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Kunst von Kurt Lettow zieht sich durch OM

Der Name des Bremer Bildhauers ist vielen nicht geläufig. Auf seine Werke, die uns umgeben, macht deshalb ein Visbeker aufmerksam.

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Auch die Holzplastik "Der Heilige Antonius" im Flur des Gymnasiums Antonianum in Vechta hat Kurt Lettow gefertigt.  Foto: Oltmann

Auch die Holzplastik "Der Heilige Antonius" im Flur des Gymnasiums Antonianum in Vechta hat Kurt Lettow gefertigt.  Foto: Oltmann

Den Werken von Kurt Lettow begegnet man im Oldenburger Münsterland oft. Häufig aber weiß der, der beispielsweise an der überlebensgroßen Holzplastik „Der Heilige Antonius“ im Flur des Gymnasiums Antonianum in Vechta vorüberhastet, nicht, dass sie von dem in seinem Schaffen schier unermüdlichen Bremer Bildhauer gefertigt wurde. Dass der Name des Künstlers droht ins Abseits zu geraten, liegt vermutlich auch daran, dass er nirgendwo Signaturen hinterließ.

Nicht müde, an das Wirken des Künstlers zu erinnern und auf seine Arbeiten aufmerksam zu machen, wird der Visbeker Dieter-Felix Grzabka. Kürzlich hatte er wieder einen stichhaltigen Grund dafür: Der Todestag des Bildhauers jährte sich zum 30. Mal. Der am 24. April 1908 in Bremen geborene Kurt Lettow starb am 24. April 1992 in Bremen.

Lettow gestaltet 1955 "Großen Kreuzweg" in Visbek

Zu diesem Anlass hat Grzabka auch einen Text geschrieben. In dem heißt es: „Über ein geschnitztes Kruzifix, mit dem Lettow als 22-Jähriger in den 30er Jahren in einer der Bremer Kunstschauen Böttcherstraße vertreten war, war in den Zeitungen zu lesen, es sei ,modern', ,das beste Stück', die Arbeit sei ,glücklich gelöst', … ,Das Gebrochene, das Ausgelittene eines Menschen ist hier in qualvoller Deutlichkeit geschildert. Der Zweck der religiösen Aufwühlung des christlichen Gemüts ist erreicht.'“

In Visbek, so erläutert Grzabka weiter, könne jeder Wanderer oder Pilger, der im Visbeker Bruchbach-Tal den „Großen Kreuzweg“ gehe, diesen Eindruck nachvollziehen. Kurt Lettow hat, so Grzabka, zu Karfreitag 1955 die 13 Stationsbilder und eine große Kreuzigungsgruppe (Kalvarienberg) aus Keramik im Klinkerbrand neu und in ihrer künstlerischen Aussage äußerst eindrucksvoll gestaltet.

Der Bremer Bildhauer Kurt Lettow. Foto: Van WilpeDer Bremer Bildhauer Kurt Lettow. Foto: Van Wilpe

Die Informationstafel zum „Großen Kreuzweg“ hat Grzabka verfasst. Den ehemaligen Lehrer irritierte, wie er erzählt, dass die Gemeinde Visbek bis 2012 auf ihrer Homepage das Werk einem Künstler aus Lettau zuordnete. Grzabka aber wusste: „Den Ort Lettau gibt es nicht. Es kann nur der Künstler Lettow gemeint sein.“

Zu den frühen Auftragsarbeiten des Bremers gehört „Die Heilige Elisabeth“ für das Arbeitsamt Vechta. Sie stammt aus dem Jahr 1933. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt Lettow 1945 aus englischer Gefangenschaft krank nach Hause zurück. Für das Vechtaer Kloster Marienhain schnitzte er 1948 das große Relief „St. Josef mit dem Kind“ und ein 1,50 Meter hohes Kruzifix aus Eichenholz.

Werke des Künstlers auch in Bether Basilika zu sehen

Im Wallfahrtsort Bethen, auch darauf weist Grzabka hin, begegnet der Pilgerer dem Künstler Kurt Lettow in den „Szenen aus dem Leben Jesu“ auf acht Emailleplatten am Tabernakel der Basilika aus dem Jahr 1954. Außerdem stammt aus dem Atelier des Bremers dort ein kleines Altarkreuz in Emaille. Das in beeindruckender Größe an der Außenwand der ehemaligen katholischen „Jugendburg St. Michael, Bethen“ prangende Sgraffito „Der Heilige Michael tötet den Drachen“ hatte Lettow dort 1953 aus dem feuchten Putz gekratzt. Ein von ihm gefertigtes Eichenholzkreuz schmückte dort außerdem den Speisesaal.

Immer wieder beeindruckt ist der Visbeker Dieter-Felix Grzabka, wie weit verbreitet die Arbeiten des Bremers sind. Wangerooge, Hamburg, Emden, Varel, Delmenhorst, Hannover, Halle an der Saale, Bochum und Bottrop sind nur einige der Orte, an denen man auf sakrale Werke oder auf Arbeiten im öffentlichen Raum von Lettow trifft. Für Grzabka „zeugen die Kunstwerke unterschiedlichster Art vom Talent und von der immensen künstlerischen Kreativität und Schaffenskraft Kurt Lettows in Gestalt von Holzschnitten, Stelen, Gedenksteinen, Reliefs an öffentlichen Gebäuden, Altarkreuzen, Altarleuchtern unter anderem sakralen Gegenständen, Türdrückern aus Bronze für Kirchentüren, Bronzegüssen, Taufsteinen, Glasfenstern, Emaillearbeiten, farbigen Keramiken, Mosaiken, Plastiken aus Holz, Stein und vielem anderen mehr.“ Auch die acht „Leuchten mit Steinsockel“ aus Granit und Kupfer auf dem Marktplatz beim Bremer Rathaus kommen aus dem Atelier des Künstlers, der Querflöte spielte und gern im Familienkreis musizierte. „Ich kann nur jedem empfehlen sich auf die Spuren Lettwos zu begeben. In Bremen oder auch in Emden ist das ein Erlebnis“, sagt Kenner Grzabka. Er und seine Frau Gertrud sind auch Lettows Tochter, Professor Julia van Wilpe, seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden. Sie hatte auf Betreiben der Eheleute Grzabka die Hohlformen des Visbeker Kreuzwegs aus dem Nachlass ihres Vaters 2015 nach Visbek gebracht. Dort lagern sie nun im Keller des Visbeker Heimatvereins.

Als Kurt Lettow mit 84 Jahren starb, wurde er auf dem Oberneulander Friedhof in seiner Heimatstadt beigesetzt. Bei seiner bis ins hohe Alter unermüdlichen Schaffenskraft wundert nicht, was seine Tochter schreibt. Seinen Grabstein habe ihr Vater bereits 1980 fertiggestellt. Eine 2 Meter hohe Grabstele aus Sandstein mit dem Schriftzug „Familie Lettow“. Außerdem ziert die Stele das Motiv der Auferstehung.

  • Info: Julia van Wilpe hat den Nachlass ihres Vaters aufgearbeitet unter anderem mit der Herausgabe ihres Buches „Kurt Lettow, Bildhauer über die Grenzen Bremens hinaus“, erschienen im Rasch-Verlag, ISBN 978-3-89946-211-1.

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