Katinka Buddenkotte als Astronautin ablichten. Copyright: palmpictures

Katinka Buddenkotte, ist das eigentlich Ihr richtiger Name?

Ja. Wer käme auch schon auf solch einen Künstlernamen? Mein Freund sagte mal, es klingt, als würde eine Elfe die Treppe herunterfallen. Aber in Münster, wo ich herkomme, ist der Name natürlich nichts Ungewöhnliches...

Sie leben als freie Autorin. In den vergangenen Monaten hatten Sie vermutlich viel Zeit zum Schreiben...

Das höre ich immer wieder. Ich könne jetzt doch einen Roman schreiben und so weiter. Aber so einfach ist das nicht. Tatsächlich schreibe ich zurzeit wirklich viel. Und zum Glück kann ich endlich auch wieder auftreten. Gerade etwa auf einem Openair bei Ulm. Dort habe ich auch einige befreundete Kollegen wiedergetroffen. Das war toll, obwohl wir uns natürlich sehr zurückhalten mussten, zum Beispiel beim Begrüßen...

Wie gehen Sie mit dem Thema Corona um?

Ich habe irgendwo gelesen, dass es da verschiedene Typen gibt und festgestellt, dass ich jeder davon bin - im Viertelstundentakt. Tatsächlich nehme ich die Infektionsgefahr sehr ernst und höre auf die Experten. Ich kenne aber viele Menschen, für die diese Zeit deutlich härter ist, als für mich. Irgendwann im Mai bin ich mal gebeten worden, doch auf der Bühne bitte nicht so viel über Corona zu erzählen. Deshalb schreibe ich nicht explizit über "das eine Thema", aber es schwingt mit, zwischen den Zeilen. Denn ignorieren lässt es sich natürlich auch nicht.

Sie müssen von Ihrer Kunst leben. Wie funktioniert das in diesen Zeiten?

Es ist natürlich schwierig. Ich lebe auch von Auftragsarbeiten, etwa für das Fernsehen. Die Bühnenauftritte sind aber die wichtigste Einnahmequelle. Die Besucher kaufen dort auch meine Bücher. So geht es vielen, die ich kenne. Für die gesamte Kulturszene ist Corona ein Wahnsinnseinbruch. Als ich neun oder zehn Jahre alt war, habe ich mir vorgestellt, als Schriftstellerin in einem Schloss in Schottland zu residieren. Heute glaube ich, grob geschätzt, dass vielleicht zwei Prozent der Autoren von ihren Büchern leben können.

Der Titel Ihres aktuellen Programms lautet "Liebling der Schwerkraft". Worum geht es?

Die Grundidee war, dass ich eine Astronautin bin, die ihr Raumschiff verpasst hat. Die Texte handeln natürlich vom Alltag und von Beobachtungen, die ich mache. Das ist ja auch Teil meines Berufes, beobachten. Sonst käme ja nichts rein. Das Programm hat zwar einen roten Faden, trotzdem werde ich die eine oder andere Stelle sicherlich noch anpassen und aktualisieren. Die Zuschauer kriegen dann sozusagen eine Sonderedition zu sehen.

Haben Humoristen jetzt eine gute oder eine schlechte Zeit?

Satiriker sollten eigentlich genug zu tun haben, aber wo bringen sie es unter? Besonders schwer haben es aber die ganz jungen Künstler, die mit Anfang 20 so richtig durchstarten wollten. Sie tun mir am meisten leid. Die Leute wollen aber offenbar erst mal hören, was die bekannten Nasen zu sagen haben. Für mich ist die Situation ambivalent. Ich stehe immer wieder vor der Entscheidung, rauszugehen und mich zu engagieren, oder es aus Sicherheitsgründen zu lassen. Ich verstehe die Angst, die Unsicherheit. Deshalb trete ich nur dort auf, wo ich auch selbst im Publikum sitzen würde.

Was meinen Sie, wird es einmal wieder eine Normalität wie vor Corona geben?

Ganz so wie davor kann es nicht mehr werden. Viele kleine Bühnen kämpfen ums Überleben. Nicht alle dürften es schaffen. Es ist also dringend nötig, sich lokal um die Kultur zu engagieren und jene zu untestützen, die von Anfang an für einen da waren. Ich hoffe, dass daraus etwas Neues, Positives entsteht. Wissen Sie, wir freie Bühnenkünstler konkurrieren ja auch um die begehrten Auftritte. Trotzdem möchte ich, dass alle wieder zurückkommen, vielleicht mit neuen Themen und neuen Ideen...

und sonst?

Solidarität ist wichtig. Vieles Zwischenmenschliche fand in den vergangenen Wochen aus der Entfernung statt. Das hat eine Wirkung. Wir müssen deshalb lernen, unsere sozialen Konflikte anders zu gestalten, um sozial zu bleiben.


Zur Person:

  • Katinka Buddenkotte stammt aus Münster und lebt als Autorin in Köln. Sie ist Mitgründerin der Kölner Lesebühne Rock`n Read.
  • Buddenkotte gewann mehrer Poetry Slams und tritt auch in TV-Sendungen wie Night-Wash (WDR) auf. Inzwischen hat sie drei Romane veröffentlicht.
  • Am Freitag, 18. September, tritt sie in der Kulturscheune Lastrup auf. Die Tickets kosten 17 Euro und sind ab Anfang August im Rathaus zu haben.

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