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Lektüre mit System

Meine Woche: Corona-Zeit, Lese-Zeit, Zeit für Erinnerungen an großartige Werke und ihre Schöpfer.

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Freitag, gegen 8 Uhr. Ich trank den letzten Schluck Kaffee. Die Entscheidung war gefallen: "Meine Woche" sollte diesmal von Büchern handeln. Viel mehr ist über mein Privatleben ohnehin nicht zu berichten – sofern sich nichts Spektakuläres, Unheimliches, Lustiges oder Trauriges von allein zuträgt.

Es soll in dieser Rubrik also ums Lesen gehen – genauer: um meine Marotte der systematischen Lektüre. Ich vertiefe mich nämlich in Bücher, die untereinander ein eigenes sinnhaftes Gewebe bilden. Zum Beispiel: In Corona-Zeiten habe ich wieder "Die Pest" von Albert Camus ehrfürchtig verschlungen. Das war übrigens zugleich eine innere Rückkehr in die Schuljahre. "Zerstörung" von Cécile Weijsbrot war als Nächstes dran.

Auch sie führt – in anderer Manier als der konzise Camus – in eine plötzlich veränderte Realität. Dann steht "Die Pest zu London" von Daniel Defoe an. Darin hat der Autor (bekannt für "Robinson Crusoe") eine Mischung aus Literatur und Großreportage verfasst – im Jahr 1665 wohlgemerkt.

Bücher in Zusammenhängen zu lesen, das kann sich auch auf das Gesamtwerk eines Autors beziehen. Und ich bin immer noch erstaunt, in welcher Selbst- und Zeitvergessenheit ich mir die Tausenden Seiten zu Gemüte geführt habe, die Carlos Ruiz Zafón geschrieben hat. Seine Bücher, insbesondere die vier Bände rund um den "Friedhof der vergessenen Bücher", bilden zusammen eine einzige große Kathedrale.

Lange schon hoffte ich darauf, dass sich mir ein neuer Eingang in dieses Gebäude eröffnet. Aber: Zafón, einer der ganz großen Erzähler unserer Zeit, ist tot. Und diese Meldung kam gestern, am Freitag, gegen 11.50 Uhr. Seine Bücher leben fort. Für Millionen Menschen. Ein wichtiger Trost.

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