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Kunstwerke mit berauschender Wirkung

Die Malerin Sibylle Springer greift die Zwiespältigkeit von giftigen Heilpflanzen auf. Die Ausstellung "Pharma Phlora" ist vom 13. Juni bis 5. Juli in Vechta zu sehen.

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Großformatiges Werk mit tiefer Bedeutung: In dem Bild "Wirkung variabel" greift Künstlerin Sibylle Springer die Schönheit und Schattenseiten der Maiglöckchen auf. Foto: Speckmann

Großformatiges Werk mit tiefer Bedeutung: In dem Bild "Wirkung variabel" greift Künstlerin Sibylle Springer die Schönheit und Schattenseiten der Maiglöckchen auf. Foto: Speckmann

Mehr als ein halbes Jahr hat Sibylle Springer auf ihre erste Ausstellung in der Stadt Vechta hingearbeitet. Zuletzt begleitet von der Ungewissheit, ob sich die Pläne während der Corona-Pandemie überhaupt verwirklichen lassen. Doch dank der jüngsten Lockerungsmaßnahmen können die Werke der Künstlerin ab dem kommenden Wochenende in den historischen Gemäuern des Kaponiers der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Die Vorfreude über die Ausstellung ist Sibylle Springe deutlich anzumerken, als sie ihre Werke am Dienstagnachmittag an den weiß verputzten Wänden des Kaponiers aufhängt. "Ich mache wirklich Luftsprünge", sagt die Künstlerin. Der Blick auf die mehr als 20 Bilder könnte den Betrachter in der Tat dazu verleiten, für einen ganz kurzen Moment abzuheben. Denn die Motive kreisen um einen Zustand, der einer berauschenden Wirkung nahe kommt.

Ausstellung beschäftigt sich mit giftigen Pflanzen

Die Ausstellung mit dem Titel "Pharma Phlora" zeigt giftige Heilpflanzen, die von Natur aus eine Ambivalenz in sich tragen. Sie dienen zu medizinischen Zwecken, können aber auch eine halluzinogene Wirkung entfalten und sogar tödlich sein, wenn sie in zu großer Dosis verwendet werden. Dieses Zwiespältige ist es, was Springer laut eigener Aussage reizt. Sowohl in der Natur als auch in der künstlerischen Darstellung. So pendeln ihre Gemälde zwischen Schönheit und Schrecken, Abstraktion und Figuration, Tradition und Neuerung.

In dem Bild Cocktail verarbeitet die Künstlerin gleich mehrere giftige Heilpflanzen. Die düsteren Farben sprechen für die zerstörerische Wirkung. Foto: SpeckmannIn dem Bild "Cocktail" verarbeitet die Künstlerin gleich mehrere giftige Heilpflanzen. Die düsteren Farben sprechen für die zerstörerische Wirkung. Foto: Speckmann

Das Bilsenkraut ist so eine alte Heilpflanze, die gleich mehrfach in den Werken auftaucht. Es sei früher als Schlaf- oder Schmerzmittel eingesetzt worden, könne aber auch die Wahrnehmung verändern und zerstörerisch wirken, weiß Springer um die vielschichtige Bedeutung. In Verbindung mit blühenden Jakobskreuzkraut, Mutterkorn und weiteren Extrakten entsteht ein spannender Cocktail, der sich zum Teil in düsteren Farben ausdrückt.

Bei Betrachtung der schönen und zugleich gefährlichen Heilpflanzen lohnt sich der Blick aufs Detail: Beim genauen Hinschauen werden kleine Raupen lebendig, die sich an den giftigen Blättern nähren. An anderer Stelle kommt der Mensch ins Spiel, zum Teil berauscht von der natürlichen Gewalt. Im Hintergrund offenbaren sich historische Zitate von alten Meistern der Kunstgeschichte. "Wer sich gut auskennt, kann sie finden", sagt Springer lächelnd.

Springer setzt auf Acryl- und Aquarellfarben

In einigen Fällen arbeitet die Künstlerin auch mit Silhouetten, etwa einem Gemälde von Hans Baldung Grien aus dem 16. Jahrhundert. Hier greift sie eine schöne Frau auf, die vom Tod förmlich geküsst wird. Dabei zeigt sich wieder die Zweideutigkeit, mit der die gebürtige Münsteranerin gerne in ihren Ateliers in Bremen und Berlin arbeitet. Ob in diesem Porträt jemand geheilt, vernebelt oder in die Arme des Todes geworfen wird, das liegt dann ganz im Auge des Betrachters.

Die vorwiegend mit Acryl- und Aquarellfarben gemalten Bilder hat Springer eigens für die Ausstellung in Vechta geschaffen. Die Thematik soll einen Bezug zur Region darstellen, sagt die 46-Jährige. Schließlich sei die Stadt umgeben von einem grünen Gürtel. Dabei gehe es auch um die Bedeutung der Natur und deren Nutzung: "Wie gehen wir mit unserer Umwelt um? Wie begegnen wir den Pflanzen?" Mit diesen Fragen will die Künstlerin zum Nachdenken anregen. In einer Zeit, in der sich ein Zwiespalt zwischen Umweltbewusstsein und wirtschaftlichen Interessen auftut.

Vernissage fällt wegen der Pandemie aus

Die Schönheiten und Schattenseiten der Heilpflanzen hat Springer in einer kleinen Broschüre gebündelt, die während der Ausstellung erhältlich ist. Außerdem wird ein Text von Kunstkritiker Jürgen Weichardt aus Oldenburg ausliegen. Er hätte bei der Vernissage gesprochen. Diese fällt aber aufgrund der Pandemie aus. Aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln dürfen sich nur maximal zehn Personen gleichzeitig im Gebäude aufhalten. Sibylle Springer wird am Sonntag (14. Juni) von 16 bis 18 Uhr vor Ort sein, um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen.

  • Info: Die Ausstellung ist vom 13. Juni bis 5. Juli zu sehen. Die Öffnungszeiten sind dienstags, mittwochs und freitags, 16 bis 18 Uhr, donnerstags 18 bis 20 Uhr, samstags, sonntags und feiertags, 11 bis 13 Uhr, sowie sonntags und feiertags, 15 bis 18 Uhr.

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