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"Kulturschockende" fassen ihre Welt in Worte

Eine junge Autorengruppe aus Vechta veröffentlicht ein Gemeinschaftswerk mit dem Titel „Alles auf Null“. Weitere Projekte sollen folgen, um die Lust aufs Schreiben zu wecken.

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Teilen die Lieben zum Schreiben: Amira Racho (links) und Antonia Wengert haben die Autorengruppe vor drei Jahren initiiert. Nun ist das zweite Buch auf den Markt gekommen. Archivfoto: Geest-Verlag

Teilen die Lieben zum Schreiben: Amira Racho (links) und Antonia Wengert haben die Autorengruppe vor drei Jahren initiiert. Nun ist das zweite Buch auf den Markt gekommen. Archivfoto: Geest-Verlag

„Alles auf Null“ – So lautet der Titel eines neuen Buches, das acht junge Autoren kurz vor Weihnachten im Geest-Verlag aus Langförden veröffentlichen. Das Gemeinschaftswerk der Kulturschockenden, wie sich die Autorengruppe nennt, umfasst eine Fülle an unterschiedlichen Sichtweisen auf die Welt. Die Beiträge sollen den Leser zum Gespräch einladen – und auch zum eigenem Schreiben anregen.

Verleger Alfred Büngen ist äußerst angetan von den Zeilen, die die Nachwuchsautoren aus Vechta und Umgebung in den vergangenen Monaten zu Papier gebracht haben. „Sie haben ihre eigene Sprache und Weltsicht in ihren Texten entwickelt“, berichtet der Langfördener, der die „Kulturschockenden“ seit mittlerweile drei Jahren begleitet und in ihrer schriftstellerischen Tätigkeit fördert.

Die Gruppe hat sich im Oktober 2018 mit Unterstützung des Malteser Hilfsdienstes und des Bündnisses „Partnerschaft für Demokratie“ gegründet. Verantwortlich zeichnen Antonia Wengert, Referentin und Leiterin des Integrationsdienstes bei den Maltesern in Vechta, sowie deren ehrenamtliche Mitarbeiterin Amira Racho, die inspiriert vom Poetry-Slam den Anstoß für das Projekt gab.

Acht Autoren haben sich für die Veröffentlichung mit dem Titel Alles auf Null zusammengeschlossen. Foto: Geest-VerlagAcht Autoren haben sich für die Veröffentlichung mit dem Titel "Alles auf Null" zusammengeschlossen. Foto: Geest-Verlag

„Mir ging es darum, ein neues Format zu schaffen, was modern ist und Jugendlichen die Möglichkeit gibt, ehrlich und offen über ihre Gefühle und ihr Leben zu schreiben“, blickt die heute 26-jährige Amira Racho auf die Anfänge zurück. Die Idee stößt bei Antonia Wengert sofort auf offene Ohren: „Wir beide waren uns schnell einig, dass das wirklich etwas Großes und Wichtiges für Jugendliche werden kann.“

Ihr gemeinsames Ziel, Menschen eine Stimme zu geben und vor allem Jugendliche dazu zu motivieren, Dinge kritisch zu hinterfragen und über Sachverhalte zu diskutieren, findet schnell Mitstreiter. Acht Autoren erklären sich dazu bereit, sich gegenseitig zu unterstützen, aneinander zu wachsen und voneinander zu lernen. Das Ergebnis spiegelt sich in ihrem ersten Buch wider. Hier geht es um die Auseinandersetzung mit Heimat und Identität.

Verleger lobt die sprachliche Entwicklung

Die Gruppe ist im Laufe der Jahre nahezu komplett zusammengeblieben. Die Mitglieder hätten sich in sprachlicher, formaler und inhaltlicher Form weiterentwickelt, wie ihr Verleger anerkennend feststellt. Dabei attestiert er Antonia Wengert, dass ihre Texte vielleicht die größte literarische Komplexität aufweisen. Nicht zufällig sei der Titel des Buches einem ihrer Texte entnommen worden.

Mit sehr klarer und eindeutiger Sprache und doch immer wiederkehrenden Reflexionszeichen beschreibt Jessica Heister ihre Weltsicht zwischen der eigenen Vergangenheit und der Zukunft. Derweil charakterisiert sich Lena Heckmann, mit 18 Jahren die jüngste Vertreterin der „Kulturschockenden“, in ihrem Schreiben durch einen stark emotionalen Bezug zur Welt.

Eine ganz andere Ausdrucksweise erkennt der Verleger bei den männlichen Autoren des Buches. Für Jonas Heyng ist Schreiben ein Austausch in Momentaufnahmen, so wie sich Menschen in dem Augenblick in einem Austauschprozess mit sich selbst und der Welt befinden. Klar und eindeutig sind Sprache und Form von Sönke Baumdick. Kein Suchender, sondern jemand, der eindeutig seine Position zur Welt zeigt.

Nerouz Rachos zeigt einen schmerzhaften Austauschprozess mit der Welt auf. Amira Racho geht einen Schritt weiter. Bei aller skeptischen gesellschaftlichen Analyse ist in ihren Texten immer wieder Hoffnung spürbar. Zu guter Letzt: Nida Özuylasi. In ihren Beiträgen geht es um die Suche nach einer inneren und äußeren Schönheit der Welt, die sie in den verschiedensten Momenten und Bildern immer wieder entdeckt.

Schreibprojekte in den Schulen sollen folgen

„Es ist ein schönes Zusammenspiel zwischen allen Beteiligten“, lobt Alfred Büngen die Gemeinschaftsproduktion. Er freut sich bereits auf die Fortsetzung der Kooperation im nächsten Jahr. Dann soll es verschiedene Schreibprojekte an Schulen geben, bei denen die jungen Autoren mit einem vom Verleger erarbeiteten Konzept selbst vor die Schüler treten und den Nachwuchs zum Schreiben animieren.

  • Info: Alles auf Null, Autoren Sönke Baumdick, Lena Heckmann, Jessica Heister, Jonas Heyng, Nida Özuylasi, Amira Racho, Nerouz Racho, Antonia Wengert, 140 Seiten, 11,80 Euro, Geest-Verlag, ISBN 978-3-86685-878-7

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