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Kulturscheune verschiebt weitere Auftritte

Corona bringt den Veranstaltungskalender in Lastrup erneut durcheinander. Schauspieler Christoph Tiemann berichtet OM online über die Stimmung unter seinen Kolleginnen und Kollegen.

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Auftritt verschoben: Christoph Tiemann wird voraussichtlich erst im September nach Lastrup kommen. Foto: Hanno Endres

Auftritt verschoben: Christoph Tiemann wird voraussichtlich erst im September nach Lastrup kommen. Foto: Hanno Endres

Verena Rammler hat es wahrlich nicht leicht. Die Kulturbeauftragte der Gemeinde Lastrup benötigt zurzeit starke Nerven, denn das von ihr sorgsam aufgebaute Veranstaltungsprogramm scheint auch in diesem Jahr weitgehend der Coronakrise zum Opfer zu fallen. Nachdem der Start im März bereits verpasst wurde, muss die Rathausmitarbeiterin jetzt weitere Terminverschiebungen ankündigen.

Auch der gemeinsame Auftritt von Schauspieler Christoph Tiemann und dem „Theater Ex Libris“ kann nicht wie geplant stattfinden. Eigentlich wollte das Ensemble sein Live-Hörspiel des Stevenson-Klassikers „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ am 28. April in der Kulturscheune aufführen. Das sei angesichts der aktuellen Pandemiesituation aber nicht mehr möglich, bedauert Rammler. Die Veranstaltung wurde auf den 9. September verschoben - immerhin dieses Jahres. Soweit reicht der Optimismus noch.

"Voice Passion" kommt erst 2022

Deutlich länger warten müssen die Lastruper dagegen auf den Musicalabend des Duos „Voice Passion“. Es sollte am 8. Mai mit dem Programm „By Candlelight“  zu Gast im bislang weitgehend ungenutzten Veranstaltungszentrum der Gemeinde sein. Die Kerzen werden nun erst im kommenden Jahr angezündet. Das Konzert soll am 22. April 2022 nachgeholt werden.

Für die Künstler sei die Situation weiterhin sehr schwierig, sagt Christoph Tiemann. Er hatte sich auf seinen Auftritt in Lastrup gefreut. Dabei ist es ihm fast egal, wie viele Zuschauer dabei gewesen wären. „Jeder von uns brennt doch dafür, vor Publikum zu stehen.“ Stattdessen sei er „mal wieder“ vor allem mit „Absagemanagement“ beschäftigt. Rund hundert Buchungen dürften ihm bislang durch die Lappen gegangen sein, schätzt der Münsterländer. Für diejenigen, die mit Kunst und Kultur ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, sei auch das zweite Coronajahr frustrierend. „Als Einzelkünstler kann man sich meist noch helfen. Wer aber laufende Kosten hat, weil er einen oder mehrere Mitarbeiter bezahlen muss, erlebt das alles als unglaubliche existentielle Belastung.“

Geschlossen: In der Kulturscheune können zurzeit keine Veranstaltungen stattfinden. Foto: RammlerGemeinde LastrupGeschlossen: In der Kulturscheune können zurzeit keine Veranstaltungen stattfinden. Foto: Rammler/Gemeinde Lastrup

Hinzu käme die Angst, aus der Künstlersozialkasse zu fallen. Sie ermöglicht Kreativen trotz ihres geringen Einkommens eine Kranken- und Rentenversicherung. Die Bedingungen in normalen Zeiten: Man muss mindestens einen Verdienst von 3900 Euro pro Jahr durch künstlerische Tätigkeiten erzielen. Und man darf höchstens 450 Euro pro Monat durch andere Beschäftigungen dazuverdienen. In Coronazeiten müssen sich viele Künstler aber neue Einnahmequellen erschließen, weiß Tiemann.

"Die Menschen wollen das Live-Erlebnis haben"Christoph Tiemann, Schauspieler

Durch die Krise kommen jetzt jene am besten, die mit ihrem Angebot breit aufgestellt sind. Christoph Tiemann etwa schreibt Texte für das Radio und arbeitet auch als Sprecher und Moderator, unter anderem beim WDR. Festangestellt ist er dort aber nicht. „Ich darf jedoch nicht klagen“, betont er. Die Hoffnung, dass die Flaute in diesem Jahr zu Ende gehen würde, hat sich bislang nicht erfüllt. Tiemann stellt um sich herum eine wachsende Ungeduld fest. Mit Live-Streams seiner Bühnenauftritte versucht er, sein Publikum „wenigstens zwei Stunden lang“ in eine andere Welt mitzunehmen. „Die Menschen wollen das Live-Erlebnis. Das ist einfach besser, als sich bei Netflix eine Konserve reinzuziehen.“ Der Erfolg bestärkt ihn, weiterzumachen. Nach den Streams dankten viele Nutzer mit einer freiwilligen Geldspende. Für das 15-köpfige „Theater ex libris“ sei das ein schöner Nebeneffekt, sagt er. Dass die Streams die analogen Auftritte auch wirtschaftlich nicht ersetzen können, ist ihm aber bewusst. „Wenn sich 1000 Menschen zuschalten, entspricht das in etwa fünf Bühnenshows.“

Für die Lastruper Kulturscheune findet der Künstler nur lobende Worte. „Es ist toll, dass die Veranstalter die Hoffnung nicht aufgeben und uns die Stange halten.“  Ob aufrüttelnd oder einfach unterhaltsam: Kunst gebe den Menschen Impulse für ihr Leben, betont er. Und ein voller Saal habe für ihn eine geradezu „magische Qualität.“

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