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Landpartie voll Musik: Klassik-Stars treten vor Altären und Alkoven auf

Das Bremer Musikfest gastiert ab dem 31. August an 3 Spielorten im Kreis Cloppenburg. Die Interpreten sind hochkarätige Könner - vom jungen Countertenor bis zum italienischen Originalklang-Ensemble.

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Kultur-Transfer aufs Land: Landrat Johann Wimberg (von links), Intendant Prof. Thomas Albert und Dezernent Neidhard Varnhorn stellen das Programm des Bremer Musikfestes im Kreis Cloppenburg vor.    Foto: Kreke

Kultur-Transfer aufs Land: Landrat Johann Wimberg (von links), Intendant Prof. Thomas Albert und Dezernent Neidhard Varnhorn stellen das Programm des Bremer Musikfestes im Kreis Cloppenburg vor.    Foto: Kreke

In Bremen haben Klassik-Kenner bereits einen Bus in den Kreis Cloppenburg gechartert, denn hier spielt die Musik. Das Bremer Musikfest organisiert in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Cloppenburg erneut 3 zugkräftige Gastspiele abseits der Metropole. Und das mit Künstlern, die "eigene Akzente setzen", wie der Intendant Prof. Thomas Albert unterstreicht. 

Cloppenburg bekommt keine "Brotsamen", die vom Tisch der Hochkultur fallen, sondern Künstler, die "sonst unerreichbar wären", wie Landrat Johann Wimberg am Mittwochnachmittag bei der Vorstellung des Programms betonte. Ein Beispiel: Der junge britische Countertenor Alexander Chance rührte schon bei einem Löningen-Debüt das Publikum in der St.-Viutus-Kirche zu Tränen, als er in Bachs h-Moll-Messe "seine" Arie sang. "Das hat uns aus der Bank gehauen", schwärmt der sonst sprachlich eher feinsinnige Intendant heute noch.

Wer's verpasst hat: Alexander Chance gibt dem Kreis eine zweite Chance. Am 11. September kehrt er zurück , diesmal zur "musikalischen Landpartie" ins Museumsdorf, einem "Wandelkonzert", das 4 unterschiedliche Auftritte vor Altären und Alkoven präsentiert. Der Countertenor singt solo zur Laute seines Begleiters Toby Carr anrührende Balladen aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Festival zieht einmal längs durch den Landkreis

Wichtig war's Wimberg, dass der ganze Landkreis von der 2018 vereinbarten Kultur-Kooperation mit dem Musikfest profitiert. Im Südkreis wird erneut die Löninger St.-Vitus-Kirche bespielt, im Norden die St.-Marien-Kirche in  Friesoythe, wo die Reihe eröffnet wird. Am 30. August (Montag) führt dort der italienische Violinist und Dirigent Fabio Bondi mit seinem Ensemble "Europa Galante" die "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi auf. Die Besonderheit: Bondi sucht den Originalklang der Zeit, packend, dramatisch und dynamisch geschärft. Als Zugabe gibt's ein Werk des fast vergessenen Komponisten und Geigenvirtuosen Francesco Geminiani, einem Zeitgenossen Vivaldis.

Schon am Tag darauf, dem 31. August, präsentiert das Barockmusik-Ensemble "Dunedin Consort" aus Schottland unter der Leitung von John Butt ein besonderes Kapitel der Musikgeschichte in der St.-Vitus-Kirche. In der Kantate vom "bußfertigen David" ("David Penitente") verarbeitete Mozart Teile seiner noch unvollendeten c-Moll-Messe mit frisch dazu komponierten Arien und legte einen weltlichen italienischen  Text darunter – fertig war die Auftragsarbeit für ein Benefizkonzert, das 1785 den Wiener Witwen und Waisen von Berufsmusikern die karge Rente aufbessern sollte. 

„Ihr müsst nach Löningen!“Prof. Thomas Albert

Der Bremer Intendant glüht förmlich vor Begeisterung über die seltene Aufführung. "Ihr müsst nach Löningen!", riet er Freunden aus Bremen: "Das ist eine echte Rarität eines der größten Komponisten aller Zeiten."

"Verrückte Truppe" treibt Folklore bis in den Pop

Ein kleines, aber feines Festival innerhalb des Festes bildet die "musikalische Landpartie" durchs Museumsdorf, weil allein diese Reihe 4 Konzerte an 4 Spielorten bietet. "Eine völlig verrückte Truppe" (so Prof. Albert) aus Norwegen kapert den Quatmannshof. Geiger Bjarte Eike und seine "Barokksolistene" hetzen skandinavischen Folk bis in die Pop-Kultur. "Da geht's zu wie im Wirtshaus", sagt der Intendant, nur musikalisch abwechslungsreicher.

Neben dem Countertenor in der Dorfkirche mixt der junge Akkordeon-Virtuose Martynas Levickis aus Litauen Mozart und Chopin mit dem argentinischen Tango von Astor Piazolla und den Volksliedern seiner Heimat. Dem feinen Haus Arkenstede angemessen, lässt es das Pariser Streichquartett "Quatuor Cambini" traditioneller angehen: Seine Streichquartette von Haydn, Mozart und Gounod loten mit alten Instrumenten die zerbrechlichen Zwischentöne und Seelenzustände aus.

Vorverkauf hat begonnen: Karten schon knapp

Karten für das Museumsdorf sind jetzt schon knapp. Dass die Zuhörerschar begrenzt und der Aufwand hoch ist, ist für den Intendanten kein Maßstab der Bewertung. Das Glück und die persönliche Freude, die Musik ausstrahle, werde sich nie wirtschaftlich erfassen lassen, sagt er. Fest stehe aber, dass musikalische Bildung "unmessbar" bereichere, weil sie Menschen bewege. 

Werben für Kultur vor Altären und Alkoven:  Die Macher des Musikfestes.    Foto: KrekeWerben für Kultur vor Altären und Alkoven:  Die Macher des Musikfestes.    Foto: Kreke

Kultur sei inzwischen ein "knallharter Standortfaktor", meinte der zuständige Dezernent, Neidhard Varnhorn, weil die Zugkraft der Region – etwa auf Ärzte oder Führungskräfte – auch von den kulturellen Angeboten und dem kulturellen Klima abhänge. Das Angebot des Musikfestes in der Region sei angesichts des sehr überschaubaren Kostenanteils des Kreises in dieser Hinsicht ein Gewinn, der sonst kaum zu finanzieren wäre, meinte der Landrat.

  • Info: Der Vorverkauf hat inzwischen begonnen. Karten gibt's unter Telefon 0421 33 66 99 und 36 36 36 oder im Internet unter www.musikfest-bremen.de. Zutritt haben nur genesene, geimpfte oder getestete Gäste. An allen Plätzen gilt die Maskenpflicht.

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