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#Kontextverständnis

Kolumne: Irgendwas mit # – Kommende Woche findet die Oscar-Verleihung statt. Der Film mit den meisten Nominierungen stößt auf geteiltes Echo.

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Als Top-Favorit bei der diesjährigen Oscar-Verleihung geht das Westerndrama „The Power of the Dog“ mit zwölf Nominierungen ins Rennen. So manchen Social-Media-User verwirrt das. Der Film ist doch langweilig – um Ihnen die zahlreichen englischsprachigen Kommentare mal euphemistisch zusammenzufassen.

Da das Werk seit einiger Zeit auf Netflix zu finden ist, können sich Streaming-Abonnentinnen und -Abonnenten selbst davon überzeugen, ob die Filmexpertinnen und -experten bei Instagram und Co. Recht haben. Nachdem die Oscar-Nominierungen bekannt wurden, stieg der Film schnell in das bekannte Top-Ten-Ranking auf. Die Zahl der Wissenden stieg also.

Mir gefällt der Film sehr gut. Dass das einige anders sehen, kann ich aber zum Teil nachvollziehen. Das hat meiner Einschätzung nach auch etwas mit unserer Art der Kommunikation zu tun. Wir Deutschsprechenden sowie englische Muttersprachlerinnen und Muttersprachler sind zum größten Teil Mitglieder einer sogenannten „low-context-culture“. Der amerikanische Anthropologe Edward T. Hall beschäftigte sich in seinem Werk „Beyond Culture“ damit, dass der Kontextbezug bei der Informationsübermittlung in jedem Kulturkreis verschieden ausgeprägt ist. Ein niedriger Kontextbezug bedeutet, vereinfacht gesagt, dass wir für unsere Kommunikation eine direkte Ansprache benötigen. Wir meinen, was wir sagen. Hintergrundinformationen müssen mitgeliefert werden. Nonverbale Kommunikation spielt in diesem Kulturkreis eine eher untergeordnete Rolle.

Anders sieht es in Kulturen mit hohem Kontextbezug aus – wie beispielsweise im ostasiatischen Raum. Dort wird bei der Kommunikation bestimmtes Hintergrundwissen vorausgesetzt. In manchen Kulturen gilt Direktheit sogar als unhöflich. Vieles wird angedeutet. Auf die Nuancen – gerade hinsichtlich der nonverbalen Kommunikation – kommt es an.

"'The Power of the Dog' mag nicht zum Publikumsliebling avancieren, aber darum geht es bei den Oscars ja sowieso nicht."Carina Meyer

Was hat das jetzt mit dem Film zu tun? Nun, in „The Power of the Dog“ erzählt Regisseurin Jane Campion die Geschichte vor allem mit großartigen Bildern. Sie lässt ihre Figuren gar nicht so viel mit Worten sagen, sondern viel mehr mit ihren Taten. Das dürfte erklären, warum der Hauptcast durchweg für einen Oscar nominiert ist. Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind hier gefragt, die Nuancen verständlich zu transportieren. Das bedeutet eben auch, dass das Erzähltempo gedrosselt werden muss, um dem Ganzen Raum zu geben. Für uns, die es gewohnt sind, alles direkt und ohne Umschweife mitgeteilt zu bekommen, führt das zu Ungeduld – und wir empfinden Langeweile. „Komm zum Punkt“, möchte man da rufen.

„The Power of the Dog“ mag nicht zum Publikumsliebling avancieren, aber darum geht es bei den Oscars ja sowieso nicht. Denn ansonsten würde vermutlich „Spider-Man – No Way Home“ in jeder Kategorie abstauben. Das Marvel-Spektakel hat aber lediglich Chancen auf einen Oscar für die besten visuellen Effekte. Fun Fact: Sowohl in „The Power of the Dog“ als auch in „Spider-Man“ wirkte Benedict Cumberbatch in bedeutenden Rollen mit. Ich mag ihn in beiden.


Zur Person:

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