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Landdisko "Zum Sonnenstein" nimmt Gestalt an

Jüngst wurde die signifikante, in Gold glitzernde Tapete wieder angebracht. Im September soll die Kult-Disko „Zum Sonnenstein“ im Cloppenburger Museumsdorf ihre Türen öffnen.

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Wiedererkennungswert: Die Disko „Zum Sonnenstein“ präsentiert sich hier auf dem Gelände des Museumsdorfs Cloppenburg so, wie frühere Gäste sie aus Harpstedt kennen. Foto: Heinzel

Wiedererkennungswert: Die Disko „Zum Sonnenstein“ präsentiert sich hier auf dem Gelände des Museumsdorfs Cloppenburg so, wie frühere Gäste sie aus Harpstedt kennen. Foto: Heinzel

Peter Maffay, ­Drafi Deutscher, Karl Dall oder „The Rattles“ – sie alle sind im „Stein“ aufgetreten. „Stein“ ist bis heute die liebevolle Abkürzung für die ehemalige Landdiskothek „Zum Sonnstein“ in Harpstedt. Inzwischen steht ihr Gebäude auf dem Gelände des Museumsdorfs Cloppenburg und wird den Ausgangspunkt eines neuen Bereiches des niedersächsischen Freilichtmuseums zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bilden.

Im September soll der „Stein“ wieder öffnen. Die Arbeiten hierfür liegen im Zeitplan, berichtet Projektkoordinatorin Laura Pigge. „Wir wollen eine Eröffnung mit Feeling. Es soll sich wie ein Abend in der Diskothek anfühlen“, fährt die Cloppenburgerin fort. Das werde mit den aktuellen Corona-Beschränkungen allerdings schwierig. „Wir sind auf beide Eventualitäten, ein großes Event im September oder eine Verschiebung des Ganzen, vorbereitet.“

Kult: Jüngst wurde die goldig glitzernde Tapete im Clubzimmer ­wieder angebracht.  Foto: HeinzelKult: Jüngst wurde die goldig glitzernde Tapete im Clubzimmer ­wieder angebracht.  Foto: Heinzel

Das Gebäude werde aber auf jeden Fall für den Publikumsverkehr geöffnet. Zumindest das Erdgeschoss. Die geplante Dauerausstellung in den ehemaligen Wohnräumen im Obergeschoss werde etwas später fertiggestellt. Aktuell wurde jüngst die goldig glitzernde Tapete im so genannten „Clubzimmer“ im Erdgeschoss wieder angebracht. Hier soll der Start in die Zeitreise „Landdiskothek Zum Sonnenstein“ erfolgen.

Selbst der typische ­Geruch der Disko soll erlebbar werden

„Wir wollen die Achtziger präsentieren. Vor allem das Feeling dieser Zeit“, sagt die 27-jährige Kulturwissenschaftlerin. „Es soll ein Musik­erlebnis werden.“ Dafür werde das Museumsdorf auf Interaktivität und Hörstationen setzen. An den letzten Details des ­Ausstellungskonzeptes werde aber noch gefeilt. Ziel sei es jedenfalls, dem Besucher einen „lebendigen Ort“ zu vermitteln, so als wäre er gerade zu einem Diskobesuch im „Stein“.

Dazu soll auch der typische „Sonnensteingeruch“ gehören. „Im Depot schlägt er einem direkt entgegen. Das ist ein markantes Gemisch aus allem, was in der Diskothek durch die Luft geflogen ist, was die unterschiedlichen Tapetenschichten in sich aufgesogen haben.“ Die Geschichten des Gebäudes sollen zudem in einem Begleitband zur Ausstellung erscheinen. Die Arbeiten daran sind in vollem Gange.

„Es wurde einfach der Schlüssel umgedreht. Es ist wie eine Zeitkapsel.“Laura Pigge, Projektkoordinatorin

„Forschungsarbeit ist ein fortlaufender Prozess. Gerade bei einem solchen Projekt“, erzählt Laura Pigge, daher gebe es immer wieder etwas Neues zu entdecken. „Kulturhistorisch gesehen ist dies hier der Idealfall für ein Freilichtmuseum“, sagt die Wissenschaftlerin. Es wurde einfach der Schlüssel umgedreht und die Kippe im Aschenbecher gelassen, das zerbrochene Glas nicht mehr beiseite geräumt – es wurde nichts verändert. „Es ist wie eine Zeitkapsel“, so Pigge.

Seit 2016, als die Planungen für die Umsetzung der Land­diskothek begannen, wird die Geschichte des Lokals und seiner Gäste intensiv recherchiert. Die absolute Kurzversion lautet: In der Scheune aus dem Ende des 18. Jahrhunderts betrieb Johann „Jan“ Hasselmann ein Ausflugslokal mit angeschlossenem Saalbetrieb und Live-Musik. Dafür baute er das Gebäude 1959 massiv um.

Gemütlichkeit wie damals: der wiederaufgebaute Tresenbereich in der Landdisko.  Foto: HeinzelGemütlichkeit wie damals: der wiederaufgebaute Tresenbereich in der Landdisko.  Foto: Heinzel

Klaus und Gunda Sengstake übernahmen das Geschäft 1973 und wandelten es nach und nach in eine Diskothek um. Bis 2008 betrieben sie die Disko, dann machten sie den Laden dicht. Zwei anschließende Wiederbelebungsversuche waren nicht erfolgreich, und ab 2014 war der „Stein“ endgültig geschlossen.

„Für manche war es wie ein Zuhause“, schildert Laura Pigge die Situation während der Boomzeit der Landdiskothek. Zeitzeugen würden von der familiären Atmosphäre berichten. Man ging in den „Stein“, um bekannte Gesichter zu treffen. „Es ist ein Treffpunkt gewesen. Tanzen spielte hier nicht die Hauptrolle“, so Museumsleiterin Dr. Julia Schulte to Bühne.

Die Besucher der Landdiskothek in Harpstedt nahmen teilweise lange Anfahrten in Kauf. Sie kamen aus Delmenhorst, Wildeshausen und sogar Bremen. „Der ‚Stein‘ war ein Begriff“, sagt Laura Pigge, und wer am Freitag nicht im „Stein“ war, hatte am Samstag nichts zu erzählen.

Weiße Tanzfläche wird wie seinerzeit von unten beleuchtet

Bislang konnten sich Interessierte über die Geschichte des Gebäudes und den aktuellen Fortschritt auf der Baustelle über geführte Sonntagsspaziergänge informieren. Doch während der Corona-Pandemie ist das nicht möglich. Das Museumsdorf zeigt nun über seine Social-Media-Kanäle wie etwa Facebook und Instagram regelmäßig den Fortschritt.

Der nächste große bautechnische Einbau wird die Installation der Tanzfläche sein. Die weiße Fläche war und wird von unten beleuchtet – ein bisschen wie bei „Saturday Night Fever“ – allerdings ohne John Travolta. „So wie die Menschen ihn in Erinnerung haben“, so solle sich die Landdiskothek mit ihrer ­Originalausstattung den Besuchern ab September präsentieren.

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